Positionen von SPD und CDU in aktueller Heloponte-Diskussion ähneln sich

1,5 Millionen Minus gibt´s immer

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Das Heloponte-Defizit ist nach der Schließung der Eisbahn bereits gesunken.Foto: su/Archiv

Bad Wildungen - „Das müssen wir erstmal sacken lassen“, bringt Oliver Syring, CDU-Fraktionschef, die Gefühlslage der Union auf den Punkt, nachdem Gutachter Dr. Kannewischer am Montag Stadtparlamentarier über zentrale Aussagen seiner fast fertigen Expertise informiert hatte.

Doch die Fraktion hat sich damit auseinandergesetzt, und die Linie der CDU in einer der der wichtigsten stadtpolitischen Fragen der nächsten Monate scheint durch.

Kein Wellness-Tempel im Bornebachtal als Konkurrenz zur Therme

„Ich halte es für ausgeschlossen, einem Privatunternehmer einen Wellness-Tempel vor die Nase zu setzen, wo wir ihm gerade die Quellentherme verkauft haben“, unterstreicht Syring mit Blick auf Göbel und die Variante eines Wellness-Bades im Bornebachtal.

Ebenso skeptisch betrachte die CDU die Alternative, ein Sportbad in Reinhardshausen an die Quellentherme anzudocken: „Wie soll das funktionieren? Sollen wir das Vulkanfelsenbad oder die ganze Therme zurückkaufen?“

Wesentlich aus Sicht der Union ist die Erkenntnis, dass die Jahresdefizite aller Varianten in etwa gleichauf liegen, bei 1,4 bis 1,7 Millionen Euro.

Ein kleines Bad bedeutet geringere Kosten, aber weniger Besucher und damit geringere Einnahmen; bei einem großen Bad verhält es sich umgekehrt.

Selbst eine Heloponte-Sanierung im Bestand pendele sich in ähnlicher Höhe ein - wenn die Eisbahn zu bleibe und das Freibad geschlossen werde, betont Syring. Rund 1,5 Millionen Euro Verlust pro Jahr, „damit müssen wir uns abfinden, wenn wir die soziale Aufgabe erfüllen, ein Bad zu unterhalten“, meint er.

Die Union bevorzuge vor diesem Hintergrund den Heloponte-Standort und die existierende Bausubstanz, falls sich das Konzept des heimischen Architekten Torlach umsetzen lasse. Gutachter Kannewischer erhielt den Auftrag, dieses Konzept unter die Lupe zu nehmen.

In Details anders, aber in den groben Zügen ähnlich wie die CDU beurteilen die Sozialdemokraten die Situation, erläutert Fraktionsvorsitzender Walter Mombrei Das Bornebachtal mit einem Wellnessbad zu beglücken? Nein: einerseits wegen der hohen Investitionskosten, andererseits wegen der Konkurrenz, die zur Quellentherme aufgebaut würde.

Sanierung im Bestand könnte EWF als Partner vergraulen - wegen Korbach

Dem Vernehmen nach hatte Gutachter Kannewischer zudem vor einem Projekt nach „PPP“-Muster gewarnt (Public Private Partnership - ein gemeinsames Vorhaben von Stadt und privatem Anteilseigner). Solche Konstruktionen bergen stets das Risiko, dass der private Investor über einige Jahre Geld verdient, in die Insolvenz geht und der Stadt das Problem vererbt. Beispiele dafür gibt es etliche, etwa in Bad Karlshafen.

Die Sanierung des Heloponte im Bestand nach den Plänen des Architekten Torlach birgt auch nach Ansicht der SPD „eine Menge Charme“, zugleich aber einen Pferdefuß, wie Mombrei betont: „Das EWF hat nach den Erfahrungen in Korbach signalisiert, bei einer Sanierung nicht mit einzusteigen.“ Die Beteiligung des Energieversorgers brächte aber steuerliche und andere Vorteile, die helfen könnten, das Jahresdefizit um bis zu 30 Prozent zu senken. Weder beim ersten Gutachter Altenburg noch bei Kannewischer sei dieses Modell in die Kalkulation eingegangen.

Mombrei verweist auf einen weiteren Punkt: Beide Gutachter geben übereinstimmend die Lebensdauer eines Bades - weil das warme bis heiße Wasser es unvermeidlich altern lässt - mit 25 bis maximal 30 Jahren an. Das Heloponte hat diese Grenze erreicht. Den jetzigen Standort hält der Fraktionsvorsitzende selbst bei einem Neubau für den besseren, „allein schon, weil wir, anders als in Reinhardshausen, kein Parkplatzproblem bekommen.“

Für unredlich hält Mombrei es, wenn Politiker den Bürgern in Sachen Heloponte alles versprechen, ohne Rücksicht auf die Kosten und damit die Folgen für die Stadt.

Von Matthias Schuldt

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