Manuel Wille vom „Circus William“ bezeichnet sich nicht als Dompteur, sondern als Tierlehrer

Mit der Peitsche läuft hier rein gar nichts

Bad Wildungen - „Der Zirkus ist in der Stadt!“ - lange war kein Großer dieser Zunft mehr in Bad Wildungen.

Bis zum Sonntag hat eines der bedeutenden deutschen Zirkusunternehmen, „Circus William“, sein buntes Zelt mit vier 16 Meter hohen Masten aufgebaut, an denen bunte Fahnen über dem Schützenplatz wehen. 1200 Besucher haben in dem Zelt Platz, in Bad Wildungen stehen 750 Sitzplätze zur Verfügung. Auf dem Platz eine große Fahrzeugflotte mit Wohnwagen, Transportern, ein fahrbares Terrarium mit idealen Bedingungen für Riesenschildkröte, Leguane, Pythons und einen Baby-Alligator - der ausgewachsen bis zu sechs Meter lang sein wird.

Groß und geräumig sind die Wagen für die rund 100 Tiere, darunter 20 Kamele, 30 Großpferde, Ponys und Zebras. Besonders stolz sind die Zirkusinhaber, die vier Brüder Wille und ihre Schwester, auf ihre zwei Löwen. Einer von ihnen - Sambesi - ist weiß. Das Duo tritt gemeinsam auf mit neun sibirischen Tigern, vier davon ebenfalls weiß. „Unsere Raubkatzengruppe ist einmalig in Europas Zirkusmanegen“, sagt Manuel Wille, der gerne durch seine Zirkusstadt auf dem Schützenplatz führt und immer wieder auf die großzügige Unterbringung aller Tiere in Freigehegen hinweist. Er weiß, dass die Haltung von Großkatzen und anderen Großsäugern im Rahmen von Zirkussen in der Kritik steht. „Alle unsere Tiere haben viel mehr Platz, als das der Gesetzgeber vorschreibt.“ Der Besucher gewinnt schnell den Eindruck, dass sich die Tiere rundum wohlfühlen. Wille erklärt vor dem Gehege des prächtigen weißen Löwen Sambesi: „Die weißen Katzen sind ursprünglich Ergebnis eines Gendefektes. Durch Züchtung wurde das helle Fell dann erhalten und mit der Zeit immer heller.“

Wille betritt für ein Pressefoto den Käfig und Sambesi springt ihm offensichtlich freudig entgegen, lässt sich kraulen, will mit seinem Lehrer spielen. Manuel Wille sagt, er sei Tierlehrer, kein Dompteur. Seit zehn Jahren arbeitet Wille mit seinen Raubkatzen, hat sie von klein auf ausgebildet. Gerade gehen wieder zwei sieben Monate junge Löwen in seine Schule, „lernen das Abc“. Wille sagt, er verbringe mehr Zeit mit seinen Katzen als mit seiner Frau, oft zu deren Leidwesen. „Die Tiere sind mein Leben, mein Vater hat mir die Arbeit mit Raubkatzen beigebracht.“ Von ihm habe er auch gelernt, die Tiere zu lieben und zu pflegen.

Nach langer Arbeit mit den Tieren komme es zu einer ganz persönlichen Beziehung, „da steckt Herzblut drin“ - deshalb haben es die William-Tier-Artisten auch im Alter gut. Sie alle erhalten im Stammhaus in Brandenburg das Gnadenbrot. Angst hat Manuel Wille nicht, wenn er in den Käfig zu seinen Raubkatzen geht, „aber Respekt. Ich muss ständig die Augen hinten und vorne haben. Klar ist meine Arbeit auch lebensgefährlich“. Keines seiner Tiere werde zu irgend einer Aktion gezwungen, eine Peitsche brauche er deshalb nicht: „Ich bin zwar der Chef der Truppe, aber alles muss spielerisch und freiwillig geschehen - und belohnt wird immer mit einem Leckerli.“ Manchmal erinnern die Raubkatzen ihren Meister an Kleinkinder, „sie sind launig, verweigern sich, aber im nächsten Moment kommen sie an und wollen schmusen“. Und hungrig sind die Katzen: Immerhin vertilgen die 220 Kilogramm schweren Löwen und die 200 Kilogramm wiegenden Tiger Tag für Tag 150 Kilogramm Fleisch.

Auf dem Programm des „Circus William“ stehen außer den sehenswerten Tierdarbietungen artistische Spitzenleistungen in der Manege und am Trapez und natürlich fehlen die Späße der Clowns nicht.

Zum Schluss des Rundgangs beklagt Manuel Wille, der mit seinem Zirkus zum ersten Mal in Bad Wildungen gastiert, wie schwer es inzwischen ist, einen Platz in einer deutschen Stadt für ein Gastspiel zu bekommen.

„Oft bewerben wir uns schon Jahre im Voraus - und dann werden die Plätze unter den Zirkusunternehmen ausgelost - ein Lotteriespiel.“

Vorstellungen mit der unterhaltsamen, rasanten Zirkus-Show, den internationalen Live-Darbietungen, Spitzenartistik, Clownerien und einzigartigen Tierdressuren gibt es heute um 15 Uhr und um 19 Uhr. (Eintritt 8 Euro auf allen Plätzen außer Sperrsitz und Loge, jeweils ein Kind in Begleitung eines Erwachsenen hat freien Eintritt.) Die Abschiedsvorstellung ist am morgigen Sonntag um 14 Uhr.

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