Wildunger Planungsausschuss beschäftigt sich mit dem vieldiskutierten Thema der Postplatzmöbel

Nachrüsten der Bänke wird geprüft

Bad Wildungen - „Wenn das gesamte Scharnier-Projekt in der Bevölkerung nur unter dem Gesichtspunkt der Bänke beurteilt wird, müssen wir dort was ändern.“

Fast verzweifelt klang der Ausruf von Walter Mombrei (SPD) im Planungsausschuss am Mittwochabend. Die lange Debatte in der Stadtverordnetenversammlung aus der Woche zuvor wirkte nach.

Einen Beschluss zur Bankfrage gab´s jedoch noch nicht.

Mancher Kritikpunkt aus dem Parlament löste sich bei genauerem Hinsehen zudem in Luft auf.

Punkt 1: Dass Gerbsäure aus dem Eichenholz austritt, ist völlig normal, erläuterte Peter Hausdorf vom Planungsbüro Sinai: „Das liegt an dem Zeitdruck, den wir hatten.“ Normalerweise hätte man die Bänke beim Hersteller länger zwischengelagert, bis das Holz quasi ausgeblutet gewesen wäre. Die Verfärbungen im Pflaster lassen sich durch Reinigungsmittel beseitigen.

Punkt 2: der geringe Abstand zwischen den Bänken und der Rinne, an der sich Sehbehinderte und Blinde orientieren sollen. Auf der falschen Seite gehend, würde man direkt in die Möbel hineinlaufen, wurde im Parlament bemängelt. „Kein Blinder läuft einfach so durch eine ihm fremde Stadt. Beim ersten Besuch lässt er sich grundsätzlich führen und merkt sich solche Stellen dann“, erklärte Bürgermeister Volker Zimmermann, der diese Erfahrung während seiner Studienzeit in Marburg selbst machte. Selbsthilfeorganisationen hätten ihm dieses allgemein übliche Vorgehen bestätigt. „Wir haben unsere Planungen mit einem Beauftragten für Barrierefreiheit abgestimmt“, fügte Planer Hausdorf hinzu.

Als Kritikpunkte geblieben sind fehlende Arm- und Rücklehnen sowie die zu tief liegenden Sitzflächen, die Älteren das Aufstehen erschweren. Das Büro Sinai erhielt den Auftrag zu prüfen, wie sich diese Mängel beheben lassen, etwa durch nachträgliches Anbringen von Lehnen. Es könnte sein, dass sich die Bänke dann aber nicht mehr so unkompliziert in einem Stück und schnell abmontieren lassen, wenn Veranstaltungen auf dem Postplatz stattfinden, wie gestern „Rock gegen Rechts“.

Dem Einsatz neuer Bänke steht Hausdorf skeptisch gegenüber, weil neue Fundamente nötig wären. Hubert Schwarz (CDU) nahm die Bänke in Schutz: „Ähnliche gibt es fast baugleich in Kühlungsborn, wo sie seit Jahren gut angenommen werden.“

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