Das kaum bekannte und vielfach unterschätzte Projekt „Juniorwahl“ lief im Bad Wildunger GSG

Lobbyisten der Demokratie

Bad Wildungen - Die beiden großen Volksparteien vorne weg, aber ziemlich dicht beieinander und zusammen deutlich unter 50 Prozent, die FDP sicher im Bundestag wie die Linken; Grüne und Piraten mit guten zweistelligen Ergebnissen. Und die Wahlbeteiligung? Satte 88 Prozent!

So sieht es aus: das Resultat der „Juniorwahl 2013“, an der sich 2200 Schulen in den vergangenen Wochen beteiligten. Mit dabei: das Gustav-Stresemann-Gymnasium. Knapp 570 000 Schülerinnen und Schüler von den Klassen 7 bis zur 12/13 in ganz Deutschland hatten die Gelegenheit abzustimmen. Mehr als 500 000 von ihnen nahmen sie wahr.Am GSG haben 441 Schülerinnen und Schüler aus 21 Klassen und Kursen ihre Stimmen in der Woche vor der Bundestagswahl im PoWi-Unterricht abgegeben.

„Wählen allein bringt aber nichts“, sagt Gerald Wolf vom Verein „Kumulus“, der seit 1999 die Jugendwahl organisiert (siehe Hintergrund). Das Projekt stehe auf zwei Säulen: dem intensiv vorbereitenden Unterricht und dem Wahlakt. Die Lehrerinnen und Lehrer haben im Politikunterricht mit Hilfe von speziellem Unterrichtsmaterial – der Jahrgangsstufe entsprechend – die Wahl inhaltlich vorbereitet. Die zentralen Begriffe „Wahlen in der Demokratie, Regierung und Opposition, Erst- und Zweitstimme, 5 %-Hürde und Überhangmandate“ wurden ausführlich thematisiert. Die Juniorwahl wurde online durchgeführt und von den Schülerinnen und Schülern selbst vorbereitet, inklusive Wahlvorstand, Erstellen und Verteilen von Wahlbenachrichtigungen und vielem mehr, kurz: sie warfen einen Blick tief hinter die Kulissen der parlamentarischen Demokratie. Die Wahl lief online, gesichert über einen persönlichen Code für jede/n Wahlberechtigte/n. Der digitale Stimmzettel war identisch mit dem tatsächlichen des Wahlkreises 167 - Waldeck der Bundestagswahl.

Der Wahlvorgang orientierte sich sehr stark an der Realität. So wollen die Initiatoren des Projektes vom Verein Kumulus erreichen, dass die Jugendlichen frühzeitig Demokratie üben und erleben können.„Insgesamt haben die Schülerinnen und Schüler die Wahl sehr ernst genommen und waren froh, auch mal wählen zu dürfen“, erklärt Rudolf Matheis, Fachsprecher für Politik und Wirtschaft am GSG. In einem Unterrichtsgespräch direkt im Anschluss an die Wahl sammelten er und seine Kolleginnen und Kollegen Stimmen wie diese aus der Jungwählerschaft ein, die sich durch die Aktion ernst genommen sieht:

„Dass Kinder mal wählen dürfen, war ganz spannend“; „man erfährt etwas über die Abläufe“ und „man sieht, dass es unterschiedliche Meinungen gibt.“ Die Schülerinnen und Schüler drückten ihre Hoffnung aus, dass die Politiker sich die Ergebnisse der Juniorwahl 2013 anschauen (www.juniorwahl.de) und sich überlegen, ob sie mit ihren Wahlprogrammen Kinder und Jugendliche ansprechen. In Hessen war das GSG eine von 59 weiterführenden Schulen, die teilnahmen; die einzige im Landkreis. „70 Schulen hätten es sein können – doch Hessen ist eines von vier Bundesländern, die uns in keiner Weise unterstützen“, kritisiert Gerald Wolf vom Verein Kumulus. Nicht einmal ein Adressverzeichnis der hessischen Schulen habe das Projekt Juniorwahl vom FDP-geführten Kultusministerium auf Anfrage erhalten. „Das mussten wir uns für knapp 80 Euro selbst aufen“, fügt Wolf hinzu.Das Bundesfamilienministerium trug dagegen die Kosten für 1000 Schulen. 250 Euro werden pro Schule für dieses Unterrichtspaket benötigt. Die meisten Bundesländer stockten diese Mittel sogar auf, um die Zahl der Teilnehmer in den eigenen Grenzen weiter zu steigern, beeindruckt vielleicht auch davon, dass Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert – zweiter Mann im Staate – als Schirmherr die Juniorwahlen unterstützt. (su)

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