Gemeinschaft der Freunde von Schloss Friedrichstein zieht Bilanz

Neues Stück für die Waffensammlung

Bad Wildungen - Ein so genannter Sponton bereichert seit Kurzem die Waffensammlung des Museums auf Schloss Friedrichstein. Der Verein der Schlossfreunde hat die historische Stangenwaffe für 4000 Euro von einem Sammler aus Unna gekauft und als Dauerleihgabe den Museumslandschaften Hessen Kassel fürs Schloss zur Verfügung gestellt.

Der Sponton stamme aus der Zeit des Landgrafen Carl zu Hessen, berichtete der Vereinsvorsitzende Peter Schultheis bei der Jahreshauptversammlung außerdem. Die hellebardenähnliche Waffe wurde dem Verein 2006 erstmals angeboten, doch der damals verlangte Preis erschien dem Vorstand zu hoch.

Zeichen der Offiziere nach festen Regeln an die Soldaten

Im 18. Jahrhundert gehörte der Sponton europaweit zur Ausrüstung der Infanterie-Offiziere, schilderte der Zweite Vorsitzende der Schlossfreunde, Georg Große-Löscher. Am Sponton war der Offizier in der Formation zu erkennen. Mit ihm konnte der Offizier nach einem festgelegten Reglement Zeichen geben. Die Spontone waren am Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr im Feldgebrauch und wurden Anfang des 19. Jahrhunderts offiziell abgeschafft. Der Neuerwerb der Gemeinschaft der Freunde Schloß Friedrichstein wird in seiner Herstellung auf das Jahr 1720 datiert. Der Schaft hat sich in ursprünglicher Länge erhalten. Der Experte Große-Löscher hält das neue Exponat für ein Unikat aus der Zeit des Landgrafen von Hessen (1670-1730); auf dem Blatt findet sich die Herrscherchiffre (CL=Carl Landgraf) als Spiegelmonogramm unter einer Krone. Professor Dr. Bernd Küster, Leiter der Museumslandschaften Hessen Kassel und mit Bürgermeister Volker Zimmermann zu Gast bei der Jahresversammlung, freute sich sichtlich über das neue Exponat.

Peter Schultheis berichtete allerdings von leicht gesunkenen Zahlen bei den Museumsbesuchen 2014. Rund 300 Menschen weniger als im Jahr zuvor fanden den Weg in die Sammlung und damit exakt 10050. Großen Anklang hätten die Erlebnisführungen mit Margaretha, Gräfin von Waldeck gefunden. Schultheis dankte dem Stadtmarketing und besonders Reckhard Pfeil. Er begeistert als Posaunenchorleiter im Edertal junge Frauen aus dem Chor dafür, in der historischen Rolle Gäste durchs Schloss zu führen. Gemeinsam mit Eckardt Sander, dem Margaretha-Experten aus Borken, bildet Pfeil den Nachwuchs für die Führungen aus.

Der Barocksaal lieferte auch im vergangenen Jahr für viele unterschiedliche Veranstaltungen eine prächtige Kulisse, fügte Schultheis hinzu. Das Schloss bleibe so im Gespräch „und neuerdings auch im Licht“. Seit Herbst 2014 wird Friedrichstein auch von Osten her angestrahlt.

Frank Pütz, Kunsthistoriker und Volontär bei der Museumslandschaft Hessen-Kassel, sprach in einen Vortrag über „Von der Burg zum Schloss - die Baugeschichte von Schloss Friedrichstein“. Er erläuterte ausführlich die Ursprünge der Burg Wildungen, die seiner Meinung nach im Hochmittelalter liegen, was jedoch nicht zu belegen ist. An die Grafen von Waldeck gelangte die Burg Wildungen 1263. Aussehen und Umfang des Schlosses vor dem Ausbau der Anlage durch Josias II zu ihrer bis heute existierenden Form,lässt sich an Hand eines Generalinventars der Grafschaft Waldeck von 1602 sowie des bekannten Merian-Stiches von 1648 ungefähr rekonstruieren.

Verein will im Lauf des Jahres 200. Mitglied werben

Beim Regierungsantritt des Grafen Josias II im Jahre 1660 dürfte das Schloss in keinem guten Zustand gewesen sein und trug die Spuren aus der Zerstörung im 30-jährigen Krieg. Deshalb habe Josias Neu- und Ausbaupläne entwickelt, von denen einer der Entwürfe im Grundriss eine dreieckige Schlossanlage mit drei Rundtürmen vorgesehen habe.

1663 wurde das ältere Schlossgebäude abgerissen und mit der Neuerrichtung des Westflügels begonnen, der 1667 fertig wurde. In seiner heutigen Form gestaltete Fürst Anton Ulrich von Waldeck und Pyrmont im Jahre 1714 das Schloss aus. Nach diesem Fürsten ist es auch benannt.

Schatzmeisterin Ute Ahrend bezifferte die Zahl der Vereinsmitglieder auf 183. Im Laufe des Jahres will der Verein die Marke von 200 erreichen.

Von Matthias Schuldt

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