Erntedankfest des Waldecker Kreisbauernverbandes mit Ehrung der Berufs- und Fachschulabsolventen

Mehr Dankbarkeit und mehr Wertschätzung

Waldeck-Freienhagen - Verantwortung, Dankbarkeit und Wertigkeit – diese Themen standen am Sonntag im Mittelpunkt beim Kreiserntedankfest in der Freienhagener Stadthalle.

Der Vorsitzende des Waldecker Kreisbauernverbandes, Karsten Schmal, blickte vor mehreren Hundert Gästen auf das bisherige Erntejahr zurück. Er erinnerte an die lange Frostperiode, die bis Ostern dauerte, und an die feuchten Monate Mai und Juni. Viel Sonne im Juli und August hatten die Landwirte dann entspannt in die Getreide- und Rapsernte gehen lassen. Lediglich beim Silomais seien die Erträge schlechter als in den Vorjahren, auch das Grundfutter für Milchvieh sei mäßig. Schmal verwies auf Hochwasser, Dürren, Stürme und Kriege andernorts. Europa sei für viele Menschen mittlerweile „das gelobte­ Land. Wir haben das Glück, in diesem gelobten Land zu leben“. Noch nie habe es so viele gesunde Lebensmittel zur Auswahl gegeben und noch nie sei der Ausbildungsstand der Landwirte so gut gewesen wie aktuell. Auf die Wertschätzung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ging der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider, ein. „Wenn Tanken billiger ist als Essen, finde ich das gut.“ Höhere Kosten für Nahrungsmittel könnten dazu beitragen, ihnen eine andere Wertschätzung entgegenzubringen. Er bezeichnete das Erntedankfest in der Zeit zwischen Ernte und Aussaat als ein „Bindeglied zwischen Gewesenem und Begonnenem“. Die Landwirte nutzten die Natur, um sie zu erhalten. „Und ohne Bauern ist der beste Boden nur ein Haufen Erde“, betonte er. Pfarrerin Karin Lilie hatte den vorangegangenen feierlichen Gottesdienst unter das Motto „Der Herr freue sich seiner Werke“ gestellt. Sie sprach nicht nur über Dankbarkeit, sondern auch über die Verantwortung eines jeden Einzelnen und die globalen Auswirkungen, die die Kaufentscheidungen für Lebensmittel haben können. Sie appellierte für mehr Achtung gegenüber dem, was dem Menschen von Gott anvertraut wurde. Für die musikalische Umrahmung während des Gottesdienstes sorgte der Gitarrenchor aus Netze unter Leitung von Uwe Bremmer. Den Nachmittag gestalteten der Musikzug aus Sachsenhausen und der Musikzug aus Sachsenhausen und der Grundschulchor „Echt live“. Ein Grußwort sprach Waldecks Bürgermeister Jörg Feldmann.Folgende Männer und Frauen haben ihre landwirtschaftliche Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und bekamen beim Kreiserntedankfest ihre Zeugnisse: Fachkraft Agrarservice: Michael Schweizer (Wirmighausen), bereits 2012; Landwirtschaftshelfer: Anne Zahn; Landwirt: Tobias Leusmann (Helsen), Stefan Braun, Thomas Breuer, Kai Döhring, Anna-Lena Hempel (alle Bad Wildungen), Sarah Gerhard (Rhoden), Philipp Wagener (Wellen), Wiebke Kalhöfer, Thies Kalhöfer (beide Meineringhausen), Kevin Rosen­stengel und Anton Buckert (beide Fürstenberg), Dawin Beineke (Ehringen), Friedrich Fingerhut (Herbsen) und Charlotte Tabea Horn (Nordenbeck). Staatlich geprüfte Betriebswirte Agarwirtschaft sind: Jan Drebes (Alraft), Fabian Meier (Landau), Lukas Ritte (Mandern) und Christina Schmidt (Elleringhausen). Mit einem Fachvortrag hat sich die neue Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, Stephanie Wetekam, im Rahmen des Kreiserntedankfestes vorgestellt. Sie stellte ihre Sicht auf die Landwirtschaft mit einem kurzen, aber pointierten Vortrag zum Thema „Ernte gut, alles gut?“ dar, der von den Anwesenden in der voll besetzten Stadthalle mit kräftigem Beifall honoriert wurde. Wetekam ging darin auf die verschiedenen Faktoren ein, die im Zusammenspiel dafür sorgen, dass die Landwirte nach einem erfolgreichen Tag auf dem Feld abends zufrieden sind. So verwies sie beim Faktor „Wetter“ auf die Tatsache, dass im Jahr 1967 Wrexen Hochwassergebiet war, und machte deutlich, dass die Probleme an Elbe und Donau nur scheinbar weit weg für die heimische Landwirtschaft sind. Sie ging auf die Bedeutung der Politik ein und betonte auch, wie wichtig für die heimischen Betriebe die Vernetzung sei. Beispielhaft nannte Wetekam den Verband auf Landesebene, aber auch den Kreislandwirt, die LBH-Steuerberatungsgesellschaft und den Fachdienst Landwirtschaft beim Landkreis. Von großer Bedeutung für die Zukunft eines landwirtschaftlichen Betriebes sei aber auch die Familie: Die Stärke der Familienbetriebe sei der Zusammenhalt gerade in schweren Zeiten.Zwei Botschaften wollte sie den Landwirten mitgeben: einerseits, dass der Kreisbauernverband gut aufgestellt sei; und zweitens, dass aus ihrer Sicht der Beruf des Landwirts immer noch einer der wundervollsten und sinngebendsten Berufe sei, die man sich aussuchen kann, diese Wahl aber auch ganz bewusst erfolgen müsse.Von Andrea Pauly

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