„Lemmi“ hat angekündigt, die künsterische Leitung niederzulegen

Seele des Samba-Festivals ist frustriert

Der Vater des Samba-Festivals, Lemmi Lehmann, will die künsterische Leitung niederlegen.Foto: Archiv

Bad Wildungen - Jürgen Lehmann, kurz „Lemmi“, ist die Seele des Wildunger Samba-Festivals und sein wichtigster Vater. Doch 2015 will der künstlerische Leiter nicht mehr.

Das hat er in sozialen Netzwerken im Internet verkündet und bestätigt es auf Anfrage der WLZ-FZ.

Grund: Die Vorbereitungen für das Großereignis im Spätsommer des nächsten Jahres laufen im viel zu schleppend an. „Ich wollte im Mai beginnen“, berichtet er. Doch mehrmals sei der Start der Planungen seitens der Veranstalter von der Arbeitsgemeinschaft Wildunger Wirtschaftsförderung (AWWiN) verschoben worden mit Hinweis auf den Blumenkorso. „Die letzte Auskunft, die ich bekam, lautete, es soll eine Woche nach dem Blumenkorso losgehen.“ Bis dato sei nichts passiert, und damit ziehe er die Konsequenzen. Gewöhnlich habe er auf der Messe „Samba Syndrom“ in Berlin für das Wildunger Festival geworben, Gruppen angesprochen und mit ihnen erste Vereinbarungen getroffen. „Weil ich dieses Mal keine Planungssicherheit hatte, bin ich gar nicht zur Messe gereist“, betont Jürgen Lehmann.

Drei Gruppen hätten für das nächste Jahr abgesagt. Lemmi macht es nach eigener Aussage keinen Spaß mehr, gegen Wände anzurennen und immer wieder „Bitte, bitte“ zu sagen, obwohl er die künsterische Leitung ehrenamtlich versehen habe.

Er wisse, dass er nicht einfach zu nehmen sei, „aber ich bewege etwas.“ Um von Organisationsarbeit entlastet zu werden, habe er darauf gedrungen, jemanden fürs Telefonieren und ähnliche Tätigkeiten zu engagieren, demgegenüber er weisungsbefugt sei. Das habe man abgelehnt.

An vielen Dingen habe er sich in der Vergangenheit gerieben, etwa wenn es ums Thema Verpflegung für die Sambistas gegangen sei, die ohne Gage aufträten. Auch Publikumsmagneten unter den Gruppen bekämen höchstens Fahrtgeld.

Im Gegenteil: „Wir haben ausgerechnet, dass jeder Sambista während des Wochenendes etwa 50 Euro in der Stadt lässt.“ 450000 Euro Umsatz würden ohne Neben- und Nachhaltigkeitseffekte durch das Festival erzeugt. Völlig frustriert sei er über manche Reaktionen von Leuten, die mit dem Festival Geld verdienen: Pensionsbetreiber etwa, die 15 Prozent an Buchungsagenturen überweisen, sich aber aufregen, wenn sie für ihre Gäste keine Festival-Freikarten erhalten.

Zum Stadtmarketing sei das Verhältnis ungetrübt, fügt Lehmann hinzu: „Ute Kühlewind war die einzige, die sich jemals bedankt hat.“ Sie ist auch zuversichtlich, dass es in Gesprächen doch noch gelingt, Lemmi zurückzugewinnen, sagt sie auf WLZ-FZ-Anfrage. Seine persönlichen Kontakte zu den Sambistas tragen das Festival. Vorbereitungen seien im Gange. „Wir unterstützen das Festival, sind aber nicht die Veranstalter. Diese Rolle hat die AWWiN inne“, ergänzt die Chefin des Stadtmarketings. Gespräche mit Lehmann seien vereinbart. Bei der AWWiN war noch keine Stellungnahme zu erlangen, weil mehrere Verantwortliche im Urlaub sind.

Von Matthias Schuldt

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