Kriegsflüchtlinge aus Lager in Schwarzenborn werden in Bad Wildungen behandelt

Medizincheck im Zeltlager

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Medizincheck im Lager in Schwarzenborn: Patrick Müller-Nolte bei der Erstuntersuchung eines Flüchtlings aus Eritrea. Foto: Klein

Bad Wildungen - Ein achtköpfiges Ärzteteam aus dem Asklepios Klinikum Schwalmstadt leistet seit Dienstag humanitäre Hilfe in der Erstaufnahmeeinrichtung Schwarzenborn. Kranke Flüchtlinge werden in den Kliniken in Schalmstadt und Bad Wildungen behandelt.

Wegen des Todes eines 43 Jahre alten Flüchtlings aus Syrien hatte sich der für Montag geplante Start des Einsatzes um einen Tag verzögert. „Wir untersuchen hier vornehmlich Menschen aus Syrien, die nach erfolgten Medizinchecks in verschiedene Kommunen weitergeleitet werden sollen“, berichtet Chefarzt Dr. Andreas Hettel, der die Koordination der mehrtägigen Aktion übernommen hat.

Das Regierungspräsidium Kassel bat vorige Woche die Geschäftsleitung des Asklepios Klinikums Schwalmstadt um dringende Hilfe wegen der Erstuntersuchung von Kriegsflüchtlingen im Zeltlager. „Für uns ist es angesichts der Not und sozialer Verantwortung gegenüber diesen Menschen selbstverständlich, dass dort einige unserer Mediziner im Einsatz sind. Lobenswerter Weise haben sich die ärztlichen Kollegen freiwillig für diese Arbeit während ihrer Dienstzeiten bereiterklärt“, berichtet Klinik-Geschäftsführer Dr. Christoph Engelbrecht.

Der humanitäre Hilfseinsatz erfordere zwar einen gewissen Spagat zwischen der medizinischen Betreuung von Klinikpatienten und den Flüchtlingen, der sich aber dank des Engagements des Ärzteteams realisieren ließe, erläutert Dr. Dirk Fellermann, Regionalgeschäftsführer der Asklepios-Kliniken Nordhessen.

Narben von Granatsplittern

Die Unterbringung der Flüchtlinge in der eilig errichteten Zeltstadt auf dem Gelände des Standortübungsplatzes bezeichnet Dr. Andreas Hettel als „suboptimal“. Daher sei es wichtig, dass sie schnellstmöglich medizinisch voruntersucht werden, um die provisorischen Unterkünfte in Richtung fester Wohneinrichtungen verlassen zu können.

Bei der Arbeit der Asklepios-Ärzte geht es unter anderem darum auch ansteckende Krankheiten zu erkennen. „Darüber hinaus werden die Frauen, Kinder und Männer röntgenologisch auf mögliche Lungenerkrankungen untersucht. Täglich kommen sie in bis zu drei Bussen zu uns, wo die Begutachtungen sehr zügig und ohne Beeinträchtigungen des laufenden Klinikbetriebes über die Bühne gehen“, erklärt Dr. Hettel. Der Intensiv- und Notfallmediziner wechselt sich bei den Medizinchecks ab mit Anas Suliman, Kathrin Hilscher, Niklas Knapp, Anika Schlemmer, Patrick Müller-Nolte, Ismail Koc.

Die Zusammenarbeit von Ärzten, Dolmetschern und Mitgliedern des DRK-Kreisverbandes Schwalm-Eder klappt reibungslos. „Das spüren die Menschen, denn jetzt erleben sie, dass sich nach Tagen der Stagnation etwas bewegt. Nach dem Tod eines Lagerbewohners trägt dies maßgeblich zur Entspannung in der Erstaufnahmeeinrichtung bei“, sagt Dr. Hettel.

Nicht jede Erstuntersuchung verläuft ohne Befund. „Wir haben einige Patienten wegen ernster Erkrankungen in unser Klinikum Schwalmstadt und in die Stadtklinik Bad Wildungen eingewiesen.“ Das Schicksal der Menschen ginge nicht spurlos an ihnen vorüber, erklärt der Anästhesist. „Ich habe beispielsweise einen jungen Mann aus Syrien untersucht, dessen Oberkörper mit Narben übersät war. Die Verletzungen stammten von Granatsplittern eines Bombenangriffs in Aleppo.“ Der Flüchtling sei genauso alt gewesen, wie Dr. Hettels Sohn. (r)

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