Stadtrat hat Entscheidung über Verkauf des Hauses Oestreich gefällt

Magistrat empfiehlt Konzept aus Wetzlar

Bad Wildungen - Geht´s nach dem Magistrat, erhält die Wetzlarer Grundstücksentwicklungs- und Beteiligungsgesellschaft Scholz das Haus Oestreich. Ein Neubau auf dem 900 Quadratmeter großen Gelände soll im Erdgeschoss Einzelhandel von „guter Qualität“ aufnehmen.

Das gaben Bürgermeister Volker Zimmermann und Erster Stadtrat Bart van der Meer in einem Pressegespräch bekannt. Das Scholz-Konzept beinhaltet kein neues Gastronomieangebot an dieser Stelle. Drei Wildunger Interessenten haben das Nachsehen, wenn das Stadtparlament der Ansicht des Stadtrats folgen sollte. In zwei dieser vom Magistrat abgelehnten Konzepte hatten die Bewerber Gastronomie integriert. Scholz, Wetzlar? Bei aufmerksamen, langjährigen Beobachtern der Wildunger Stadtpolitik klingelt´s im Hinterköpfchen. Manfred Scholz hieß seinerzeit der Investor und Projektentwickler, der die Fürstengalerie an den Breiten Hagen bauen wollte. Mit hochwertigem Einzelhandel sollte sie Magnetwirkung nach außen für die Einkaufsstadt entfalten. Nach einigem Hin und Her – offiziellen, damaligen Stellungnahmen zufolge auch, weil sich die Vermietung der Flächen der Galerie schwierig gestaltete – stieg Scholz um die Jahreswende 2005/2006 noch vor dem Spatenstich aus dem Vorhaben aus. Eine andere Investorengruppe übernahm, vermietete die noch offenen Flächen und verkaufte den Komplex später an eine Immobiliengesellschaft. Der Sohn von Manfred Scholz, Nicolas Scholz, hat mit seinem Konzept für das Gelände des Hauses Oestreich die Magistratsmitglieder überzeugt, erklärt Volker Zimmermann. „Ein überraschend deutliches Votum ist dabei herausgekommen“, fügt der Bürgermeister hinzu. Der Magistrat habe zwei Stadtplaner, zwei externe Experten, damit beauftragt, ein Bewertungsverfahren zu entwerfen, das eine möglichst objektive Entscheidung gewährleistet, betont Zimmermann. Das sei dem Stadtrat wichtig gewesen, um den Gerüchten um Mauscheleien, die von Beginn an kursierten, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Bei einem nicht-öffentlichen und inoffiziellen Treffen der Stadtverordneten sollen alle vier Interessenten am nächsten Donnerstag in der Wandelhalle ihre Konzepte präsentieren. „Das ist keine Stadtverordnetensitzung, denn die müsste öffentlich stattfinden“, unterstreicht Bart van der Meer. Er weist auch darauf hin, dass die Fraktionsvorsitzenden und die Stadtverordneten bei anderen Gelegenheiten bereits Infos zu den vier Konzepten erhalten hätten. Die Öffentlichkeit soll Einzelheiten der vier Projektideen erst erfahren, wenn eine Diskussion unter den Bürgern vor dem Beschluss unmöglich wird: in derselben Sitzung, in der die Stadtverordnetenversammlung das Thema berät und über den Verkauf entscheidet. Aller Voraussicht nach stellen dann auch nicht die möglichen Investoren selbst ihre Ideen vor, sondern im Parlament wird über ihre Entwürfe berichtet. Volker Zimmermann, Bart van der Meer und Bauamtsleiter Klaus Weidner verweisen auf das in Wildungen berühmt-berüchtigte Einzelhandelsgutachten Karutz, das im Scharnier zusätzliche Geschäfte mit hochwertigem Sortiment fordert.Welche Sicherheit gibt es, dass dieses Ziel mit dem neuen Projekt erreicht wird? „Bevor wir einen Kaufvertrag fürs Gelände Oestreich unterzeichnen, lassen wir uns die Mietverträge zeigen“, antwortet Bürgermeister Zimmermann. Von Matthias Schuldt

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