Restaurierter Trecker von Schuhmanns Maxe erinnert an Wildunger Original

Pferd und Polizei k.o. geschlagen

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Beim Blumenkorso rollte der restaurierte Deutz des 1989 verstorbenen Wildunger Originals „Schuhmanns Maxe“.

Bad Wildungen - Die Baskenmütze war sein Markenzeichen, der Hund saß als Beifahrer auf dem Trecker. So tuckerte Schuhmanns Maxe einst durch die Badestadt. Beim Blumenkorso rollte er wieder - der grüne Deutz des unvergessenen Wildunger Originals.

Der Oldtimer aus dem Baujahr 1958, den der Manderner Ludwig Schäfer restaurierte und als Zugmaschine im Wildunger Blumenkorso präsentierte, weckte bei vielen Wildungern Erinnerungen an einen kauzigen Mann mit wettergegerbtem Gesicht und Bartstoppeln, der in einer abenteuerlichen Behausung an der Ense „pferchte“, wie er selbst zu sagen pflegte.

Wellblech- und Holzhütten, ein ausgedienter Omnibus und mehrere Schrottautos, mittendrin noch ein paar Bäume, rostige Pflüge, Plastikeimer, Gummireifen, Eisenöfen, jede Menge Brennholz - seit 1946 hauste Max Schuhmann dort ohne Strom, ohne fließend Wasser, ohne Radio, Fernsehen, Zeitung. „Wozu auch?“, lautete sein Kommentar. „Es wird jeden Tag dunkel, und es wird jeden Tag helle.“

Ein Hund, eine Katze und fünf Kühe leisteten dem Einsiedler Gesellschaft. Besucher waren auf seinem Anwesen unerwünscht. „Betreten der Baustelle verboten“, warnte ein Schild. Verirrte sich dennoch jemand dorthin, dann wurde er von einem mürrischen Mann vertrieben, mit dem nicht gut Kirschen essen war.

Vor dem Krieg berichtete die Waldeckische Landeszeitung, die damals „Wildunger Zeitung“ hieß, dass Schuhmann einen Polizisten verprügelte, der es gewagt hatte „mich von hinten zu schlagen, ohne mich von vorne anzusprechen“, und lädierte bei der anschließenden Schlägerei mit Kollegen des Polizisten noch drei weitere Ordnungshüter.

Maxe hatte als Jugendlicher Boxen gelernt. Er probte seine Faustschläge nicht nur bei Vater und Onkel, die ihm eine Ohrfeige verpassen wollten, sondern schlug sogar einmal ein Pferd k. o., das ihn gebissen hatte. „Ich habe dem Viech mit der Faust zwischen die Ohren gehauen - der Gaul war drei Tage lang bewusstlos“, berichtete Max Schuhmann 1980 dem damaligen WLZ-Redakteur Holger Senzel.

Als kleiner Steppke wollte der kleine Maxe mit seinem Luftgewehr auf den Waldecker Fürsten schießen, weil seine Mutter eine Strafe wegen Holzdiebstahls zahlen sollte. Die Fürstenparade wurde glücklicherweise abgesagt.

„Wort Unterordnung steht nicht in meinem Lexikon“

„Das Wort Unterordnung steht nicht in meinem Lexikon“, lautete einer von Schuhmanns Leitsätzen. Markenzeichen des unbeugsamen Eremiten war sein Traktor. Mit ihm tuckerte er durch die Badestadt. Weil er damit früher auch zu seiner Arbeitsstelle als Geschirrspüler in einem Wildunger Hotel fuhr, handelte er sich oft Ärger ein. Der alte Trecker zwischen den Autos wirke störend, sagte man ihm. Schuhmann konterte, sein Trecker sei bezahlt, aber ob die großen Autos alle bezahlt seien, das sei fraglich.

Einmal hatte er einen Zusammenstoß mit einem Auto und lag mit gebrochenem Fuß im Krankenhaus. Weiß bezogenes Bett, geheiztes Zimmer, fließend warmes Wasser - auf diese Errungenschaften der Zivilisation pfiff der 78-Jährige. „Nee, nee, ich wär’ lieber draußen - und wenn’s noch so kalt ist...“

Im Krieg in der Strafkompanie

Max Schuhmann hatte eine Kochlehre, schlug sich aber später als Tellerwäscher, Waldarbeiter, Handlanger, Kraftfahrer und Nachtwächter durch. Er wurde zum Zweiten Weltkrieg eingezogen, den er ablehnte, „weil mir meine Gegner nichts getan haben“. Seinen Kriegsdienst verbrachte er wegen ständiger Aufsässigkeit in einer Strafkompanie. Dreimal war er in sowjetischer Gefangenschaft, dreimal ist er geflohen. Am 7. Januar 1989 starb Max Schuhmann im Alter von 81 Jahren.(höh

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