Der Wildunger Karl-Heinz Hieronymus und seine Sportskameraden vom Verein Viktoria Großenenglis

Seit 32 Jahren „mim Radl da“ und dort

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Karl-Heinz Hieronymus mit einigen seiner Gruppe bei der Tour 2012 um Dresden.

Bad Wildungen - „Demnächst will ich ins E-Bike-Fahren einsteigen – aber auf unseren Touren darf ich mich damit nicht sehen lassen“, sagt Karl-Heinz Hieronymus und lacht. Der 73-Jährige fährt leidenschaftlich gerne Rad: auf Reisen 50 bis 100 Kilometer pro Tag.

Seit Jahrzehnten gehört er einer Gruppe in seinem heimatlichen Sportverein Viktoria Großenenglis an, die regelmäßig zu solch mehrtägigen, langen Radtouren aufbricht. Daran änderte sich für ihn auch nichts, als der ehemalige Fußballer vor 20 Jahren in die Kurstadt umzog.

Er erinnert sich an die Anfänge dieser Tradition, damals 1979 im Borkener Schwimmbad. „Fußballspielen ging wegen einer Verletzung nicht mehr und einer meiner Freunde meinte beim Schwimmen, wir sollten uns neue Fahrräder anschaffen und nach München aufs Oktoberfest fahren.“

Um ein Haar ...

Gesagt, getan. Ein Jahr später war es so weit. Um ein Haar wäre es für die damals elf Männer die erste und letzte Unternehmung dieser Art gewesen. „Einer von uns wollte von einer Telefonzelle nach Hause telefonieren, musste aber aufhören, weil niemand mehr Kleingeld dabei hatte“, erzählt Hieronymus. Kurze Zeit später sei eben diese Telefonzelle beim Anschlag auf das Oktoberfest in die Luft gebombt worden.

Die Nordhessen hatten Glück, nicht im falschen Moment an diesem Ort gewesen zu sein, und so nahmen sie sich von da an alle zwei Jahre Ziele vor, die sie mit dem Fahrrad erkundeten. Zumeist in Deutschland, beispielsweise im Norden, oft auch über die Grenzen hinaus. So eroberten die Pedalritter Paris und Mallorca mit ihren Rennrädern. Besonders schön: die Fahrt an der Donau entlang von Donaueschingen bis Wien. Inzwischen sind die Männer, deren Alter von Anfang 60 bis Mitte 70 reicht, auf Trekking- und Mountainbikes umgestiegen und brechen jährlich auf. „Das wäre ohne die Unterstützung und Zustimmung unserer Frauen gar nicht möglich“, fügt Hieronymus hinzu.

Die eine oder andere unter ihnen macht sich sicherlich Sorgen. Nicht ganz unbegründet, denn Unfälle passieren schnell. „Ich selbst bin schon schwer über Straßenbahngleise gestürzt. Mein Helm war gespalten“, berichtet Hieronymus, der spätestens seit diesem Vorfall nicht mehr ohne den Kopfschutz auf sein Rad steigt. Trotz angeknackster Rippen brach er die Tour damals nicht ab, sondern fuhr weiter mit.

120 Kilometer pro Woche

2012 radelten die sieben mehr als 700 Kilometer rund um Dresden, und für 2013 steht der Mauerradweg Berlin auf dem Programm.

Ohne Trainingsfahrten ist das nicht zu schaffen. „Zweimal die Woche bin ich unterwegs, fahre im Durchschnitt dann 60 Kilometer“, erzählt Hieronymus, der seit 2006, als ihm ein Stent eingesetzt wurde, außerdem einer Herzsportgruppe angehört. Ein anderer Wildunger begleitet ihn seit geraumer Zeit auf diesen Touren: Helmut Albrecht. „Er wohnt gleich in der Nachbarschaft, aber kennengelernt haben wir uns durch Zufall, als wir uns unterwegs auf einem heimischen Radweg begegneten und ins Gespräch kamen.“

Radfahren verbindet eben, stellt Karl-Heinz Hieronymus seit 1980 immer wieder fest.

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