Stresemann-Gymnasium entlässt Doppeljahrgang G8/G9 • Zeugnisse für 127 Abiturienten in der Wandelhal

„Leuchtet lange, aber nicht zu hell“

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In der Oberstufe zusammengewachsen: Der Doppel-Jahrgang G8/G9 am Gustav-Stresemann-Gymnasium wurde gestern verabschiedet. 127 Abiturienten nahmen bei einem Festakt in der Wandelhalle ihre Zeugnisse entgegen.Fotos: Conny Höhne

Bad Wildungen - Zum Triumphmarsch ziehen die Abiturienten des Doppel-Jahrgangs G8 und G9 in die Wandelhalle ein. Die Filmmusik aus „Die Glorreichen Sieben“ leitet die Ausgabe der Zeugnisse ein. 127 Abiturienten wurden gestern mit guten Wünschen aus dem Gustav-Stresemann-Gymnasium entlassen.

„127 ist für uns die historisch größte Zahl an Schülern, die in einem Jahr das Abitur abgelegt haben“, blickt Schulleiterin Dagmar Ipach zurück. „1940 hat alles mit gerade einmal 18 Schülern begonnen.“ Die übliche Jahrgangsbreite von 90 Schülern verdoppelt der Doppel-Jahrgang 2012 jedoch nicht. Ipach macht als wesentlichen Grund dafür die Einführung der verkürzten Schulzeit aus.

„Nicht entmutigen lassen“

Das GSG hat G8 ein Jahr früher als andere Schulen in die Tat umgesetzt. „Nicht so experimentierfreudige Eltern“, so die Schulleiterin, hätten ihre Kinder an anderen Gymnasien angemeldet. Wer dennoch den Sprung ins kalte Wasser wagt, muss mit vielen Unzulänglichkeiten fertig werden. „Eine Mensa fehlte und Schulbücher gab es noch nicht, weil noch keine Lehrpläne vorgestellt wurden.“ Verkehrsverbindungen klappen nicht, und schließlich halten einige Schüler dem Leistungsdruck nicht Stand.

Die 127 Abiturienten haben im GSG die notwendigen Kompetenzen für ihre „Entlassung in die Freiheit“ erworben. „Macht was draus“ ruft die Schulleiterin den Abgängern bei dem Festakt in „Bad Wildungens größtem und elegantesten Wohnzimmer, dem Quellensaal“, zu. Ein ehrgeiziges Sanierungsprogramm des Landkreises bringt die Schule inzwischen Zug um Zug voran, verweist Ipach auf Neu- und Umbau. Die Schülerzahlen seien bereits um 100 auf 820 Gymnasiasten angestiegen.

Menschlichkeit und Verantwortung stellt Bürgermeister Volker Zimmermann als Tugenden besonders heraus. „Von Rückschlägen nicht entmutigen lassen“, diesen Ratschlag gibt er den jungen Leuten mit auf den weiteren Lebensweg.

Dr. Anneli Freitag-Schickram, Vorsitzende des Schulelternbeirats und Mutter einer Abiturientin, wünscht eine Zukunft, die von Menschlichkeit, aber möglichst wenig Stolpersteinen geprägt ist.

Für den Förderverein gratuliert Vorsitzende Sylvia Denner, ebenfalls Mutter eines Schulabgängers. Die Abiturienten hätten enormes intellektuelles Wissen angeeignet. „Sie gehören historisch gesehen zu einer winzigen Gruppe Auserwählter und zu den Gebildeten des Landes.“

Tabisco - doppelt scharf

Tutor Dr. Markus Lamm vergleicht die Abiturienten mit Sternen am Himmel, die Rohstoffe sammeln, um zu leuchten. „Diejenigen, die nicht genug Rohstoffe gesammelt haben, werden es nie zum Leuchten bringen.“ Zum Abiturzeugnis gibt es für jeden einen Schlüsselanhänger. „Nutzt diesen Schlüssel, schaut hinter viele Türen“,rät Lamm. „Und habt den Mut, zurückzugehen, wenn einer feststellt, dass die Wahl, die er getroffen hat, nicht passt.“

Mit Blick auf die Sterne sagt der Naturwissenschaftler, der zum Ende dieses Schuljahrs das Gymnasium verlässt: „Leuchtet lange, aber nicht zu hell.“ Den hellsten Sternen am Firmament drohe nämlich die Explosion - eine Supernova.

„Die Herstellung von guter Tabaskosoße ist ein langwieriger Prozess und braucht über drei Jahre von der Chili-Schote bis zum fertigen Produkt“ - damit leiten Cornelia Schneidmüller und Florian Mäuser in ihrer Abiturientenrde zum Motto des Jahrgangs „Tabisco - doppelt scharf im Abgang“ über.

In die weite Welt

Die Einschulung im Gymnasium vor acht und neuen Jahren skizziert den beginnenden Wandel am GSG. Eine Hälfte des Doppel-Jahrgangs wird im September 2003 in der Amtszeit des früheren Direktors Waßmuth im GSG aufgenommen. Ein Baukrater lässt damals die entstehende Turnhalle noch nicht erahnen. Die G8-Schüler ein Jahr später werden in der gerade fertig gestellten Sporthalle von der neuen Schulleiterin Ipach begüßt.

Nach einem Reifungsprozess in der Unter- und Mittelstufe erlangen die Gymnasiasten in der Oberstufe dann gemeinsam die richtige Schärfe „und treten nun - genau wie der Tabasko - den Weg in die weite Welt an“, folgern Cornelia Schneidmüller und Florian Mäuser.

Der Festakt mit Übergabe der Zeugnisse und Ehrung der besten Abiturienten (siehe nebenstehenden Bericht) wird musikalisch umrahmt von der Big-Band des Gymnasiums. Der Kammerchor der Abiturienten singt passend „for the longest Time“, der Große Chor „Whatever“. Bei einem Sektempfang in der Mensa des GSG wird der Jahrgangsstein 2012 enthüllt. Krönender Abschluss der Schullaufbahn ist ein Abi-Ball im Maritim-Badehotel.

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