Dokumente von Flugzeugabsturz in 1945 und Bootsunglück in 1947 erinnern an mutige Schwestern

Lebensretterinnen für das Museum

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Der amerikanische Oberleutnant William B. Larson mit seinen Retterinnen Ilsedore und Rosemarie Krieger.

Waldeck - Scheid - 1945 stürzte ein amerikanischer Pilot über dem Edersee ab. Bislang unbekannte Dokumente wurden der Dorfstube Nieder-Werbe übergeben.

Jeff Kirchhoff fand vor einigen Jahren in seinem gerade erworbenen Haus auf der Halbinsel Scheid eine alte Mappe. Darin befanden sich unter anderem Originaldokumente und Fotografien über einen Flugzeugabsturz vom 12. Mai 1945 am Edersee.

Kirchhoff bot die Unterlagen dem städtischen Archiv an, doch er wartete mehrere Monate vergeblich auf Resonanz. Gastwirt Andreas Skowronek machte ihn auf die Dorfstube in Nieder-Werbe aufmerksam, wo historische Fotos und Dokumente über die Geschichte des Edersees gesammelt werden.

Wilhelm Neuhaus vom Team des seit 1995 bestehenden Heimatmuseums war daran sehr interessiert. Am Donnerstag übergab Kirchhoff die Dokumente an der Stelle des Unglücks am Ostufer der Halbinsel Scheid an Neuhaus - und am Freitag erhielt Kirchhoff einen Anruf aus dem Sachsenhäuser Rathaus mit Verweis auf reges Interesse.

Zwei mutige Frauen retten Absturzopfer

Die Mappe beinhaltet neben Fotos des amerikanischen Piloten mit seinen Retterinnen und des Flugzeugwracks ein Dankschreiben an die beiden jungen Frauen aus dem amerikanischen Hauptquartier in Englisch und in deutscher Übersetzung.

Am 12. Mai 1945, gerade einmal vier Tage nach der deutschen Kapitulation, überflog ein Militärflugzeug der amerikanischen Besatzungstruppen, das von Leutnant William B. Larson gesteuert wurde, den Edersee. Die Maschine verfing sich in einem Stromkabel und stürzte in den See. Durch den mutigen Einsatz zweier Frauen von Scheid wurde der Pilot gerettet. Zwei Tage später, am 14. Mai, verfasste Colonel W. A. Metts aus dem Hauptquartier der 32D Field Artillery Brigade der US-Armee ein Dankschreiben an die beiden Retterinnen, in dem er schrieb:

„Thema: Anerkennung. An: Fräulein Ilsedore und Rosemarie Krieger, Scheid am Edersee.Am 12. Mai 1945 um 15.00 Uhr verunglückte Oberleutnant William B. Larson von dieser Brigade mit seinem Flugzeug auf dem Edersee, Deutschland. Das Flugzeug des Leutnants Larson stürzte ins Wasser und sank beinahe im selben Moment; er aber konnte sich noch frei machen und die Oberfläche erreichen. Erschüttert und halbbewusst, klammerte Leutnant Larson an einem schwimmenden Teil des abgestürzten Flugzeuges. Als Zeugen des Unfalls und im Bewusstsein, dass der verwundete Pilot in Gefahr war zu ertrinken, holten Sie beide ein grosses Brett herbei und ohne Zögern schwammen Sie hiermit dem Leutnant zu Hilfe. Die Rettung geschah dadurch, dass Sie den verwundeten Offizier auf die Planke legten und ihn somit zum Ufer und in Sicherheit brachten. Dort behandelten und verpflegten Sie ihn bis amerikanisches Personal herbeieilte. Diese Tat der Tapferkeit und des Mutes rettete in aller Wahrscheinlichkeit Leutnant Larson das Leben, und um seiner und der Brigade Willen, möchte ich Ihnen unseren Dank und aufrichtige Anerkennung ausdrücken.“ Neuhaus war zum Zeitpunkt des Unglücks zehn Jahre alt und kannte diese Geschichte bisher nur aus Erzählungen. Sein Vater hatte auf Scheid Grundstücke gepachtet und war auch häufig bei seinem Cousin Karl Göge, dessen Eltern damals die Gaststätte „Zum Anker“ bewirtschafteten. Neuhaus wusste, dass die beiden Retterinnen gegenüber der amerikanischen Besatzungsmacht einen Wunsch äußern durften. Sie baten um die Freilassung ihres Vaters aus der Kriegsgefangenschaft, dem die Amerikaner auch nachkamen.

Noch ein Bootsunfall

Auf der Rückseite des Fotos mit dem Wrack des Flugzeuges ist handschriftlich „Nov. 1947“ vermerkt. Kirchhoff und Neuhaus vermuten, dass die Überreste des Flugzeuges zu diesem Zeitpunkt bei Niedrigwasser im Herbst erst geborgen werden konnten. In der Mappe befindet sich noch ein weiteres Schriftstück über einen Bootsunfall auf dem Edersee, in dem die beiden mutigen Frauen als Retterinnen zum Einsatz kamen. Dieses lautet:

„Tatsachenbericht.Am 26. Juli 1946 zwischen 16 u. 17 Uhr ereignete sich am Edersee-Scheid ein Bootsunglück, welches durch tatkräftiges Eintreten mutiger Menschen ohne Personenverluste endete. Eine Familie aus Korbach kommend hatte sich von Familie Dahms Scheid, ein Kanu geliehen. Der Sohn, etwa 10 Jahre alt, das Ehepaar und dessen Tochter von etwa 9 Jahren kenterten zirka 250 m. vom Ufer. Durch markerschütternde Hilferufe wurden die Geschwister Frau Ilsedore Stör, geb. Krieger, und Frl. Rosemarie Krieger aufmerksam. Sie eilten unverzüglich der Unglückstelle zu und retteten durch Schwimmen die Frau, die schon 2 mal untergetaucht war. Die letzten 50 m. zum Ufer nahm ein Herr Wassermann aus Kassel, der Zeuge dieses Unfalles war, die Frau mit in sein Boot. Der Mann rettete sich durch Schwimmen, die Tochter wurde von einem Gärtner aus Korbach, namens Feuerhake, gerettet. Der Sohn von Dahms konnte schwimmen und bemühte sich um sein absinkendes Boot, welches die Geschwister schwimmend mit ihm abschleppten und an Land zogen. Da das Ehepaar sich in keiner Weise den Geschwistern erkenntlich zeigte, können hier leider keinerlei Personalangaben gemacht werden. Durch die nebengemachten Zeugenunterschriften entspricht dieser Tatsachenbericht seiner vollsten Wahrheit.“ Mit Dienstsiegel versehen

Das Dokument ist mit den Unterschriften mehrerer Zeugen versehen und auch von dem Nieder-Werber Bürgermeister Daniel Wöllenstein, der von 1945 bis 1952 amtierte, unterschrieben und mit seinem Dienstsiegel versehen.

Neuhaus ist über die alten Dokumente sehr erfreut: „Das ist eine hochinteressante Geschichte.“

Die Dorfstube öffnet bei Veranstaltungen oder nach Vereinbarung bei: Ursula Friedrich, Tel. 05634/383, Helga und Heinz Kühn, Tel. 860, Elfriede und Wilhelm Neuhaus, Tel. 240, Gerlinde und Reinhold Nordmeier, Tel. 7591, Helga Wille, Tel. 05634/231.

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