Ein Westfale will in seiner neuen Wahl-Heimat das Interesse am Boule-Spiel wecken

„Schweinchen“ ist immer dabei

Bad Wildungen - Reinhard Mäder will im Ruhestand keine ruhige Kugel schieben. Der Westfale, der seit Frühjahr in der Badestadt lebt, will in seiner Wahlheimat eine Boule-Gruppe gründen. Der 68-Jährige ist begeistert von dem Freizeit-Kugel-Spiel aus Frankreich.

„Wer einmal diese Sportart ausprobiert, der wird feststellen, dass man sich schnell mit diesem ,Virus‘ infizieren kann“, schmunzelt Mäder. Er ist nach einer Knie-Operation im Jahr 2004 zufällig an die matten und glänzenden Kugeln geraten. Das Spiel ließ ihn nicht mehr los. Es blieb nicht beim Freizeit-Vergnügen mit „Schweinchen“ und Putztuch, Mäder spornte der sportliche Erfolg an. In der ersten Mannschaft seines Vereins aus Ibbenbühren spielte er in Landes- und Bundesliga. Putztuch und ein Maßband Ende April zog er mit seiner Ehefrau nach Bad Wildungen um, an den Wohnort einer Tochter. Die Neubürger haben sich gut eingewöhnt in der neuen Wahlheimat. Nur eins fehlt dem Westfalen noch zu seinem Glück: „Eine Boule-Gruppe, in der man sich zum Spielen trifft.“ Der Volkssport aus Frankreich sei im Waldecker Land leider kaum bekannt, bedauert Mäder. Dabei sei der Kugelsport für jede Altersgruppe geeignet und problemlos nach kurzer Einweisung zu erlernen. Mitbringen müssen angehende Boule-Spieler nur das Interesse, sich in der freien Natur etwas zu bewegen. Für die ersten Lernschritte stellt der Lizenzspieler die benötigten Spielgeräte bereit. Zur Ausstattung gehören drei gleiche Kugeln mit einem Durchmesser von 70,5 bis 80 Millimetern und einem Gewicht von 650 bis 800 Gramm, eine Zielkugel, genannt „Schweinchen“, ein Maßband und ein Putztuch zur gelegentlichen Reinigung. Ziel ist es, mit den eigenen Kugeln möglichst nah an eine Zielkugel zu gelangen. Das „Schweinchen“ und die gegnerischen Kugeln können dabei auch weggeschossen werden. In Frankreich wird die Zielkugel „cochonnet“ (Deutsch: Schweinchen) genannt. Spielkugeln bestehen aus Edel- oder Carbonstahl. Mäder will das Boule-Fieber in Wildungen entfachen, sucht Gleichgesinnte, die an festzulegenden Wochentagen trainieren wollen. „Geeignete Spielflächen gibt es zum Beispiel auf dem Ascheplatz, neben dem Stadion an der Odershäuser Straße“, hat der Wahl-Wildunger bereits erkundet. Der Lizenzspieler hat in Nordrhein-Westfalen bereits eine Boule-Gruppe aufgebaut und will den Volkssport der Franzosen auch in Wildungen bekannter machen. Boule ist keine Sportart der Neuzeit, sagt Mäder, sondern wird seit Jahrtausenden gespielt. Bereits 460 vor Christus sei eine Empfehlung griechischer Ärzte, unter anderem von Hippokrates, für das Spiel mit Steinkugeln nachweisbar. Die früher in der Provence vorherrschende Variante des Kugelspiels ging über Distanzen von 17 bis 21 Meter - noch heute als „Jeu Provençal“ bekannt - und ist ein athletischer Sport. Die Geburtsstunde des „Pétanque“ schlug vor über 100 Jahren. Der passionierte Boule-Spieler erzählt dazu folgende Anekdote: Im Juni 1910 konnte in La Ciotat, der östlich von Marseille gelegenen Hafenstadt, der bis dahin sehr erfolgreiche Jules le Noir keine Anlaufschritte mehr machen, weil er starkes Rheuma bekommen hatte. Sein Freund Ernest Pitiot konnte das Trauerspiel des wehmütig am Spielfeldrand sitzenden schwarzen Julius nicht mehr mit ansehen und erbarmte sich, eine Variante des Kugelspiels zu erfinden, die auf sechs bis zehn Meter geht und stehend oder hockend aus einem Kreis heraus gespielt wird. Provençalisch wurde es „Ped tanco“ getauft, was „geschlossene Füße“ bedeutet. Französich wurde daraus „Pétanque“. Ursprünglich ein Behindertensport Mäder: „Es ist die historisch jüngste Variante aller Kugelspiele und ursprünglich also ein Behindertensport.“ Diese Variante trat wegen ihrer leichten Praktizierbarkeit einen Siegeszug um die ganze Welt an und ist auch in Deutschland die übliche Spieltechnik.Kontakt und ausführliche Informationen bei Reinhard Mäder, Tel. 05621/7819239 (ab 13. Juli 05621/8009978) oder per Mail an boule.fan@freenet.de. Mehr über das Kugelspiel steht im Internet unter der Adresse www.boule.de.

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