BKW saniert Wasserkammern in den Hochbehältern von Hundsdorf und Königshagen

Rüsten für die nächsten 100 Jahre

Bad Wildungen-Hundsdorf - In Hundsdorf und am Netzer Berg in Königshagen werden die Trinkwasserhochbehälter aufwendig saniert. Die Beschichtung der Wasserkammern wird abgestemmt, Wände und Böden werden mit Spritzmörtel neu verkleidet.

Seit Juni arbeitet ein Kasseler Spezialunternehmen in Königshagen. Die erste Wasserkammer ist bereits fertig und wieder in Betrieb. Derzeit wird die Beschichtung von Wänden und Fußboden im zweiten Behälter abgestemmt. Sie besteht aus Chlorkautschuk, auf dem Fußboden waren zusätzlich Fliesen verlegt. Zum Abschluss wird alles sandgestrahlt für die Schicht aus hochwertigem Spritzmörtel. „Die Bewehrung war noch gut, deswegen reicht eine dünne Abdeckung“, erläutert Jens Kondziella von der Baufirma. Zwei Lagen – Gesamtstärke zwei Zentimeter – sind vorgesehen.

„Trinkwasserkammern unterliegen Belastungen, die im Laufe der Betriebszeit zu unterschiedlichsten Instandsetzungsmaßnahmen führen können“, sagt Stephan Tent, Geschäftsführer der Sparte Wasser in der Bad Wildunger Kraftwagen-, Verkehrs- und Wassergesellschaft (BKW). „Selbst reine Betonoberflächen halten diesen Belastungen nicht unendlich stand.“ Blasen bilden sich in der Beschichtung, defekte Fugen lassen Wasser durch, Korrosion an der Bewehrung – das kann die Qualität des Trinkwassers beeinträchtigen. Vor der Sanierung wurde bei einer Bestandsanalyse mit Kernbohrungen der Zustand festgestellt, so Tent. Ziel der Bauarbeiten sind laut Wassermeister Joachim Liese eine hohe Betriebs- und Versorgungssicherheit und eine lange Nutzungsdauer. „Und die Oberfläche sollte hygienisch einwandfrei und leicht zu reinigen sein.“ Das will das Instandsetzungsunternehmen nach bewährtem Prinzip umsetzen. „Wir sanieren so, wie es früher unsere Groß- oder Urgroßväter gemacht haben – nur mit hochwertigeren Materialien“, merkt Kondziella an. Mit 220 000 Euro ist der Auftrag am Netzer Berg veranschlagt. Die Anlage in der Gemarkung Elben mit zwei 500- Kubikmeter-Wasserkammern wurde 1974/74 gebaut und noch nie saniert. Etwa 60 Kubikmeter Wasser täglich werden nach Anraff und Königshagen abgegeben. Für diese Orte gelten besondere Konditionen, weiß Tent, weil Bad Wildungen die Leitungen durch Edertaler Gebiet verlegte. Das Wasser für Königshagen liefere die BKW sogar kostenlos an die Gemeinde Edertal. Abgabestellen sind die Hochbehälter der Dörfer. Versorgt werden auch Einwohner aus Bad Wildungen und den Stadtteilen Altwildungen, Reitzenhagen, Odershausen, Wega und Mandern – aber nicht alle Orte zu 100 Prozent. 2500 Kubikmeter Wasser am Tag darf die BKW aus der 160 Meter tief gelegenen Naumburger Quelle fördern. Das Wasser ist weich, aber aggressiv und greift die Wände des Hochbehälters und Rohrleitungen aus Guss an, löst dort den Kalk aus der Oberfläche. In einer Aufbereitungsanlage – die größte im gesamten Wildunger Versorgungsgebiet – wird es zu 80 Prozent für den menschlichen Verzehr behandelt. Erst in Verbindung mit dem Kalkmaterial Juraperle ist es dann fertig zum Einspeisen ins Trinkwassernetz. Deutlich kleiner ist die Wasserversorgungsanlage in Hundsdorf mit zwei 100-Kubikmeter-Kammern. Die Anlage von 1967 versorgt nur die Hundsdorfer. Tagesbedarf: etwa 30 Kubikmeter. In der ersten Kammer ist bereits Mörtel auftragen. Dann werden die Wände desinfiziert, und der Rohrleitungsbauer ist am Zuge. Im Anschluss wird auch die zweite Kammer überholt. Gesamtkosten: 140 000 Euro. Überraschend war der starke Aufbau des Fußbodens mit einer 14 Zentimeter dicken Schicht. Kondziella: „Mittendrin war ein Kautschukbelag. Im Hundsdorfer Rohrkeller wird eine Ultrafiltrationsanlage eingebaut, die trübes Wasser reinigt. Das ist notwendig, weil der Behälter von oberflächennahen Quellen gespeist wird. Die neue Technik wird aber erst beim Tag der offenen Tür zum 100-jährigen Jubiläum der BKW am 13. September gezeigt.Am Jahresende sollen beide Anlagen fertig und für die nächsten 50 bis 100 Jahre gerüstet sein, ist Tent zuversichtlich.

Hintergrund: 16 Trinkwasserhochbehälter

Die BKW betreibt in den Hauptversorgungsgebieten Kernstadt und Stadtteile 16 Trinkwasserhochbehälter. Dabei handelt es sich um Bauwerke aus den Jahren 1900 bis 1991. Zur Zwischenspeicherung der täglichen Trinkwassermenge, aber auch zur Vorhaltung von Löschwasser stehen insgesamt 5930 Kubikmeter Speicherinhalt zur Verfügung, davon allein 4100 für die Kernstadt Bad Wildungen. Um hygienisch einwandfreies Wasser zu liefern, wurden alle Sparten der Hochbehälter Zug um Zug dem heutigen Stand der Technik angepasst. Dazu gehören Wasserkammern zur Speicherung des Trinkwassers, Schieberkammer, Rohrleitungen, Armaturen, Klimageräte, Messtechnik, UV-Entkeimungsanlage, Elektrotechnik, Fernwirk- und Überwachungsanlage, Objektschutz und Wasseraufbereitung. Mit Ausnahme der Wasserkammern „befinden sich alle 16 Hochbehälter in einem guten bis sehr guten Zustand“, betont Stephan Tent, Geschäftsführer der BKW-Wassersparte. In den vergangenen fünf Jahren wurden die Wasserkammern in 13 der 16 Hochbehälter saniert. In diesem Jahr werden die Anlagen in Königshagen und Hundsdorf fertig. Wenn 2015 noch die beiden Reinhardshäuser Hochbehälter überholt sind, wurden rund 2 Millionen Euro in sauberes Trinkwasser investiert.

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