Frischquak

Schmusekampf

- Darf ich so einen Kater eigentlich reklamieren?

Ein Kampfschmuser sei er, haben sie mir im Tierheim gesagt, und zuvor habe er auf einem Campingplatz gelebt, haben sie mir gesagt. Nur haben sie mir nicht gesagt, dass Kampfschmusen bedeutet, meinen Platz auf dem Schmusesofa neben meinem Hausengel an ihn zu verlieren. Und nichts davon, dass ein Campingplatz-Kater keinesfalls das selbstständige Leben in freier Natur zu schätzen weiß! Kaum setzen wir uns abends vor den Fernseher, springt er hast-du-nicht-geseh´n zwischen uns, er-aalt sich drängelnd seinen Freiraum und „Guck´ mal. Süß, wie er das geniiiieeßt“ holt er sich von meinem Hausengel die mehrstündige Massage- und Streicheleinheit ab. Ja, ganz doll süß, echt. Genießen könnte ich auch, wenn ich dazu käme („...musst dir nur so ein schönes weiches Fell anschaffen“, pflegt der Hausengel meinem Protest entgegen zu halten). Der Versuch, ihn mit dem Federboa-Spielzeug von der Schäselong zu locken, schlägt fehl. Er fängt´s zwar gern mit den Vordertatzen – aber nur wenn es sich in Reichweite befindet. Aufstehen oder gar der Beute nachsetzen, wie es dem Jagdtrieb seiner Art geziemt? Fehlanzeige. Wie ein geölter Blitz springt er nur auf, wenn mein Haus‑engel in die Küche geht. „Mauuu“; kaum ertönt der Bettelruf, kredenzt sie ihm das nächste Leckerli. Die Abstände zwischen Mahlzeiten und Imbissen hat er auf 30 Minuten heruntergehandelt. Wie wär´s mit ´ner Maus, he? Nicht eine hat er in sechs Monaten zur Strecke gebracht. Wie auch. Habe ich ihn mal nach draußen bugsiert, kannst du nicht so schnell gucken, wie er durch irgendein offenes Fenster, eine angelehnte Tür ins Haus zurück schlüpft, mag das Wetter noch so prächtig sein. Schwupp, liegt er wieder auf dem Sofa. Piet wäre reif für die Ehrenmitgliedschaft in jedem Vogelschutzbund. Sitzt eine Schar Spatzen im Strauch, trottet er darauf zu, legt seine Vordertatzen ans Untere des Stämmchens, schaut nach oben und meint „Miauuuu“. Die Sperlinge schütteln sich vor Lachen die Federn vom Leib. Nur manchmal, für dolle 30 Sekunden, erwacht in ihm der Jagdinstinkt. Dann stürzt er wild entschlossen zu auf – ein Stiefmütterchen, dessen Blüte sich aggressiv im Wind wiegt. Da kennt er kein Pardon und lässt dem Gegner nicht die Spur einer Chance.Campingplatz-Kater? Mehr als Couch-Surfen hat der dabei nicht gelernt. Liegt zwischen dem großen und dem kleinen Hausengel zur Stereo-Streichel-Orgie, und mir platzt der Kragen: „Schaut euch an, wie fett das faule Viech geworden ist. Tonne wäre geschmeichelt!!!“ Die Augen der beiden Engel mustern mich von oben bis unten, ihr Blick bleibt an meiner Körpermitte hängen...ja, ja, Steine und Glashäuser, schon klar. Der Kater fixiert mich ungerührt aus halb zugekniffenen Augen. Schnurrend. Ich gebe auf und trolle mich nach draußen. Vielleicht erwische ich eine Maus...

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