Kultgeschichten aus der Heimat: Heute Kerstin Bölling aus Hemfurth/Edersee

Spitzname: Drei-Käfer-Kerstin

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Kerstin Bölling mit ihrem marinablauen 1303 Halbautomatik mit Stahlschiebedech. Am 18. Mai feierte der Käfer 42. Geburtstag – zwar ohne Torte, aber mit einem Extra-Schluck Motorenöl.Fotos: pr

Edertal-Hemfurth/Edersee - Einst schnödes Fortbewegungsmittel, inzwischen Kult: der Käfer. Zu ihrem 40. Geburtstag hat die Lebenshilfe einen roten Käfer als Gewinn ihrer Lotterie ausgeschrieben. WLZ-FZ unterstützen die Aktion und laden Leser ein, ihre Geschichten mit dem Kultwagen zu erzählen. Heute: Kerstin Bölling aus Edertal.

„Sieben Tage nach bestandener Führerscheinprüfung begann meine große Käfer-Leidenschaft“, erinnert sich die Hemfurtherin. „Am 1. Juli 1986 bestand ich die Prüfung, also musste schnellstens ein Auto her.“

Mit ihren Eltern ging die stolze Führerscheinbesitzerin auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz, und in einem Korbacher Autohaus wurde die Familie fündig. Da stand er: ein leuchtend roter 1200er VW-Käfer. „Für 1600 Mark - genauso teuer war auch mein Führerschein“, erinnert sich Kerstin Bölling und fragte sich, ob das ein gutes Omen sei. „Ja!“, behauptet die Hemfurtherin heute ohne Zögern. „Meine Augen leuchteten mit den Scheinwerfern um die Wette und meinen Eltern blieb wohl nichts anderes übrig, als ihren Geldbeutel zu zücken. Mein Sparschwein war für ein Auto echt zu mager.“

Ein paar Tage später wurde der Traumwagen abgeholt und trat unter seiner neuen Besitzerin die Jungfernfahrt von Korbach ins Edertal an. Bölling weiß noch genau, wie sich das anfühlte: „Ich fuhr vorneweg und meine Eltern hinterher. Seitenfenster auf, Radio an und die Haare wehten im Wind - einfach prima. Ich war stolz und glücklich und meine Eltern auch. Tapfer setzten sie sich zu mir in den Käfer, so sauste ich mit meiner Mutter den Wildunger Eselspfad hinunter, sodass ihr die Haare zu Berge standen.“

Zum Geburtstag einen Extra-Schluck Motoröl

Später wurde auch ihr Vater während seines Kuraufenthalts im Sauerland besucht. Auf der Rückfahrt lernten Mutter und Tochter völlig neue Strecken kennen. „Ob wir uns wohl verfahren hatten, damals ohne Navi...?“, sagt die Käfer-Freundin mit einem Schmunzeln. „Egal, Hauptsache Spaß dabei.“

Zeitweilig standen sogar drei VW-Käfer auf dem Parkplatz der Edertalerin. „Das brachte mir den Spitznamen „Drei-Käfer-Kerstin“ ein.“ Das unterschied sie eindeutig von ihrer Freundin und Nachbarin, die auch Kerstin heißt, aber nur zwei Käfer besaß.

Die Liebe zu dem unverwechselbaren Flitzer ist in all den Jahren nie erloschen. „Heute fahre ich meinen sechsten VW-Käfer, einen marineblauen 1303 Halbautomatik mit Stahlschiebedach, der dieses Jahr am 18. Mai seinen 42. Geburtstag feierte. Zwar ohne Torte, aber mit einem Extra-Schluck Motoröl, denn das lieben die Käfer ja nun mal.“ Obwohl die Edertalerin einen Käfer ihr Eigen nennt, werden dennoch jedes Jahr ein paar Lose der Lebenshilfe erworben, um die gute Sache zu unterstützen.

Die WLZ-FZ-Redaktion freut sich über weitere Käfer-Geschichten. Kontakt: Tel. 05631/560150 oder per Mail an lokalredaktion@wlz-fz.de.

Von Conny Höhne

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