Immobilienvertriebsgesellschaft stößt mit Entwürfen auf Skepsis bei Politikern

Rewe-Konzern will an die Brunnenallee

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Stacheliges Thema im Planungsausschuss: Über viele Jahre forderten Wildunger Politiker, neuen Einzelhandel in der Kernstadt anzusiedeln. Trigema wurde deshalb der Umzug an die Itzel oder nach Altwildungen verweigert. Nun will Rewe dorthin, wo das Kino ein

Bad Wildungen - Investoren möchten einen Supermarkt mit Vollsortiment bauen. Nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten in der Kernstadt - und fast so etwas wie ein Sturm der Entrüstung schlägt ihnen von Politikern entgegen.

So geschehen am Dienstagabend im Planungsausschuss im Rathaus. „Ich bin maßlos enttäuscht von diesem Entwurf!“, versicherte Marc Vaupel (CDU). „Sie investieren eine Summe, wollen sie in fünf Jahren refinanziert haben und dann ist das Thema erledigt. Darauf wollen wir nicht hereinfallen“, meinte Dr. Hans Schultheis (FWG).

„Gebrandmarkt durch Fürstengalerie“

„Wir sind in Bad Wildungen gebrandmarkt durch die Fürstengalerie. Uns war ein Portal, eine fantastische Fassade versprochen worden. Eine Hütte haben wir bekommen“, schimpfte Jürgen Graul (FDP). Hauk Weller und Steffen König von der Immobilien-Marketinggesellschaft IMAXX, einem Unternehmen der Volksbank Mittelhessen, hörten sich diese Kommentare nach außen hin gelassen und freundlich an. Kurz zuvor hatten sie die Idee vorgestellt, auf dem Areal hinter dem ehemaligen Kino an der Brunnenallee einen Rewe-Markt zu bauen (siehe „Hintergrund“).

Grundstückseigentümer wollen verkaufen

Zustande kam ihre Initiative, weil ein Grundstückseigentümer verkaufen möchte und sich an den Einzelhandelskonzern wandte. Die Besitzer zweier benachbarter Flächen zeigen ebenfalls Interesse zu veräußern. Damit wäre aus Sicht der IMAXX eine akzeptable Größe erreicht, die sich rechnet.

Den Standort halte man wegen der Publikumsfrequenz auf der Allee für geeignet. Im Umkehrschluss könne die Anziehungskraft des Rewe dazu führen, leer stehende Geschäftsflächen in der Nähe wiederzubeleben, meinte Weller.

Trotzdem lehnt Graul das Projekt an dieser Stelle ab, „weil es sich um eine Ruhezone im Sondergebiet Kur handelt“. In der Nachbarschaft von Krankenhaus und Villa Huneck gebe er Plänen der Lebenshilfe den Vorzug, die erweitern und betreutes Wohnen auf einem der Grundstücke einrichten wolle. Eine „Gemeinschaft in Harmonie“ könne dort entstehen, eventuell bereichert um einen Bürgerpark.

Die Sorge von Vaupel und Schultheis richtete sich dagegen eher auf die Gefahr neuer Architektursünden. Ein Lebensmittelmarkt brächte ihrer Meinung nach die Stadtentwicklung in dieser Hinsicht und an dieser Stelle nicht voran.

Ist ein Parkdeck denkbar?

Der CDU-Abgeordnete wollte überdies wissen, ob ein Parkdeck oder eine Parkgarage in das Projekt integriert werden könnte. Doch so etwas rechnet sich allein für einen Supermarkt nicht und werde nur noch in Großstädten gebaut, stellte Weller klar. Wolfgang Nawrotzki (SPD) wollte wissen, ob der Vorstoß der IMAXX Ausdruck eines generellen Umdenkens bei den Einzelhandelskonzernen sei nach dem Motto: Zurück in die Innenstädte?

„Natürlich möchte ein Händler dorthin, wo die Leute sind“, meinte Weller, aber die großen Umsätze seien mit Radlern und Fußgängern nicht zu erzielen: „Wer macht zu Fuß seinen Großeinkauf mit zwei Kisten Wasser, Milch und Butter?“ „Andere Städte entwickeln sich...“

Oliver Syring (CDU) warb für mehr Offenheit gegenüber den Investoren: „Andere Städte entwickeln sich und bei uns passiert relativ wenig.“

Rewe sei in der Kernstadt willkommen, unterstrich Jürgen Graul, „aber woanders“. Er brachte die Fläche in zweiter Reihe ins Gespräch, die begrenzt wird durch Allee, Richard-Kirchner-Straße, Eselspfad und Wilhelm-SchultheisStraße. Der Schönheitsfehler: Niemand weiß, ob die betreffenden Grundstückseigentümer überhaupt verkaufen würden. Die IMAXX-Vertreter erklärten sich bereit, diese und vielleicht noch weitere Alternativen in der Innenstadt unter die Lupe zu nehmen, gemeinsam mit der Stadt. „Voraussetzung ist aber, dass Rewe bereit wäre, einen anderen Standort als den an der Krügerstraße/Ecke Brunnenallee zu akzeptieren“, schränkte Hauk Weller ein. Im November soll das Thema erneut dem Planungsausschuss vorgelegt werden.

Hintergrund

Ein gewohnt rechteckiges Gebäude, eingeschossig mit Pultdach, präsentierte die IMAXX als ersten Entwurf dem Ausschuss. Bei einer Nutzfläche von 2500 Quadratmetern entfielen auf den Verkauf etwa 2200 inklusive eines 400 bis 450 Quadratmeter großen Getränkemarktes.

Weitere, kleinere, integrierte Läden sind nicht vorgesehen. 60 Parkplätze passen bislang auf die ins Auge gefasste Fläche; eigentlich bedürfe es aber 100 bis 120, schilderte Hauk Weller. Der Autor des Wildunger Einzelhandelsgutachtens, Michael Karutz, hält die Ansiedlung an dieser Stelle generell für vertretbar, rät aber dazu, die Verkaufsfläche zu begrenzen – ohne allerdings eine konkrete Zahl zu benennen. Eine WLZ-FZ-Anfrage an ihn dazu läuft.

Auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Stefan Riedel (Grüne) antwortete Hauk Weller, die Untergrenze für ein rentables Objekt liege bei 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche einschließlich Getränkemarkt. Der Rewe werde innen modern gestaltet, großzügig, mit Regalen nicht deutlich über Kopfhöhe und in lockerer Anordnung, ergänzte Weller. Der Entwurf sei in der Architektur flexibel, sicherte er zu. Möglich sei zum Beispiel, das alte Kino als Fassade zur Brunnenallee hin zu erhalten. Welche Folgen das Eingreifen von Rewe ins Wildunger Handelsgeschehen haben könnte, deutete Weller in der Beschreibung des Sortiments an: „Die Kunden bekommen alles. Rewe hat beispielsweise ein weit größeres Bio-Angebot als tegut, obwohl diese Kette stark auf diese Sparte setzt.“(su)

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