Bad Wildungen: Jeder muss zweimal über die Waage

Neue Ordnung herrscht an der Müllstation

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Eine Mülltonne und Barken versperren den gewohnten Weg. Ab 2016 soll eine Schranke den Verkehr mitregeln und Ordnung schaffen.

Bad Wildungen/Edertal - „Achtung, hier eine Staumeldung für die B485 am Giflitzer Berg...“ Eine solche Radio-Durchsage wäre seit einigen Wochen denkbar, speziell an Freitagen. Die Müllumlade-Station hat ihren bislang gewohnten Betriebsablauf umgestellt.

Seit Jahren fuhren Anlieferer von Kleinmengen direkt auf den Hof und meldeten den Abfall in ihren Kofferräumen oder auf dem kleinen Hänger am Schalter an. Nur, wenn es nötig war, mussten sie die Waage passieren.

Das ist vorbei. Neuerdings muss jeder Anlieferer zweimal auf die Waage fahren: bei der Ankunft und bei der Abfahrt. Die Ampel regelt den Verkehr. Das gilt fürs volle städtische Müllauto ebenso wie für Oma Lieschen, die ihren kaputten Fön im Container für Elektrokleingeräte ablegen möchte.

Bei großem Andrang, wie freitags, bildet sich ruckzuck eine Warteschlange, die hinausreicht bis auf die Bundesstraße. Leidgeprüfte Privatkunden berichten von Wartezeiten bis zu einer Dreiviertelstunde.

Das Abfallmanagement des Landkreises hat allerdings seine guten Gründe für die neue Organisation der Abläufe, die sich strikter als bislang nach den Vorschriften richten. Auf Anfrage antwortete der Kreis mit der folgenden, ausführlichen Stellungnahme:

„Wir verfahren in Bad Wildungen genau wie in Geismar und Flechtdorf nach der gültigen Betriebsordnung. Jede Anlieferung wird kontrolliert. Der Anlieferer wird eingewiesen und nach Gebührensatzung abgerechnet.

In der Vergangenheit hatte sich vor Ort eine sicherheitstechnisch und gebührenrechtlich problematische Situation entwickelt. Die Anlage wurde von einer Vielzahl Kleinstanlieferer ungeregelt benutzt. Es war deshalb erforderlich, die aus Kulanz gegenüber den Anlieferern ausgeschaltete Ampelanlage wieder in Betrieb zu setzen und den Kundenverkehr zu lenken.Durch den geplanten Einbau einer Schranke und weiterer Entladestellen 2016 wird sich die Situation etwas entspannen. Der Anlieferer kann dann nach Abfertigung direkt über die Schranke die Anlage verlassen“, kündigt der Kreis in seinem Schreiben an.

Kritik an Wildungen, weil es am Bringsystem mangelt

Zugleich kritisiert er aber die Stadt Bad Wildungen. Eigentlich sei sie rechtlich zuständig dafür, den Bürgern ausreichend Müllsäcke und Tonnenvolumen bereit zu stellen. Das gelte auch für Bio-Abfälle.

Korbach unterhalte neben seiner Müllabfuhr ein leistungsfähiges Bringsystem. Das könne Bad Wildungen nicht vorweisen.

Zentrale Aufgabe der Umladestation sei es eigentlich, den von der Müllabfuhr eingesammelten Abfall über Großcontainer zur Deponie Flechtdorf zu leiten. Mit dem kleinen Wertstoffhof am Giflitzer Berg könne die Abfallwirtschaft des Kreises nur im Rahmen ihrer verfügbaren Anlagen- und Personalkapazitäten die Wildunger Bürger unterstützen.

Um die Kritik zu untermauern, liefert der Landkreis Daten. Die Zahl der Anlieferungen von kleinen Mengen Restabfall stieg an der Station von 1343 im ersten Halbjahr 2013 über 1659 im ersten Halbjahr 2014 auf 2891 im ersten Halbjahr 2015.

Von Matthias Schuldt

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