Bad Wildungen

Skelett lässt viele Fragen offen

- Bad Wildungen (r). Unsere kleine Reihe über das Stadtmuseum in der Lindenstraße wirft heute einen Blick weit zurück in die heimische Historie.

Zu den beeindruckendsten Ausstellungsobjekten im Wildunger Stadtmuseum gehört ein fast komplett erhaltenes Skelett aus der Jungsteinzeit. Es wurde in den 1970er-Jahren bei einem Hausbau in Bergheim entdeckt und befand sich nur rund 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche. Es handelt sich um das Skelett eines jungen Mannes. Dass die Knochen die sterblichen Überreste einer männlichen Person darstellen, erkennt man an den Beckenknochen. Dass der Verstorbene noch relativ jung beerdigt wurde, darüber gibt der eher geringe Abnutzungsgrad der Zähne Aufschluss. Die Größe des Körpers lässt sich nachmessen: 1,69 Meter.

Der Tote war offensichtlich bekleidet, denn an der Hüfte liegt eine knöcherne Gürtelplatte. Im Gürtel, der wie die Kleidung während der vergangenen 6 000 Jahre zu Staub zerfallen ist, steckte eine Feuersteinklinge, die der junge Träger einst als Messer benutzt haben könnte.

Der Mann ist mit angewinkelten Beinen bestattet worden: Wissenschaftler sprechen deshalb von einem Hockergrab. Arme und Beine liegen gekreuzt, so als wären sie gefesselt. Es gibt verschiedene Deutungen für diese eigenartige Stellung. Eine geht davon aus, dass die Hinterbliebenen Angst hatten, der Tote könne als Wiedergänger aus dem Jenseits zurückkehren. Herumgeistern sollte auf diese Weise unterbunden werden.Oder man brachte den Leichnam in eine fötusartige Stellung, um am Ende des Lebens an den Beginn zu erinnern. Besucher des Stadtmuseum können aber auch zu einer eigenen Interpretation kommen, wenn sie das Grab betrachten.

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