Ausstellung mit Fotos und Feldpostbriefen eines Offiziers in der Lukaskirche eröffnet

Die raue Kriegswirklichkeit bis 1916

Gerhard Meyerolbersleben in der Lukaskirche vor Fotos seines Onkels Hans Kundmüller aus dem Ersten Weltkrieg, die er abfotografiert und vergrößert hat.Foto: Senzel

Bad Wildungen-Reinhardshausen - Er scheint so weit weg und rückt plötzlich so nah heran: der Erste Weltkrieg. Europa spricht 100 Jahre nach seinem Ausbruch angesichts der Ukraine-Krise wieder über den bedrohten Frieden auf dem Kontinent und Ausstellungen wie die in der Lukaskirche erinnern in Text und Bild an die Schrecken des damaligen Weltenbrandes.

Nach dem Sonntagsgottesdienst, in dem Pfarrerin Evelin Härlin die Ausstellung zum Predigtthema erhoben hatte, wurden die Fotos und Feldpostbriefe von Hans Kundmüller (1880 - 1916) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Gerhard Meyerolbersleben hat die kleinformatigen Bilder abfotografiert und vergrößert, die sein Onkel mütterlicherseits während des Fronteinsatzes als Offizier im Ersten Weltkrieg aufnahm. Meyerolbersleben zu den Fotos und Schriftstücken: „Sie dokumentieren in recht untendenziöser Weise die raue Kriegswirklichkeit, auch wenn - wohl aus pietätvoller Zurückhaltung - Leichen und verstümmelte Kameraden nicht abgelichtet wurden.“ Die Exponate ließen den Betrachter aber auch so an einem kurzen, sehr intensiven und letzten Lebensabschnitt eines Soldaten teilhaben, der neben dem harten und gefahrvollen Dienst an vorderster Front zwischendurch angenehmere Tage oder auch nur Stunden habe erleben dürfen.

Einführende Worte zur Ausstellung sprach die Wildunger Autorin und Kulturanthropologin Dorothee Meigen-Matthes, die auf die Biografie des Fotografen einging und auf das Grauen des Weltkrieges. „Die Schüsse von Sarajewo auf das Thronfolgerpaar Franz Ferdinand und Sophie von Österreich-Ungarn am 28. Juni 1914 hatten fatale Folgen für Europa und schließlich weite Teile der Welt.“ Es sei zu einem verheerenden Krieg, einer großen Katastrophe, einem Krieg ohne Ende gekommen; „einem weiteren 30-jährigen Krieg - davon sprechen viele Historiker heute“, einem Krieg, der eine Epoche der Gewalt ausgelöst habe, die bis 1945 andauerte. „Der Erste Weltkrieg hat ein ganzes Jahrhundert bestimmt, 65 Millionen Soldaten werden im Sommer 1914 mobilisiert, in Europa, Asien, Afrika und auf den Weltmeeren, 20 Millionen werden ihr Leben verlieren.“

Zu ihnen gehört der Fotograf Hans Kundmüller, dessen Fotos in der Lukaskirche bis Samstag, 25. Oktober, zu sehen sind. Dorothee Meigen-Matthes: „Und heute, 100 Jahre später, stehen wir fassungslos vor diesen Fakten und fragen und: Wie konnte es dazu kommen? Wie konnten Menschen da mitmachen? Wie konnten Menschen so voller Begeisterung und Überzeugung in den Krieg ziehen? - Und dann ein Vierteljahrhundert später sogar noch ein zweites Mal. Oder schickten sie dann ihre Söhne? Obwohl sie doch wussten was das bedeutet: Krieg!“

Von Werner Senzel

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