Sachsenhausen

Polsterballen „bahnamtlich angerollt“

- Waldeck-Sachsenhausen (höh). Vom Sattler und Polsterer zum Fachbetrieb für Raumausstattung – das Familienunternehmen Best und Sohn feiert am Samstag sein 100-jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür. Geführt wird der Betrieb heute in vierter Generation von Helmut Best jun.

Firmengründer Friedrich Best eröffnete 1910 eine Sattlerei und Polsterei in der Luisenstraße 33, wo heute noch Werkstatt- und Lagerräume unterhalten werden. Damals wurden Polstermöbel, Matratzen und Pferdegeschirre gefertigt. „Da ging’s mit Fahrrad und Rucksack oder mit dem Handwagen auf die Dörfer, denn das meiste wurde bei den Leuten vor Ort gemacht“, erzählt Helmut Best sen., Vater des heutigen Inhabers. „Und im Winter wurden die Pferdegeschirre auf den Höfen repariert.“ Polstermaterial Afrik und Alpengras wurde mit der Bahn nach Sachsenhausen angeliefert. Der Sachsenhäuser Karl Schaller hat die 80-Kilo-Ballen mit Pferd und Wagen abgeholt und „bahnamtlich angerollt“ zur Sattlerei und Polsterei der Firma Best. Dafür wurde ihm ein „Rollgeld“ ausgezahlt. In den 50er-Jahren wurden Gardinen und Dekorationsartikel in das Sortiment aufgenommen und schließlich auch erste Fußbodenbeläge. In diesem Bereich wurde die Angebotspalette schnell ausgeweitet. Dann kamen auch Sonnenschutz wie Rollos und Jalousien hinzu. In dieser Zeit wurde der erste Laden in der Luisenstraße eröffnet. „Seit den 50er-Jahren haben wir unser heutiges Leistungsspektrum“, blickt der heutige Inhaber zurück. Der Firmengründer übergab das Geschäft an seinen Sohn Friedrich Best jun., der 1938 seine Meisterprüfung bestanden hat. Im Laufe der Zeit änderte sich das Kerngeschäft der ursprünglichen Sattlerei und Polsterei hin zum Raumausstatterbetrieb. In dritter Generation stieg Helmut Best sen. 1977 nach bestandener Meisterprüfung in den Familienbetrieb ein. Im selben Jahr bezog das Unternehmen neue Geschäftsräume in der Schulstraße 1 neben dem Rathaus (heute Schlecker), mitten im Ortszentrum. 1984 folgte dann der Umzug in die heutigen Geschäftsräume in der Straße Am Rathaus 3. In dem 1836 erbauten Fachwerkhaus am Marktplatz war die erste Sachsenhäuser Apotheke untergebracht. Zunächst wurde nur die untere Etage genutzt, nach Umzug einer Zahnarztpraxis wurde die Ladenfläche 1995 auch auf das obere Stockwerk ausgedehnt. Auf 300 Quadratmetern in zwei Etagen präsentiert das Unternehmen seither sein umfangreiches Sortiment von Gardinen, Dekorationen, Teppichböden, Polsterarbeiten und Lederwaren. Seit 2002 leitet der Raumausstattermeister Helmut Best jun. den Familienbetrieb, eines der letzten überlebenden Einzelhandelsunternehmen in Sachsenhausen. Der 45-jährige Vorsitzende der Interessengemeinschaft Aktives Sachsenhausen führt das Unternehmen gemeinsam mit seiner Ehefrau Gabriele (40) sowie seinen Eltern Helmut (71) und Antonia Best (66) weiter, ferner ist ein Raumausstattermeister in dem Familienbetrieb beschäftigt. Helmut Best jun. engagiert sich auch für seinen Berufsstand als stellvertretender Obermeister der Raumausstatter­innung Waldeck-Frankenberg. Damit tritt er in die Fußstapfen seines Urgroßvaters, der Innungs-Obermeister im Kreis der Eder war. Das 100-jährige Jubiläum wird am Samstag, 21. August, von 10 bis 18 Uhr mit einem „Tag der offenen Tür gefeiert; für das leibliche Wohl ist gesorgt.

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