Wildunger Bürgermeister zur Heloponte-Frage

"Schwachsinn - keiner will eine Zigarrenkiste"

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Bad Wildungen - „Zeitdruck wäre tödlich.“ Ruhe zu bewahren ist erste Bürgermeisterpflicht beim Thema Heloponte, meint Volker Zimmermann trotz der aktuell Fahrt aufnehmenden Diskussion, die von Fragezeichen nur so wimmelt. Von denen wischt der Rathauschef einige allerdings kategorisch beiseite.

„Es ist völliger Schwachsinn, dass ich eine Zigarrenkiste anstrebe“, kommentiert er jüngste Äußerungen von verschiedenen Seiten. Außer Frage stehe für ihn, dass Bad Wildungen im Bereich Bad weiterhin Qualität brauche, „auch in architektonischer Hinsicht.“ Ebenso außer Frage stehe zweitens aber, dass ein „Heloponte II“ mit einem geringeren Defizit auskommen muss als die zwei Millionen Euro, die sich die Stadt heute ihre Freizeitanlage alljährlich kosten lässt. Zum Dritten steht für den Bürgermeister außer Frage, dass eine Sanierung des Heloponte im Bestand keinesfalls in Frage kommt: „Das ist mit mir nicht zu machen.“ Mit Schrecken verweist er auf die Havarien in Korbach oder Bad Mergentheim, wo wegen Insolvenz des vorgesehenen künftigen Betreibers der millionenschwere Um- und Ausbau des Bades schwer stockt. Jenseits der von ihm eingeschlagenen drei Pflöcke bleiben allerdings alle Fragen vorerst offen. Das beginnt mit der vom Parlament beschlossenen Bürgerbefragung zum Heloponte: „Die Kommunalaufsicht hat uns untersagt, die Befragung zusammen mit Bundestags- und Landtagswahlen am 22. September durchzuführen. Das lässt das Wahlrecht nicht zu“, erklärt er. In den nächsten Tagen befinde der Ältestenrat (bestehend aus den Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung) über das weitere Vorgehen. „Fallen gelassen wird die Bürgerbefragung natürlich nicht.“ Die Zukunft des Heloponte müsse gründlich vorbereitet und ausgearbeitet werden, verlangt der Bürgermeister von allen Beteiligten. Zwei grundlegende Varianten hält er selbst für möglich und empfehlenswert: 1. den Neubau eines Kommunalbades für Sportler, Jugend, Familie und Senioren („Stichwort Solebad); als Ganzjahresbad ohne Freibad („Das große Freibad der Region steht in Fritzlar. Unser Bad könnte durch Öffnen der Seitenwände zur Liegewiese im Sommer Freibadatmosphäre bieten“); ohne Sauna („Der Schwerpunkt Gesundheitstourismus würde durch das Unternehmen Göbel in der Reinhardshäuser Quellentherme abgedeckt.“); ohne Eisbahn („Eine Fläche, die im Winter als Natureisbahn dient, könnte aber integriert werden.“) Käme diese Variante zum Tragen, bliebe auf dem Gelände der Freizeitanlage eine Menge Platz übrig: Raum für den Bau von Wohnungen, wie von der CDU vorgeschlagen, oder für das Errichten einer Jugendherberge als Anreiz für Familienurlauber, wie es aus den Kreisen der Bürger angeregt wurde. 2. Alternative zu seinem solchen Kommunalbad wäre die Kooperation mit einem privaten Investor, Bauherrn und Betreiber. Die Stadt Bad Wildungen habe aktuell Kontakt zur Gruppe Kannewischer geknüpft, die in der Schweiz mehrere Bäder gebaut habe und betreibe, fügt der Bürgermeister hinzu. In dem Fall wäre ein größeres Bad mit integrierten Angeboten für den Gesundheitstourismus denkbar. „Wir müssen klären, inwieweit sich das mit einem Sportbad kombinieren ließe“, sagt Zimmermann. Dass auch ein solches Modell Risiken für die Kommunen berge, beweise der Fall Winterberg. Kaum offen, musste die privat finanzierte, neue Badelandschaft Insolvenz anmelden und nun sitzt die Stadt doch wieder mit im Boot.Unabhängig von alldem schließt Volker Zimmermann nicht aus, dass ein „Heloponte II“ den Standort wechselt und nicht in der Stresemannstraße bleibt. Viele, viele spannende Fragen also für die geplante Bürgerbefragung, deren Ausgestaltung und Zeitpunkt als Nächstes auf der Agenda stehen.

Von Matthias Schuldt

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