Der Wildunger Fahrgeschäft-Unternehmer Konrad Ruppert zur Umfrage, den Viehmarkt betreffend

Schausteller zu 100 Prozent für Sonntag

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Ende März beginnt die Saison. Im Moment hält das „Take off“ der Wildunger Schaustellerfamilie Ruppert noch Winterschlaf in der Halle im Industriegebiet. „In diesem Jahr sind wir auf dem Viehmarkt wieder vertreten“, sagt Konrad Ruppert. Das Geschäft der Schaustellerbranche ist schwieriger geworden. „Früher kalkulierte man, dass ein neues Fahrgeschäft nach zehn Jahren die Anschaffungskosten eingespielt hat. Das dauert heute wesentlich länger“, erklärt Ruppert. Ein „Take off“ beispielsweise kostete

Bad Wildungen - Mit ihrer Viehmarktumfrage unter den Bürgern rennt die Stadtverwaltung bei den Schaustellern offene Türen ein. Das sagt Konrad Ruppert, Wildunger Fahrgeschäft-Unternehmer und Vorsitzender des Schaustellerverbandes Kassel.

„Bei uns Schaustellern dürften es 100 Prozent sein, die für eine Verlegung um einen Tag nach hinten sind“, schätzt er. In diesen Tagen verschickt die Stadt Fragebögen an alle Wildunger Haushalte, ob sie sich mit einem Viehmarkt von Donnerstag bis Sonntag statt Mittwoch bis Samstag anfreunden können. Diese Grundsatzfrage verbirgt sich hinter einer ganzen Reihe von Erkundigungen, die im Rahmen dieser Befragung zum Volksfest eingezogen werden.

Schausteller und Händler waren zuvor angeschrieben worden und hatten sich mit deutlicher Mehrheit für die Änderung zum Jahr 2015 ausgesprochen.

Weshalb seine Kollegen und er dahinter stehen, erläutert Konrad Ruppert: „Sonntags haben die meisten Familien Zeit und das bedeutet für die Fahrgeschäfte höhere Umsätze.“ Ruppert verweist auf die guten Erfahrungen der Vergangenheit, denn von 2002 bis 2006 fand „s‘ Veehmoart“ an den letzten vier Tagen einer Woche statt. Ein Kollege, der ein Kinderkarussell betreibe, schwärme bis heute von dem letzten Sonntag dieser kurzen Ära; „es war für ihn der umsatzstärkste aller Zeiten in Bad Wildungen“, berichtet Ruppert.

Er ist sicher: Wenn der „Heilige Abend“ ab 2015 auf den Donnerstag statt den Mittwoch fiele, „weiß das zehn Jahre später gar keiner mehr. Oder wer erinnert sich daran, dass vor 1998 der Viehmarkt von mittwochs bis freitags dauerte?“

Eine zusätzliche Ausdehnung von Mittwoch auf Sonntag hält Ruppert, wie Marktmeister Martin Segeler, für nicht machbar, weil sich der Aufwand nicht rechnen würde. „Der Viehmarkt hat bereits ein tolles Programm mit Heiligem Abend, Tierschau, Disco für die Jugend, Familientag und Feuerwerk.“

Ein weiteres Argument für die Festperiode Donnerstag - Sonntag: Die Volksfeste vor dem Viehmarkt enden häufig montags oder dienstags, was manchen Schausteller davon abhalte, die Kurstadt in den Kalender aufzunehmen: wenig Zeit für Auf- und Abbau. Der Sonntag falle in dieser Hinsicht nicht ins Gewicht, „weil in den meisten Ländern ein Fahrverbot gilt.“

Umsätze bleiben, Kosten steigen

Ein umsatzstärkerer Abschlusstag käme der Branche entgegen, weil sie seit der Euro-Umstellung Einbußen hinnehmen muss. „Wir halten zwar die Umsätze, aber die Kosten sind um das Drei- bis Vierfache gestiegen“, erläutert Ruppert.

Die technische Abnahme habe früher 30 bis 40 Mark gekostet. Heute sei sie nicht für unter 100 Euro zu haben.

Die Kommunen mussten „interne Leistungsverrechnung“ einführen, sprich: Die Bauhöfe schreiben den Stadtverwaltungen seit einigen Jahren eine Rechnung, wenn ihre Leute Schilder auf- und abbauen oder die Straßen nach einem Fest reinigen. Die Kosten werden weitergereicht an die Schausteller.

Mehr noch: Die Fahrgeschäfte in Deutschland blicken mit Sorge einer neuen Stahlnorm der EU entgegen. „Im Moment sieht es so aus, dass wir deutschen Schausteller wegen der Norm die Geräte nachrüsten müssen, während in fast allen anderen europäischen Ländern Bestandsschutz für existierende Geschäfte besteht“, erläutert Ruppert. So könnte es passieren, dass etwa niederländische Schausteller bald mit einem Preisvorteil auf die Feste ins benachbarte Deutschland ziehen.

Entwicklungen in der Gesellschaft tun ihr Übriges, dass die Kassen von Berg-und-Tal-Bahn, Kettenkarussell, Autoscooter & Co nicht mehr so häufig klingeln wie früher. „Jugendliche haben heute Handys, leasen sich Autos...“, sagt Konrad Ruppert. Umso wichtiger werden Familien mit kleineren Kindern als Kunden und umso wertvoller ist deshalb ein Viehmarktssonntag für die Schausteller.

Grundsätzlich blickt Ruppert trotz aller Veränderungen positiv in die Zukunft des Wildunger Viehmarktes, erst recht, wenn die Umstellung kommt: „Das Programm stimmt hier eben.“

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