Folkfestival begeistert mit drei völlig verschiedenen Akzenten das Publikum im Wildunger Kurpark

Nyckelharfe, Teufelsgeiger, Seele Portugals

Bad Wildungen - Es war am Samstagabend kurz vor Mitternacht im Kurpark, als Veranstaltungsleiter Gereon Schoplick gen Himmel schaute und erleichtert aufatmete.

Obwohl mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit angekündigt, war der Regen ausgeblieben. Keiner der vielen, vielen Besucher musste zum Regencape greifen, und der für den Notfall geplante Umzug in die Wandelhalle blieb aus. Stattdessen genoss das Publikum einen lauen warmen Sommerabend mit Folkmusik von drei Ensembles völlig unterschiedlicher Stilrichtungen. Den Anfang machte „Sina Nossa“, eine Band mit portugiesischen Musikern und einem deutschen Mitglied – im Vordergrund immer die Sängerin Anabela Ribeiro mit ihrer schönen Fado-Stimme und ihren portugiesischen Liedern. Die Musikanten leben im westfälischen Unna – und nicht in den Altstädten von Lissabon oder Faro – und sicher ist das einer der Gründe dafür, dass sie verschiedene Stilelemente aus Jazz, Klassik und Pop in den Fado, „diese musikalische Seele Portugals“ (Schop-lick), musikalisch geschickt integrieren. Das tat der Schönheit und der Qualität des Genres keinerlei Abbruch, brachte aber immer wieder Heiterkeit in die Melancholie und die Wehmut des Fado. Die bezaubernde melodische Schönheit der Musik von „Sina Nossa“ mit Anabela Ribeiro war im Laufe des Abends kaum noch zu toppen. Eine Reise in die spanische Vergangenheit unternahm Ana Alcaide mit ihren musikalischen Begleitern Bill Cooley (Psalterium, Qud, Perkussion), einem in Spanien lebenden Amerikaner, und dem Deutsch-Spanier Reiner Seifert (Gitarre, Bouzouki). Ana Alcaide ist eine virtuose Spielerin auf der aus Schweden stammenden Nyckelharfe, deren Töne zunächst recht gewöhnungsbedürftig sind und die vor allem durch den Zusammenklang mit der ungewöhnlich schönen Stimme von Ana großen Anklang fand. Zum Schluss des Folk-Abends im Park standen die Musiker des „Absinto Orkestra“ auf der Bühne unter vielen bunten Lampions und spielten – ja, was eigentlich? Es war wohl vor allem Hessen-Folk, den die Gruppe aus ihrer Heimatstadt Wiesbaden mitgebracht hatte. Mit meist schier überschäumendem Temperament und hoher musikalischer und technischer Perfektion auf ihren Instrumenten („Teufelsgeiger“ Johannes Reinig !) präsentierten sie eine bunte Mischung von Sinti-Songs, Filmschlagern („Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“) und dem „Lied vom blonden Zigeuner“ in einer mitreißenden Bühnenshow.Dafür gab es von Begeisterung zeugenden Beifall, und – wie von den Bands zuvor – verlangten die Zuhörerinnen und Zuhörer nach einer Zugabe.

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