Frischquak

Lebensecht

- Was gut ist, kommt wieder. Ein Kalauer zumeist.

Bei Dalli-Dalli stimmt´s. „Nachher kommt Dalli-Dalli. Das dürft Ihr gucken, wenn Ihr vorher euer Zimmer aufgeräumt, gebadet und die Zähne geputzt habt...“ Mamas Ansage wirkte bei meinem Bruder und mir – unter diesen speziellen Voraussetzungen, versteht sich. Im Bademantel, den Geruch von Schauma-Apfel-Shampoo in den frisch gewaschenen Haaren, Werthers Echte und Bahlsenchips ungarisch auf dem Wohnzimmertisch, saßen wir mit der gesamten Familie pünktlich vor der Flimmerkiste. Mitraten bei Dalli-Klick, mitgehen mit dem hüpfenden „Hänschen“ Rosenthal. Auf den Kindergeburtstagen damals haben wir ihn nachgespielt, ließen Cousins und Cousinen in fliegender Hast Sätze bilden, bastelten Puzzles zum Dalli-Klick-Raten und dachten uns – mal ehrlich – bescheuerte Spiele aus. Riesenspaß hat´s gemacht. Plötzlich, nach 40 Jahren, ist alles wieder da. Die Pflaume gilt es zwar zu schlucken, aber ansonsten funktioniert Dalli-Dalli wie früher. Unser kleiner Hausengel sitzt ebenso davor, wie mein Hausengel und ich in unseren Kindertagen, unser Sohn samt Freundin nicht minder, und alle haben Spaß. Weshalb? Es geht doch nur um Blödeleien, und für andere Shows bekommt man längst nicht mehr die gesamte Familie vor die Glotze. Meine persönliche Erklärung: Das Format lässt den Promis wenig Raum, sich zu verstecken oder zu verkleiden. Unter Zeitdruck offenbaren sich kleine Schwächen und Stärken. Da hängt Florian Silbereisen seinen Kopf gefühlte 20 Minuten, den Atem anhaltend, ins Wasser, während Teampartner Opdenhövel Fragen beantwortet. Der „Volksmusik-Fuzzi“, für dessen Sendungen ich mich mehr fremdschäme, als für irgendetwas sonst, taucht selbst dann noch nicht auf, als alle Fragen längst durch sind. Respekt. Oder Schauspielerin Nora Tschirner, die aufgedreht als nicht zu haltendes Energiebündel über den Bildschirm fegt und „Scheiße...“ schreit, zwei Meter hoch in der Luft an einem Seil hängend. Wie bändigt ein Regisseur diese Frau am Set? Dalli-Dalli gewinnt dem allgegenwärtigen Zeitdruck die heitere Seite ab – um am Ende beim Verlesen der Spendenadressaten die Erinnerung wach zu rufen an Menschen, die kämpfen müssen um ihr Lachen. Das ist echt. Lebensecht.Deshalb kam es wieder. Nur Eckhard Fritsch und seine Theaterauftritte. Die fehlen mir ein bisschen, meint euer Ederlurch

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