Einweihung im Dauerregen: Kunstweg ein besonderes Jubiläumsgeschenk

Schweben am See, vorbei am Windturm

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Land-Art-Künstler Gerhard Hesse und Mitarbeiter Lucean Schebester installieren Hesses freischwebenden Steg am Edersee.Foto: Minke

Edertal-Bringhausen - Gleich am Beginn des Warzenbeißer-Kunstwegs am früheren „Eisernen Tor“ bei Bringhausen prangt effektvoll auf einer Blumenwiese das bunte Eröffnungskunstwerk des einheimischen Landart-Künstlers Gerhard Hesse, Wellen.

ie neun Meter lange und fünf Meter hohe Konstruktion, ein Mix aus Windspiel und Solarschirm, hat als Thema Sonne/Schöpfung.

Nicht weit entfernt, an der Immenbuche, ist ein „Windturm“ der Einstieg in die Route am Bloßenberg, markiert durch das Symbol der Pfingstnelke. Dieser blütenweiße Turm mit Bahnen aus Baumwolle, errichtet von Reta Reinl, Lichtenfels-Sachsenberg, flattert im Wind.Links geht es rund um den Daudenberg, zwei weitere Wege führen hinab ins lauschige Banfetal, der neue Kunstweg biegt rechts ab und verläuft zunächst über einen schmalen Pfad durch urige Natur-szenerie am Bloßenberg (Heimat der Pfingstnelke). In einer Eichen-Partie steht das 1,60 Meter hohe „Lichthaus“ (Kordula Klose/Calden-Fürstenwald).

Naturbusen aus dem Burgenland

Dann verlässt die Route an einem großen Feld- und Wiesenareal kurz den Nationalpark. Hier taucht ein wiesengrüner Hügel auf im Stil eines kleinen frühzeitlichen Hügelgrabs. Reinhard Mikel aus dem Burgenland/Österreich hat sein Werk „Naturbusen“ getauft.

Der Wanderer dringt erneut in den Nationalpark ein und erreicht über ein abschüssiges, wildromantisches Bachtal den Ederauenradweg am Edersee. Nun ist (links) das Banfetal mit verträumter Seebucht, Teich, Brücke und steinernem Forsthaus das Ziel.

Ein weiteres Kunstwerk von Gerhard Hesse reckt sich durch den dichten Bewuchs an der Uferböschung zum nahen See: ein kleiner, freischwebender Steg aus Stahl und Glas: „Die Gedanken sind frei“. „Dieser Steg verspricht einmalige sinnliche Erlebnisse“, zeigt sich Parkleiter Manfred Bauer beeindruckt.

Nahe dem Forsthaus hat der Wiener Klaus Ludwig Kerstinger ein für das Umfeld fast provozierendes Werk an den Wegesrand gesetzt, eine sieben Meter lange Komposition. „Urbanes Leben/Stadtszenen“ könnte auch in einer Ausstellung moderner Kunst dabei sein.

Einige Meter weiter, an einer Rasthütte, nimmt die Bloßenbergroute über einen fast eingewachsenen Weg die Rückkehr in Angriff. Eingangspforte ist der „Gebärtunnel“ des Burgenländers Walter Leo Handler, ein Natur-Bauwerk aus Buchenholzgeflecht und Hainbuchensetzlingen. Vorbei am „Verspannten Kopf“ (Gregor Pokorny, Burgenland) muss ein kurzer, aber steiler Anstieg bewältigt werden, bis der Windturm das Ende des Rundkurses markiert.

Irdene Einblicke in den Waldboden

Zwei weitere Kunstwerke sind etwas außerhalb des Warzenbeißers plaziert: zunächst auf dem Hauptweg ins Tal gegenüber einem felsigen Hang die „Wandersteine“ von Franz Mathias Kronibus, Kassel, zum Thema Widerstreit Mensch und Natur. Schließlich Kunstwerk Nummer zehn von Yusuke Sasaki (Berlin/Tokio) am herrlichen Aussichtspunkt „Christian‘s Eck“ unter dem Titel „Kommen und Gehen“. Zunächst schweift das Auge etwas ratlos in die Runde: Wo ist das angekündigte Kunstwerk denn? Irgendwann fällt der Blick auf den Waldboden, hier wird man fündig. Auf einer Fläche von drei Quadratmetern sind Glasziegel verteilt, die beim näheren Hinschauen „irdene Einblicke“ ermöglichen.Für die gesamte Strecke mit Pausen an den Kunstwerken sind zwei bis drei Stunden einzu-kalkulieren.

Von Jürgen Minke

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