Turmspitze im Vorstaubecken des Edersees mit Hahnenfest und Turmbrand gefeiert

Neue Attraktion in Nieder-Werbe: Kirchturm im See

Waldeck-Niederwerbe - Im Jubiläumsjahr des 100 Jahre alten Edersees taucht in Nieder-Werbe eine neue Touristen-Attraktion aus den Fluten auf. Ein Kirchturm im Vorstaubecken markiert genau den Standort der alten Dorfkirche, die einst dem Edersee weichen musste.

„Da sprechen noch Generationen von“, meinte ein Besucher beim Turmfest am Samstag. Per Kran wurden die noch fehlenden Bauteile auf dem Fundament des Kirchturms angebracht.Der Vorsitzende des Verkehrsvereins, Karl Harald Hesselbein, würdigte Helfer und Sponsoren für ihr Engagement, besonders Dachdeckermeister Fritz Thomas aus Vöhl und Zimmermann Thorsten Meyer aus Freienhagen. Auszubildende der Kreishandwerkerschaft mauerten in den Weihnachtsferien das Fundament: „Es konnte nur gearbeitet werden, als kein Wasser im Vorbecken war.“

Bereits vor einem Jahr äußerte der Verkehrsverein den Wunsch, im Jubiläumsjahr 2014 den Turm am Standort der abgerissenen Kirche nach altem Vorbild wieder zu errichten. Die Stadt Waldeck übernahm die Trägerschaft für das Projekt, der Verkehrsverein brachte erhebliche Eigenleistungen ein.

Im November stimmte der Vorstand der Region Kellerwald-Edersee dem Projekt einstimmig zu und machte somit den Weg zu Fördergeldern frei. Im Dezember erfolgte die Bewilligung durch den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Lisa Küpper, Geschäftsführerin des Kellerwaldvereins, betonte: „Die gute Zusammenarbeit verschiedener Akteure war wichtig. Es sind alles heimische Firmen gewesen, die sich hier beteiligt haben.“ Ein dickes Lob erteilte sie auch dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins: „Es war nur möglich, weil Herr Hesselbein so engagiert war.“

Zu Investitionskosten in Höhe von 38 000 Euro gab es aus dem Leader-Programm einen Zuschuss von 24 000 Euro. „Es ist wichtig, dass Menschen einen Bezug zur Vergangenheit schaffen“, meinte Irmhild Weber vom Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung des Landkreises Waldeck-Frankenberg.

Nachdem der Kran den unteren Teil des Turms auf das Fundament aufgesetzt hatte, zogen Dachdecker Nikolas Thomas und Zimmermann Thorsten Meyer nach alter Tradition mit dem Kirchturmhahn auf einem Handwagen durch Nieder-Werbe und sammelten Naturalien für die anschließende Feier ein. Dabei sagte Thomas den überlieferten Dachdeckerspruch:„Dies ist Euer neuer Wetterhahn, er zeigt Euch alle vier Winde an. Von Norden, Süden, Westen, Osten,es kann auch eine kleine Gabe kosten!“

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Brot, Wurst, Schinken, Käse und Schnaps wurde gespendet. Dann hob der Kran die Spitze des Turms auf das Bauwerk. Mit einem Boot wurde schließlich noch der Wetterhahn übergesetzt, der von dem 81-jährigen Schmied Johannes Kahl angefertigt wurde. Als Nikolas Thomas den Hahn auf der Kirchturmspitze im See befestigt hatte, sagte er den von ihm und seinem Vater Fritz Thomas eigens verfassten Richtspruch auf: „Ich bin jetzt hier der Wetterhahn, und zeige Euch das Wetter an. Von Nord nach Süd, Von Ost nach West. Hier sitz ich zwar auf feuchtem Grund, Doch wünsch ich jedem bleib gesund. Will nicht mehr von hier weg jetzt gehn, kann immer auf den See nun sehn. Ich hoffe nun das uns auch schützt Gott der Herr vor Sturm und Blitz.“

Die zahlreichen Zuschauer quittierten es mit Applaus. Mit einem feucht-fröhlichen Hahnenfest wurde das Ereignis gefeiert. Dabei floss auch so manchen Tropfen Nieder-Werber Turmbrand, ein eigens für die Einweihung gebrannter Zwetschgenschnaps. Auf den Turm im See weist auch ein neues Schild hin, das der Verkehrsverein aufstellte.(sj)

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