Dresdener Studentin überreicht Forschungsarbeit an Förderverein der Frebershäuser Kirche

Pfusch beim Freistellen von Fresken

Bad Wildungen-Frebershausen - Über ein besonderes Geschenk freuten sich die Mitglieder des Frebershäuser Fördervereins Kirche. Eine Dokumentation über die Fresken wurde in Empfang genommen.

Die Dresdener Studentin Jana Hainbach hat an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden ihre Semesterarbeit über die Fresken in der Kirche von Frebershausen geschrieben. In der kleinen Bergkirche überreichte sie das Ergebnis ihrer aufwendigen Arbeit in Form eines dicken Bandes mit einem ausführlichen schriftlichen Teil und einem Anhang mit Katalogen und Kartierungen.

Die Arbeit ist von den Professoren mit „sehr gut“ bewertet worden und hat – so Fördervereinsvorsitzender Manfred Albus – einen hohen Wert für die Frebershauser Kirchengeschichte. In ihrer Seminararbeit mit dem Titel „Bestandsuntersuchung der Wandmalrein im Chor der Kirche Frebershausen (Hessen) unter besonderer Berücksichtigung der Werktechnik und Restaurierungsgeschichte“ stellt die Autorin zunächst fest, dass die figürlichen ornamentalen Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert nach mehrfacher Überfassung 1932 wieder freigelegt wurden.

Jana Hainbach stellt die bewegte Restaurierungsgeschichte der Jahre 1949, 1960, 1964, 1977 und 1989 dar. Die Restauration habe – bis auf die Feuchtigkeit im Mauerwerk – durch unsachgemäße Arbeit viele Schäden angerichtet. Der Frebershäuser Förderverein war vor einiger Zeit an die Autorin und die Hochschule der Bildenden Künste Dresden mit einer Reihe von Fragen herangetreten. Können durch wissenschaftliche Untersuchungen Bereiche der ursprünglichen Malerei wieder erkennbar gemacht werden ? Wie groß ist die Fläche der erhaltenen Malereien ? Wie wurde mit der Substanz in den restauratorischen Bearbeitungsphasen umgegangen ? Bieten wissenschaftliche Analyseverfahren Rückschlüsse auf das ursprüngliche Erscheinungsbild ? – Dies und mehr brannte den Frebershäusern unter den Nägeln.

Da die Wandmalereien seit der letzten Restaurierung im Jahr 1989 keine weiteren Schäden erfahren haben, hat die Studentin auf eine Zustandserfassung verzichtet. Ein wichtiger Teil der Seminararbeit sind konservierungswissenschaftliche Untersuchungen, die auch mit Hilfe von Streiflicht, mit ultraviolettem Licht und makroskopischer Fotografie erfolgten. Den vermutlich ältesten Beitrag in der Literatur über die Wandmalerei in der Bergkirche hat die Autorin im Laufe ihrer umfangreichen Recherchen im „Jahrbuch der Denkmalpflege im Regierungsbezirk Kassel II, Freigelegte Wand- und Tafelmalaereien aus der Zeit vom 11 bis 17. Jahrhundert“ aus dem Jahre 1936 ausgegraben. Die Dresdenerin kommt zu dem Ergebnis, dass die Wandmalereien durch unsachgemäße Freilegung und Restaurierungen und damit verbundene Überfassungen und großflächige Festigungen stark verändert wurden. Eine inzwischen siebte Bildschicht nehme etwa 30 bis 70 Prozent der sichtbaren Wandflächen ein, die Gewölbemalerei sei fast zu 100 Prozent rekonstruierend überdeckt, schildert die Studentin.

„Die Figuren sind 1949 flächig lasiert und die Konturen vereinfacht nachgezogen und etwa 20 Prozent der sichtbaren Wandflächen mit einer vierten Schicht lasiert worden“, schildert die Dresdenerin. Als fünfte Schicht wurde ein farbloser, teils weißer, milchig glänzender Überzug freigelegt. Das erschwere die Untersuchung mit ultraviolettem Licht zur Erkennung der ursprünglichen Binnenzeichnungen in den Figuren. Einige Gesichter und Konturen sind durch ein geschultes Auge noch erkennbar.

Die Qualität der Malerei sei weitgehend in den Figurendarstellungen in den Fensterlaibungen und an den drei Figuren der südlichen Westwand sichtbar und verschaffe einen Eindruck von der ursprünglichen Fassung. Jana Hainbach schlägt nach Abschluss ihrer umfangreichen Dokumentation vor, in einer nachfolgenden Zustandserfassung vor allem die Malerei im Zusammenspiel mit dem Raumklima zu prüfen. Besonderes Augenmerk soll auch der farblosen fünften Bildschicht gelten, die die Wasserdampfdiffusionsfähigkeit der Wandmalereien verändere. Jana Hainbach: „Im Bereich der Restaurierungsgeschichte wäre die Materialität und die Auswirkung von Überzügen auf Wandmalereien ein spannendes Forschungsthema.“ Der Förderverein zahlte für die Forschungsarbeit 5000 Euro an die Dresdener Uni. Diese aufwändige Arbeit hätte bei einer Vergabe an ein freies Institut nach Schätzung von Manfred Albus 10 000 bis 15 000 Euro gekostet. Albus bedankte sich bei der jungen Dresdener Wissenschaftlerin für ihre umfangreiche aufwendige Untersuchungen, „die für uns ein wertvolles Fundament für weitere Nachforschungen sind.“ (szl)

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