Wildunger Bürgerumfrage zur Freizeitanlage abgeschlossen

Den meisten ist das Heloponte ziemlich egal

+

Bad Wildungen - Der Deutschen größter Dichter spricht Stadtverordneten und Stadtverwaltung aus der Seele. Bürgermeister Volker Zimmermann fühlt sich erinnert an Goethes „Zauberlehrling“ (...die Geister, die ich rief...). Parlamentsvorsteher Wolfgang Nawrotzki könnte mit Fug und Recht Faust I zitieren: „Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“

Die beiden präsentierten im Rathaus das Ergebnis der Bürgerbefragung zum Heloponte, die 20 000 Euro gekostet hat.Als wenig bis gar nicht überraschend empfinden sie es, dass knapp 58 Prozent der Antwortenden für Variante II stimmten: das Helo, wie es ist, inklusive Freibad und Eisbahn für 12 bis 13 Millionen Euro zu sanieren – und später dauerhaft ein Jahresdefizit von prognostizierten 2,4 Millionen Euro hinzunehmen. Für Abriss ohne Neubau plädierten etwas mehr als 8 Prozent (Kosten inklusive Restwertabschreibung: 5,8 Millionen Euro). Für einen Neubau im kleineren Maßstab votierten 10 Prozent (prognostiziertes Jahresdefizit: 1,9 Millionen Euro), für einen Neubau mit Investor knapp 12 Prozent (keine Angaben zu Investitionen und Defizit), für unveränderte Weiterführung (2,7 Millionen Euro Defizit pro Jahr) ebenfalls knapp 12 Prozent.Viel wichtiger ist aber eine andere Zahl:Ganze 23 Prozent der von der Stadt versandten Fragebögen kamen zurück. „Ich habe mich erkundigt, das ist ein ansehnlicher Rücklauf“, kommentierte Wolfgang Nawrotzki tapfer, um auf Nachfrage ratlos zu ergänzen: „Ja, warum sind es nicht mehr? Die Antwort auf diese Frage kennt auch mit Blick auf geringe Wahlbeteiligungen niemand so recht.“ Auf ein enttäuschendes Echo war vor Monaten bereits der Versuch der Stadt gestoßen, per Internet Vorschläge von den Bürgern zur Zukunft des Heloponte einzuholen. „Etwa ein Dutzend Mails haben wir bekommen“, berichtet Jochen Schaake vom Bauamt.Das trostlose Bild der Bürgerbeteiligung lässt die provokante These zu: Den meisten Wildungern geht das Heloponte am Allerwertesten vorbei.Zimmermann räumte zugleich Schwächen der Befragung ein, weil beispielsweise nicht thematisiert wurde, „ob die Stadt sich das Ganze auf Dauer mit einem Defizit von 2,4 Millionen Euro jährlich leisten kann?“ Wer den Spagat zwischen den durch die Umfrage geschürten Erwartungen der Helo-Fans und den Möglichkeiten des Stadtsäckels vollführen muss, ist nicht zu beneiden. Und wer diese Turnübung zu absolvieren hat, daran ließ Wolfgang Nawrotzki keinen Zweifel: „Der Ball liegt nun im Feld der Stadtverordnetenversammlung.“ Es bleibe im Grundsatz bei dem Ziel, die Richtungsentscheidung zum Ende des Jahres zu fällen. Nawrotzki hält es aber auch für möglich, dass dieser Beschluss im frühen Frühjahr folgt.Zeitdruck herrscht nicht, fügte Bürgermeister Volker Zimmermann hinzu: „Es können problemlos noch Jahreskarten für die kommenden zwei Jahre gekauft werden. Diesen Spielraum lassen uns die Investitionen der vergangenen Jahre.“

Von Matthias Schuldt

Kommentare