Bad Wildungen

Skepsis über Sicherheit am Scharnier

- Bad Wildungen (höh). Kurze Wege, leichtere Orientierung für Gäste, weniger Abgase – in der Bürgerversammlung am Donnerstag im Kurhaus warben Bürgermeister Volker Zimmermann, Planer und Gestalter für den Umbau des Wildunger Stadtrings.

Warum ohne Not in Zeiten leerer Kassen eine funktionierende Verkehrsader zugunsten von fünf Kreisverkehren opfern? – Diese Frage beantworteten Experten in Kurzpräsentationen.

Das Verkehrsnetz ist eng verknüpft mit Wohl und Gedeih der Innenstadt. Michael Karutz, der das Einzelhandelsgutachten erstellt hatte, verspricht sich davon bessere Rahmenbedingungen für Modernisierungen. Der Gutachter sieht die Flaniermeile vom Fürstenhof zur Kaiserlinde dreigeteilt: Gastronomie und Gesundheitsspezialisten in der Kurzone, „Wildungen zieht an“ mit Bekleidungsgeschäften in der Mitte und Leerstandsmanagement, Gastronomie und Kultur in der Altstadt.

Uwe Höger vom Kernbereichsmanagement der Wirtschaftsregion Mittleres Edertal greift den Faden aus städtebaulicher Sicht auf: Die Nähe von Altstadt und Kurbereich ist in dieser engen Verflechtung sehr selten – „das ist ein Alleinstellungsmerkmal“. Die Verknüpfung dieser beiden Bereiche ist die große Herausforderung im Förderprogramm „Aktive Kernbereiche“.

Am sogenannten Scharnier zwischen Postplatz und Kurschattenbrunnen erwartet er lebendiges Treiben und besonderes Ambiente. Auf interessante Vorschläge lasse der Architektenwettbewerb hoffen. Die Sieger sollen am 8. Dezember verkündet werden.

Deutlich gästefreundlicher stellt sich die Kurstadt nach Ansicht von Stadtbauamtsmitarbeiter Robert Hilligus mit fünf Kreisverkehren dar, die Ortsunkundigen die Orientierung erleichtern und Einheimischen lange Wege ersparen sollen.

Straßen werden entlastet, wie beispielsweise das Nadelöhr Eselspfad: Statt derzeit 14 000 rechnen Verkehrsplaner dann nur noch mit 4500 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden. Bei so vielen Vorteilen der Kreisverkehre kamen Zuhörer der Bürgerversammlung ins Grübeln. War der Bau des Stadtrings vor 17 Jahren eine Fehlentscheidung? „Es waren damals völlig andere Voraussetzungen“, stellte Bürgermeister Zimmermann klar. „Der Individualverkehr ist heute stärker.“

Andreas Schmitz, Planungsgruppe Nord, stellte die Begegnungszone vor, die zwischen Sparkasse und Eselspfad entstehen soll. 650 Fußgänger sind dort in Spitzenzeiten unterwegs, flanieren künftig zwischen 4500 Fahrzeugen am Tag. Fußgänger haben dann Vorrang, Kfz-Lenker müssen im Schritttempo vorsichtig fahren. Dieses förderungsfähige Modellprojekt in Hessen stößt auf große Skepsis im Publikum. „Wie soll denn da die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern gewährleistet werden?“, fragt eine Zuhörerin kopfschüttelnd. Schmitz zeigt Bilder und Filme von funktionierenden Begegnungszonen mit 12 000 Fahrzeugen. Er ist vom Gegenteil überzeugt. „Die Unfallgefahr nimmt ab.“

Rund 2,44 Millionen Euro kostet der Umbau des Stadtrings, nach Abzug der Förderung (1,6 Millionen Euro) muss die Stadt 815 000 Euro schultern – von 2013 bis 2015.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 27. November.

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