Vorsicht beim Osterspaziergang im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Stürmisch zur Wildnis

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Auch nach Sturm Niklas kann der Nationalpark Kellerwald-Edersee über die Osterfeiertage betreten werden. Die Nationalparkverwaltung bittet Wanderer und Radfahrer jedoch, bei ihren Touren auf möglicherweise herabfallende Äste zu achten.Foto: Nationalpark

Bad Wildungen - „Niklas“ fegte mit Macht übers Land, knickte Bäume um und fegte Ziegeln von den Dächern. Auch der Nationalpark Kellerwald-Edersee wurde heftig durchgeschüttelt. Parkleiter Manfred Bauer sieht in dem Orkan jedoch ein willkommenes Wetterereignis.

Im Nationalpark hinterließ „Niklas“ örtlich stark begrenzte Windwürfe. „Für Erholungssuchende kommt es jedoch zu keinen Einschränkungen“, teilte Nationalparkleiter Manfred Bauer mit. Das Großschutzgebiet kann über die Osterfeiertage weiterhin betreten werden. Wanderer und Radfahrer werden jedoch um Vorsicht gebeten.

Orkan als Chance für den Wald

Die Windböen erreichten teilweise Orkanstärke und stellten die Stabilität des Waldes auf die Probe. Es ist zu Schäden gekommen, die lokal sehr unterschiedlich ausgefallen sind und derzeit genauer erfasst werden. Insgesamt hat der Wald Sturm Niklas standgehalten, stellte Bauer fest. „Im Nationalpark kam es nur zu einer relativ geringen Anzahl umgestürzter Bäume.“

Einzelne Baumstämme, die Rad- und Wanderwege im Schutzgebiet versperren oder Besucher direkt gefährden könnten, werden von Rangern umgehend entfernt. „Ein Osterspaziergang im Nationalpark ist daher nach wie vor möglich“, betont der Nationalparkleiter. Eine besondere Gefahr bestehe jedoch durch abgebrochene Äste, die in Baumkronen hängen. Diese können auch bei leichtem Wind herabstürzen und Verletzungen verursachen. In den nächsten Tagen sollten Nationalparkbesucher deshalb besonders aufmerksam und vorsichtig sein, empfiehlt Bauer.

Gefallene Baumriesen werden nicht genutzt sondern bleiben auf der Fläche liegen und sind ein Bestandteil eines wilder werdenden Waldes. „Die Nationalparkverwaltung Kellerwald-Edersee sieht in den Sturmereignissen auch eine Chance“, merkt Bauer an. Aufgrund der veränderten Licht- und Windverhältnisse werden biologische Prozesse im Boden und der Vegetation angestoßen, die zu höherer Strukturvielfalt und größerem Artenreichtum auf der gesamten Nationalparkfläche führen. Lebewesen, die auf absterbendes und sich zersetzendes Holz angewiesen sind, können sich entfalten. Kurzum: Der Wald verjüngt sich schneller.

„In den kommenden Jahrzehnten wären zahlreiche Baumriesen aufgrund ihres natürlichen Alterungsprozesses zu Boden gefallen“, sagt Bauer. Diese Dynamik trete nach einem solchen Windereignis früher ein. „Der Sturm bedeutet für die betroffenen Waldflächen einen vorzeitigen Schritt hin zur Wildnis von morgen.“

Als lehrreichen Wanderpfad empfiehlt Bauer den Brückengrundsteig bei Harbshausen. Der Pfad durch ein Windbruchgebiet ist Bestandteil der Hagenstein-Route. Der Steig entstand in 2010 im Nachgang an das Sturmtief Xynthia. Besucher können dort der werdenden Wildnis begegnen und die dynamischen Prozesse der Erneuerung beobachten.(r/höh)

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