Heimische Direktvermarkter beweisen Stärke und Fantasie

In der Region liegt viel Kraft

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Gelassenheit ist erste Pflicht in der Herde.

Bad Wildungen - Die sechste Ausgabe bewies: Die Wildunger Direktvermarktermesse am Tag der Einheit hat sich etabliert und wird zum Selbstläufer.

Denn obwohl sich der Oktober von seiner grauen statt goldenen Seite zeigte, strömten Tausende von Besucherinnen und Besuchern aller Generationen in den Kurpark zur und in die Wandelhalle, um zu schlemmen, zu plaudern, Bekannte und Freunde per Zufall oder verabredet zu treffen und an den zahlreichen Ständen entlang zu bummeln.

Quasi im Vorbeigehen gab es eine Menge interessanter Informationen und Geschichten einzusammeln. Die vielen Selbstständigen aus Landwirtschaft, Kleinbetrieben der Lebensmittelproduktion oder dem Handwerk und Kunsthandwerk überraschen immer wieder mit ihren originellen und pfiffigen, funktionierenden Geschäftsideen.

Gleich am hinteren Eingang warteten alte Schafrassen auf die Besucher, ließen sich durch die vielen Neugierigen nicht aus der Ruhe bringen und vermittelten, vom Arche-Kellerwald-Rosenhof ausgesandt, einen Eindruck davon, wie vielfältig die Haustierwelt früherer Tage aussah und wie wichtig es ist, diese alten Rassen zu bewahren. Das Krainer Steinschaf etwa stammt vom Torfschaf ab und gehört damit zu den ältesten Rassen Europas, die schon zu Ötzis Zeiten Rohstoff für Kleidung lieferten. Das Waldschaf ist ein Nachkomme des ausgestorbenen mittelalterlichen Zaupeschafes, die ihre Halter einst sowohl mit Wolle als auch mit Milch und Fleisch versorgten. In der Wandelhalle war an Ständen zu sehen, was sich bis heute aus Wolle alles herstellen lässt und dass es nicht immer Schafe aus Neuseeland sein müssen. Davon vermittelten etwa Hartmut und Sabine Schneider mit den Produkten aus ihrer 130 Jahre alten Gerberei in Battenberg einen Eindruck.

Rapskuchen? Der schmeckt als Eiweißträger eher dem Vieh als dem Menschen, obwohl - als Zutat für Kekse dient er durchaus, kombiniert mit Rapshonig. So etwas erfuhr das Publikum am Stand der Ölmühle Haubern. Lange haben die Bauern Varianten der Pflanze gezüchtet, bis die Bitterstoffe, die den Genuss des einst erschwerten, verschwunden waren. Seitdem schwören immer mehr Fans auf das gesunde, leckere Öl. Ein Viertel bis ein Drittel des Rapssamengewichts wird in einer Mühle zu Flüssigkeit gepresst. Der Rest ist Rapskuchen.

Der würde vielleicht sogar auch dem Bären als Allesfresser schmecken. Die Bienchen-Bären von Sabine Fliegner leben allerdings sehr asketisch und fressen gar nicht. Nicht ungewöhnlich für Stofftiere. Die Waldeckerin stellt sie seit elf Jahren in Handarbeit her. „12 bis 14 Stunden brauche ich für einen Bären etwa“, sagt sie und es ist ihr und den Tierchen anzusehen, wie viel Spaß ihr dieses Kunsthandwerk bereitet.

Viktor Braun aus Wabern hatte dagegen eine ganz andere Idee, die allerdings heimischen Hobbyköchen seit rund zwei Jahren viel Spaß bereitet. Er züchtet in einem ausgedienten Schweinestall Baumpilze. Taufrisch kommen sie in den Verkauf: Kräuterseitlinge oder eine Zuchtform der „Krausen Glucke“, „Pom Pom blanc“ genannt, oder Goldkäppchen oder Zitronensaitlinge oder, oder...

Wie gesagt, Überraschungen hält die Direktvermarktermesse stetsr bereit - sicher auch bei der siebten Ausgabe 2013.

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