Zehnter Geburtstag des Großschutzgebiets am Wildtierpark und Wipfelpfad in Hemfurth gefeiert

Ministerin Hinz: "Haben noch viel vor im Nationalpark Kellerwald-Edersee"

Edertal-Hemfurth/Edersee - Zehn Jahre jung, aber schon aus den Kinderschuhen herausgewachsen – bei Kaiserwetter wurde am Sonntag der erste runde Geburtstag des Nationalparks Kellerwald-Edersee gefeiert.

Der „schwere Kampf bis zur Ausweisung“, den Ex-Nationalparkleiter Peter Gaffert in einem Nebensatz andeutete, entlockte den Festbesuchern ein Schmunzeln. Umweltministerin Priska Hinz erinnerte an erste Überlegungen Mitte der 80-er Jahre und lange und quälende Diskussionen. „Minister a. D. Wilhelm Dietzel hat das Ding dann zum Laufen gebracht,“ rief sie dem Ex-Umweltminister im Publikum zu, der den letzten Schritt zur Umsetzung des Nationalparks verantwortet hat.

„Das Ding“ lief gut. Das dokumentiert die Aufnahme im Jahr 2011 durch die UNESCO in die Liste des Weltnaturerbes. Die Ministerin machte auf das dramatische weltweite Artensterben aufmerksam. „Deswegen ist es so wichtig, dass wir den Nationalpark haben.“1834 Pflanzenarten und 4170 Tierarten seien hier zu Hause, darunter der Alpenstrudelwurm, ein Relikt aus der Eiszeit, und eine Pilzmücke, die nirgendwo sonst in Deutschland nachwiesen sei. Mit Nationalparkzentrum in Vöhl, Buchenhaus im Wildtierpark und vielen Angeboten – von Ranger-Führungen bis hin zu Vorträgen – fördere der Nationalpark die Umweltbildung. „Nur wer begreifen und erfahren hat, wie toll die Natur ist, der wird sie auch schützen.“

Hier geht's zur Bildergalerie

Der Neubau der Kellerwalduhr soll in diesem Jahr in Frankenau beginnen. Die Forschungsarbeit im Wald soll intensiviert werden, kündigte Hinz an. Ein hessisches Referenzgebiet für ökologische Naturwaldforschung mit Praxisbezug sei im Kellerwald geplant. "Wir haben noch viel vor im Nationalpark", signalisierte die hessische Staatsministerin.

In einem Dialog erläuterten die Nationalparkleiter Peter Gaffert (2005 - 2009) und Manfred Bauer (ab 2009) Entstehung und Geschichte. Ein holpriger Weg war zurückzulegen. „An meinem ersten Tag habe ich das Nationalparkamt gar nicht gefunden“, gestand Gaffert, der die damalige Verwaltung in Affoldern erst auf Umwegen erreichte.

Heute sei der Nationalpark in der Region angekommen, stellte Bauer fest. Das Großschutzgebiet habe seine „Nesthäkchenrolle“ abgegeben an den Schwarzwald als inzwischen jüngster Nationalpark Deutschlands. „Es gibt keine besseren Botschafter als die Schutzgebiete“, sagte Gaffert, heutiger Oberbürgermeister von Wernigerode.

Landrat Dr. Reinhard Kubat gratulierte zum runden Geburtstag. „Es war eine Risikoschwangerschaft mit quälenden Diskussionen, aber sie hat doch noch zu einer freudigen Geburt vor zehn Jahren geführt.“ Aus dem Baby wurde ein Schulkind, mit dem Weltnaturerbe, der Rückkehr der Wildkatze und vermutlich auch des Luchses in der Schultüte. „Es hat sich prächtig entwickelt und ist Aushängeschild des Landkreises.“ In Kürze erhalte das heimische Großschutzgebiet eine Bahnverbindung. Es sei derzeit der letzte deutsche Nationalpark ohne Gleisanschluss.

Mit Humor und Drill moderierte Hermann Josef Rapp den Festakt auf der Wiese am Wildtierpark. Das Waldeckische Salonorchester Cappuccino umrahmte die Feier. Vöhler Grundschüler brachten Natur auf die Bühne mit dem Theaterstück „Werden und Vergehen im Buchenwald.“ Einen Besucheransturm erlebte der Wildtierpark. Beim Nationalparkfest zum Geburtstag luden 19 Mitmachaktionen in Tierpark und Baumkronenpfad ein. Eine kleine Budenstadt bot Kreatives und Köstliches für Leib und Seele.

Kommentare