Kommentar

Der Neubau muss her

Edertal - Alles andere als einen Meilenstein markiert die Empfehlung des Tourismusausschusses zum künftigen Domizil der Edersee-Touristik an der Sperrmauer. Beschluss vertagt.

Zur Erinnerung: Es ging vor gefühlten drei Jahrhunderten mal darum, Kosten zu senken, weil ein opulentes „Doku-Zentrum“ die Gemeinde finanziell überfordert hätte. Dieser Ansatz gebar die Idee, ins alte Fiss-Gebäude zu ziehen. Seitdem stehen sich Neubauer und Altbauer gleich stark gegenüber. Gut, Klaus Gier hat geklärt, dass die Auskunft seines Vorgängers falsch war, der Ankauf der Alt-Immobilie werde im Gegensatz zum Neubau vom Land nicht gefördert. Triumphgesänge bei Intimgegnern des Alt-Bürgermeisters, die es schon immer gewusst haben. Bloß räumt der neue Rathauschef ein, dass trotzdem beide Varianten kostenmäßig gleichauf liegen werden. Weshalb nochmals Zeit vertendeln? Ich zitiere den in Edertal beliebten, nun auch von Klaus Gier verwendeten Satzbeginn „Kein privates Unternehmen würde jemals...“ Kein privates Unternehmen würde jemals bei Kostengleichheit einen Altbau vorziehen, der dem Bauherrn viele Kompromisse aufzwingt. Beispielsweise die Toilette, die sich im Fiss-Bau nicht behindertengerecht gestalten ließe. Ein Unding mitten im demografischen Wandel, im Zuge dessen bald mehr Rollatoren als Fahrräder auf dem Sperrmauervorplatz parken werden. Jede Privatfirma würde in so einem Fall neu bauen. „Aber so beseitigen wir einen Leerstand am Vorplatz“, argumentieren die Fissbau-Fans. Leerstände aufzukaufen, ist keine Aufgabe der öffentlichen Hand. Sonst hätten wir Dutzende Kandidatenbauten in allen Ortsteilen. Helfen bei der Vermarktung, wie es in Bad Wildungen geschieht – in Ordnung. Aber bitte kein Ankauf.Mehr noch. Zur Zeit wird privat investiert am Vorplatz. Das lässt auf zusätzliche Besucher hoffen. Denselben Effekt wird eine konzentrierte Präsenz der ET dort erzielen (denn der Affolderner Info-Point ist bald Geschichte). Es wäre gut, wenn am Sperrmauervorplatz dann noch freie Flächen für interessierte, neue Gewerbetreibende vorrätig wären – und mögliche neue Konkurrenz für bestehende Gastronomie nicht hinter den Kulissen der Politik weggeblockt wird, wie in der Vergangenheit geschehen.

Von Matthias Schuldt

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