Bad Wildungen

Der Pfarrer und die drei Frauen

- Bad Wildungen (r). Auf unserer Entdeckungsreise durchs Stadtmuseum in loser Folge machen wir heute Halt vor einer besonderen Holztafel.

Im Stadtmuseum gibt es einen Raum, in dem sakrale Objekte ausgestellt werden. In der Mehrzahl handelt es sich um Epitaphe, Erinnerungstafeln aus Holz oder Gusseisen, die die Erinnerung an Verstorbene wach halten sollen. Daneben fällt eine Besonderheit auf: ein Holzmodel für eine Grabplatte. Die Geschichte dieses Ausstellungsgegenstandes selbst ist interessant, aber auch die Geschichte, die auf dem Model zu lesen ist.

Der Holzmodel war die Vorlage für den Guss einer Grabplatte. Nach deren Anfertigung wurde er aber nicht etwa vernichtet, sondern als Tür im häuslichen Bereich verwendet. Sicherlich war die Schrift nicht mehr gut zu erkennen: später mussten dicke Farbschichten entfernt werden, um sie wieder sichtbar zu machen. Heute noch gut zu erkennen ist aber das Schlüsselloch, das den Verwendungszweck – nach dem Recycling sozusagen – verrät. Ob Sparsamkeit und sorgsamer Umgang mit den Ressourcen in früherer Zeit den Ausschlag gab oder ob jemand die verstorbenen Angehörigen auf diese besondere Weise dicht bei sich behalten wollte, ist nicht bekannt.

Kunstvoll ist der Model jedenfalls verziert. Erschütternd ist der persönliche Text, der unter einem Psalmen eingeschnitten wurde, denn er verrät einiges über die sozialen und gesundheitlichen Umstände vergangener Zeiten. Es steht dort zu lesen: „Hier liegt mit zehn Kindern und zwei Frauen ein Pfarrer eingesenkt, die dritte mit sieben Kindern ist noch zu schauen…“.Der Model stammt aus dem Jahre 1714, der Pfarrer starb am 29. Mai in Königshagen.

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