Waldeck

Molkerei auf dem Bauernhof

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- Waldeck-Oberwerbe (höh) .Sinkende Milchpreise in Discountern und miese Erlöse in den Molkereien – das Dilemma ärgert Landwirt Heinfried Emden schon lange. Der 35-Jährige setzt auf Eigeninitiative: Mit Mut zum Risiko hat er kräftig investiert und betreibt in seinem Milchviehbetrieb die erste Hof-Molkerei in Waldeck-Frankenberg.

70 Quadratmeter sind gefliest bis unter die Decke, an den Türen liegen Desinfektionsmatten – Hygieneschleusen für Mitarbeiter sind Vorschrift. Die kleine Molkerei ist ausgerüstet mit Abfüllmaschine und Technik zum Pasteurisieren. Zentrifuge, Erhitzer und Kühltank fehlen nicht. Seit Mitte des Jahres ist der Landwirt im „Vollmilch-Geschäft“. 1000 Liter frische Vollmilch – eine Woche haltbar – wurden im Monat abgefüllt und ausgeliefert. Erste Kunden sind Eisdielen, weitere Kontakte zu Kliniken oder großen Arbeitgebern sind geknüpft.

Nach und nach soll ein Netzwerk entstehen, plant der Betriebsinhaber. Auf der Vertriebsschiene denkt Emden an eine Zusammenarbeit mit anderen Partnern, wie beispielsweise mit der Sachsenberger Molkerei. Floriert dann der Absatz, ist auch die Herstellung von Milchmixgetränken, Butter oder Joghurt kein Problem. Die Direktvermarkter-Molkerei hält auch Kapazitäten für eine mögliche Käseproduktion vor. Ausgerichtet ist die Hof-Molkerei auf den eigenen Betrieb, in dem 80 Milchkühe samt Nachzucht gefüttert werden. 120 Hektar Land bewirtschaftet der 35-Jährige mit Unterstützung eines Mitarbeiters. Als einer der Sprecher der Kreisgruppe im Bund deutscher Milchviehhalter wirbt der Ober-Werber seit Jahren für faire Milchpreise. Aus etlichen Gesprächen habe er erfahren: „Viele schätzen regionale Produkte und sind sicherlich bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen.“

35 Cent erzielt der Milchbauer für einen Liter Milch, den er an die genossenschaftlich orientierte Molkerei in Schlüchtern verkauft. „Faire Milch“ aus eige-ner Molkerei wird mit 70 Cent an Großkunden abgegeben. Die Idee der Hof-Molkerei reifte nach langer Überlegung. „Als ich von der Techniker-Schule kam, wollte ich 150 Kühe melken“, blickt der Ober-Werber zurück. Inzwischen denkt der Vater eines wenige Wochen alten Sohnes in anderen Dimensionen. „Ich bin nicht bereit gewesen, auf 200 oder 300 Kühe aufzustocken, um mehr Umsatz zu generieren.“

Nach der Hof-Molkerei, die zusammen mit dem Veterinäramt geplant und im Rahmen der EU-Förderung unterstützt wurde, plant er einen Hof-Laden.

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