Edertal: Klaus Gier zieht als Unabhängiger in Bürgermeisterwahlkampf

Im Rathaus Schulbank gedrückt

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Kontakte zu einem Goldwäscher stehen jedem künftigen Bürgermeister mit Blick auf die Gemeindefinanzen gut an: Klaus Gier in seinem früheren Heimatdorf Affoldern.Foto: Schuldt

Edertal - „Claus und Klaus“ heißt es offiziell bis auf Weiteres im Edertaler Bürgermeisterwahlkampf. Der 51-jährige Klaus Gier aus Bringhausen hat am Mittwoch als unabhängiger Kandidat seinen Hut in den Ring geworfen, direkt neben den von Claus Günther.

„Die Unterstützung der beiden großen Parteien zu haben, ist natürlich ein Pfund“, sagt der Leiter des Gudensberger Hauptamtes respektvoll über seinen Kontrahenten, doch in vielen offiziellen und inoffiziellen Gesprächen mit Edertalern jeglicher Politik-Couleur sei er bestärkt worden, zu kandidieren, „auch, damit es eine echte Wahl gibt.“

In Affoldern aufgewachsen

Gier wuchs zwischen 1964 und 1976 als eines von fünf Kindern des damaligen Kirchspiel-Seelsorgers in Affoldern auf. Seit 2006 hat er seinen Hauptwohnsitz wieder in Edertal (mit Zweitwohnung in Fritzlar-Züschen), in Bringhausen.

„Die Kontakte hierher waren nie abgerissen, wegen meiner langen Zeit als aktiver Fußballer in Mehlen und wegen vieler persönlicher Verbindungen“, erzählt er. Durch einen Wahlerfolg könnte sich ein Kreis schließen für den Zugposaunisten, der im Kirchenchor Gombeth (bei Borken) seit vielen Jahren musiziert. „Im Gebäude der heutigen Edertaler Gemeindeverwaltung habe ich drei Jahre lang die Schulbank gedrückt“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln.

Damals begann allmählich die Zentralisierung der Dorfschulen, die in der Gründung der Gif­litzer Mittelpunktschule gipfelte. In abgewandelter Form beschäftigt dieses Thema jeden kommenden Edertaler Bürgermeister, Stichwort: Kindergärten. Kosten senken und trotzdem die Qualität erhalten, gar weiter verbessern. Dieses Ziel verfolgt der kürzlich gegründete, informelle Arbeitskreis Kindergärten des Parlamentes.

Man werde darüber nachdenken müssen, ob jeder Standort erhalten bleiben könne, meint der Kandidat und betritt damit sehr vorsichtig dieses Politik-Terrain. Als verheirateter Mann ohne Kinder will er nicht gleich den Vorwurf einstecken, sich die Sache leicht zu machen.

Derlei Vorsicht lässt er generell walten, wenn es um konkrete Aussagen zu einzelnen Themen geht. Klaus Gier leitete in Gudensberg auch die Finanzverwaltung, „und weiß deshalb, dass eine Kommune auf Dauer nicht mehr ausgeben kann, als sie einnimmt.“ Wo und wie sich Einsparungen erzielen ließen, müsse aber im Einzelfall geprüft werden, „und dazu muss ich die Zahlen und Details des Haushaltes erst mal genau kennen.“

Fusion mit Wildungen?

Kommunale Zusammenarbeit sei ein Schlüssel für die Zukunft. In Gudensberg habe er auf etlichen Feldern Erfahrungen damit gesammelt: in einem Abwasserverband, bei gemeinsamer Personalabrechnung oder als Verantwortlicher für einen stadteigenen, 100 Jahre alten ambulanten Pflegedienst mit 30 Mitarbeitern und 150 Kunden.

Ein gemeinsames Standesamt mit anderen „ist auch ein Mittel, bringt aber keine große Einsparung. Die Akzeptanz bei den Bürgern spielt deshalb eine entscheidende Rolle“, sagt er mit Blick auf die jüngste Diskussion in Edertal. „Wir Edertaler“ versuchte vergeblich, ein Bürgerbegehren dagegen zu organisieren. Diese Fraktion hat Gier nach dessen Worten ebenso Unterstützung zugesichert, wie es FDP und FWG getan haben.

Was hält er eigentlich von dem Vorschlag, den der Edertaler Frederik Westmeier auf dem Wildunger WLZ-Bürgermeister-Wahlforum öffentlich machte: Edertal und Wildungen zu fusionieren und einen Bürgermeisterposten einzusparen?

Zur Person

Klaus Gier ist 51 Jahre und verheiratet. Als Kind besuchte er die Grundschule in Affoldern und Giflitz sowie die Mittelpunktschule Edertal, bevor er an der Fritzlarer Realschule die mittlere Reife erzielte. Die Ausbildung zum Verwaltungangestellten und ein Studium an der Verwaltungsfachhochschule Kassel mit dem Diplom zum Verwaltungswirt schlossen sich an. Von 1979 bis 2000 war er beim Landkreis Schwalm-Eder in Verkehrs- und Sozialverwaltung sowie als stellvertretender Leiter der Kreisrechnungsprüfung tätig.

2001 wechselte Gier zur Stadtverwaltung Gudensberg, zeichnete unter anderem verantwortlich für Kämmerei, Bäderverwaltung inklusive Bauprojekten und leitet seit 2010 das Hauptamt. Um das Amt des Edertaler Bürgermeisters bewerbe er sich, weil er ein Interesse daran habe, seine Wohnortgemeinde voranzubringen. Auch unter ungünstigen Rahmenbedingungen wolle er mit den politisch Aktiven das Wohl der Gemeinde gestalten, schreibt Klaus Gier.

Drei Parteien für Gier

„Wir Edertaler“, FWG und FDP stehen hinter Klaus Gier. Zwei Plus-Punkte des Kandidaten gefallen Holger Blume von WIR besonders: „Er hat Edertaler Wurzeln, und er hat im Gespräch Teamfähigkeit bewiesen. Im Team erreicht man mehr.“ Gier bekomme jede Unterstützung, die er wolle. Annegret Schultze-Ueberhorst und die übrigen Liberalen hat der Bringhäuser ebenfalls im Gespräch überzeugt: „Er ist für uns der Richtige, weil er ein Verwaltungsfachmann ist und viele Positionen durchlaufen hat.“ Das bedeute nicht, dass die FDP etwas gegen Claus Günther habe, „aber die Vorgehensweise der großen Fraktionen in der Kandidatenfrage war nicht korrekt“, meint die Gemeindevertreterin.

Die FWG stößt ins selbe Horn, was die Qualitäten Giers angeht. „Er hat die besten beruflichen Qualifikationen fürs Bürgermeisteramt. Das gab für uns den Ausschlag“, erklärte FWG-Fraktionsvorsitzender Matthias Heck, Bei der Vorstellung in der Fraktion habe Gier mit seiner ruhigen, sachlichen, offenen Art überzeugt. „Wichtig für uns ist auch, dass er in Edertal wohnt, hier aufgewachsen und parteilos ist.“ Somit könne er die Zusammenarbeit aller Fraktionen im Parlament konstruktiv beeinflussen.

Dritter Kandidat

Aus dem Duett „Klaus und Claus“ im Bürgermeisterwahlkampf wird noch ein Trio. Auch Thomas Merle, früherer FWG-Fraktionsvorsitzender, sammelt Unterschriften, befindet sich derzeit aber noch in der Reha. Offiziell will er seine Kandidatur Ende Juli, Anfang August der Öffentlichkeit präsentieren, teilte er am Mittwoch mit.(su)

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