Behauene Steine der ehemaligen Anraffer Mühle bei Feldarbeit an der Eder ausgeackert

Pflugschar trifft Geschichte

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Behauene Steine der ehemaligen Anraffer Mühle gelangten beim Ackern ans Tageslicht; Heinrich Schäfer, Wolfgang Lübcke und Erna Heller (von links) halten Fundstücke in den Händen.

Edertal-Anraff - Beim Ackern auf einem Feld an der Eder hat ein Anraffer Landwirt einen behauenen Stein gefunden. Er stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus den Grundmauern der Anraffer Mühle, die vermutlich im Dreißigjährigen Krieg untergegangen ist.

Allein der Gemarkungsname „Hinter der Mühle“ erinnert heute noch an das beschwerliche Tagwerk der Müller vor über 350 Jahren. Mühselig war es aber auch für die Bauern aus dem Dorf, denn sie mussten immer die Eder durchqueren, wenn sie Korn zum Mahlen brachten.

„Die Anraffer Mühle hat nämlich auf der anderen Seite der Eder gestanden“, deutet der ehemalige Ortslandwirt Heinrich Schäfer auf den früheren Verlauf der Eder. Der Fluss führte bis zur Verlegung in sein heutiges Flussbett (1848/49) dicht am Dorf entlang. Die Wellener - wie die Anraffer damals dem Mühlenzwang unterworfen - kamen hingegen trockenen Fußes zur Anraffer Mühle.

Steinmännchen aus Fundstücken

Dieses überlieferte Wissen hat Lehrer Heinrich Schreff (1885 -1968) als Chronist hinterlassen. Er wurde in dem vom Edersee überfluteten Dorf Berich geboren und war von 1923 bis 1950 (mit Unterbrechung von 1945 bis 1948 aus politischen Gründen) Lehrer in der Anraffer Dorfschule.

Die Mühle stand rechter Hand zwischen Dorf und heutiger Ederbrücke, ungefähr der Stelle gegenüber, an dem der Radweg zum Bergheimer Kindergarten abzweigt. Das Land, auf dem einst das Mühlrad klapperte, wird seit einigen Jahrzehnten von der Familie Heller bewirtschaftet. Beim Ackern tauchten immer wieder Relikte aus vergangenen Zeiten auf, sagt Erna Heller (80).

Meist waren es kleine Steine, die vermutlich vom Mühlengebäude stammen, die ihr inzwischen verstorbener Ehemann Rudi Heller bei der Feldarbeit ans Tageslicht beförderte.

Aber die Anrafferin erinnert sich auch noch an eine besondere Entdeckung: „Bei einer Kartoffelernte in den 1980er Jahren haben wir Stücke aus Steingut gefunden mit Muster darauf.“ Einen gewichtigen Fund holte ihr Sohn Reinhold kürzlich aus dem Boden. Mit den Scharen seines Ackerpflugs schälte er einen größeren, behauenen Brocken und mehrere kleinere Steine und Bruchstücke von Ziegeln aus dem Erdreich. Heller türmte die Fundstücke am Feldrand auf. Viele Passanten hielten das für ein originelles Steinmännchen.

Der in Anraff aufgewachsene Giflitzer Heimatforscher Wolfgang Lübcke ist sich sicher: „Genau an dem Fundort muss der Standort der Mühle gewesen sein.“ Das sei anhand einer von Heinrich Schreff überlieferte Skizze ersichtlich. Zu dem mutmaßlichen Standort passe genau der Verlauf des Mühlgrabens, vollzieht Lübcke den Verlauf in Richtung Sportplatz zu der Stelle, an der die Bahnlinie die Kreisstraße nach Giflitz kreuzt.

Zur Anraffer Mühle gehörten auch gleichgroße Grundstücke direkt an der Wegkreuzung, links und rechts des Rohrwegs. „Sie waren etwa 20 mal 20 Meter groß“, berichtet Heinrich Schäfer, die Flächen sollen damals als Obstgärten genutzt worden sein.

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