Kein Transport in der laufenden Saison auf dem Fluss · ohne Regen ist der See trotzdem in 50 Tagen leer

Seit Dienstag weniger Wasser für die Weser

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In Niederwerbe ist der See längst nicht mehr als ein Bächlein.Foto: Conny Höhne

Edersee - Dienstag hat das Wasser- und Schifffahrtsamt den Notfallplan für trockene Jahre in Kraft gesetzt. Statt einen Weserpegel von 1,20 Meter in Hann.Münden anzusteuern, verfolgt das WSA bis auf Weiteres das Ziel von nur noch 1,15 Meter.

Das bestätigt Amtsleiterin Katrin Urbitsch auf Anfrage. Um wenigstens die 1,15 Meter halten zu können, werden auf absehbare Zeit etwa 20 Kubikmeter pro Sekunde aus dem Edersee abgelassen. Gestern waren es weniger: 17 Kubikmeter. Vor einigen Tagen verließen noch 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Talsperre flussabwärts.

Unwetter wie am Wochenende über Nordwaldeck lassen die Flusspegel zwar kurzzeitig anschwellen, doch dieser Effekt verflüchtigt sich nach einem Tag. Entlastung für die Bewirtschaftung bringen solche Ereignisse nicht.

„Wir haben in der aktuellen Saison keinen einzigen Transport auf der Weser gehabt“, fügt die WSA-Chefin hinzu. In diesem Zusammenhang erläutert sie nochmals, welch absurden Charakter die öffentliche Diskussion über Getreidetransporte auf dem Fluss trägt: „Für diese Transporte brauchen die Schiffe in Hann.Münden einen Pegel von 2,67 Meter!“ Es sei angesichts dieser Dimensionen schlicht unmöglich, sie im Sommerhalbjahr durchzuführen. Diese Schiffe verkehren nur im Winter oder zeitigen Frühjahr, wenn die Weser ohnehin entsprechend viel Wasser führt. Im Sommer transportierten Lastwagen das Getreide.

Sommerferien in Hessen beginnen erst in zehn Tagen

Auch ohne aufbauschende Aktionen gibt es genug Grund zur Sorge für die Tourismuswirtschaft am Edersee, speziell die Betriebe, die ihr Geld mit Wassersport verdienen. Bringen ergiebigere Regenfälle in den nächsten Wochen keine Entlastung, dann würde die Talsperre selbst bei der reduzierten Abgabe, die seit gestern gilt, binnen etwa 50 Tagen die Untergrenze von 40 Millionen Kubikmetern erreichen. Dabei beginnen die Sommerferien in Hessen erst in zehn Tagen.

Kommen tatsächlich so trockene Zeiten auf die Region zu, dürfte der Streit ums Wasser erneut aufflammen. Zu den Forderungen der Edersee-Anrainer in der Vergangenheit zählte, viel früher auf die Mindestabgabe von 6 Kubikmetern pro Sekunde Abfluss herunter zu gehen, wenn es an Niederschlägen fehlt. Das WSA würde damit aber gegen das gültige Bundesrecht verstoßen, demzufolge die Edertalsperre seit Kaisers Zeiten zuerst dazu dient, der Weser bei Bedarf Wasser zuzuleiten.

An der Diemeltalsperre gibt das WSA schon jetzt nicht mehr als das Minimum ab. Grund sind Bauarbeiten, für die eine Sicherheitsreserve verbleiben muss.

„Sonst könnte es bei einer Havarie zum völligen Trockenfallen der Diemel kommen“, erklärt Katrin Urbitsch.

Hintergrund

Um in trockenen Jahren vorsichtiger mit dem Wasser im Edersee zu haushalten, definierte das Wasser- und Schifffahrtsmat nach dem Aufreger-Jahr 2011 eine „Triggerlinie“ für die Talsperre. Trigger heißt auf gut Deutsch „Auslöser“ und die Linie gibt an, zu welchem Zeitpunkt im Jahr bei welchem Wasserstand im See das WSA nicht mehr 1,20 Meter Weserpegel in Hann.Münden ansteuert, sondern nur noch 1,15 Meter. Die Linie löst also eine veränderte Bewirtschaftung aus, sobald sie unterschritten wird. Dieser Fall trat Dienstag ein.

Von Matthias Schuldt

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