Kurze Verbindung zwischen Kaiserlinde und LGS-Gelände muss saniert werden

Tante Hedis Weg bleibt noch zu

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Ein verwunschener Tunnel: der Hedwig-Schnorr-Weg zwischen Königsquellenweg und Landesgartenschaugelände.

Bad Wildungen - Ob „Tante Hedi“ sich von den Sperrschildern an dem nach ihr benannten Weg hätte aufhalten lassen?

Seit Jahren ist der Durchgang zwischen Königsquellenweg und Landesgartenschau-Gelände - die kürzeste Verbindung zwischen Kaiserlinde und Wildetal - für den Publikumsverkehr gesperrt. Seit Anfang des neuen Jahrtausends trägt der Fußpfad den Namen „Hedwig-Schnorr-Weg“ und ehrt damit die erste Wildunger Gemeindeschwester, die 1924 ihren Dienst antrat. Entsandt war sie vom Arolser Diakonissenhaus.

Sie erledigte alle Wege zu ihren Patienten zu Fuß, bergauf, bergab, erinnerte sich vor Jahren ein Wildunger, der die Schwester aus seinen Kindheitstagen kannte.

Vermutlich hätte die Ordensfrau auch den Hedwig-Schnorr-Weg benutzt, den das städtische Bauamt geschlossen hat, weil die Holzschwellen, die als Treppen dienen, abgängig sind und aus Sicht der Behörde die Gefahr von Stürzen bergen. Die Bäume und Sträucher der anliegenden Grundstücke sind über dem Weg quasi zu einem Tunnel zusammengewachsen.

Tatsächlich abschrecken lassen sich Spaziergänger von den Verbotsschildern, Zäunen und Barrieren der Stadt offenbar nicht. Unbekannte haben die Kabelbinder durchtrennt und die Sperren so weit an die Seite gerückt, dass man vorbeigehen kann.

Der Weg trägt Hedwig Schnorrs Namen, weil sie im Ruhestand ganz in der Nähe wohnte. Während der aktiven Zeit drehte sie von der Dienstwohnung im Pfarrhaus aus ihre Runden zu den Hilfsbedürftigen. Das Haus stand dort, wo heute die Wal­decker Bank am Breiten Hagen zu finden ist.

Hedwig Schnorr hatte Verbindung zu den Bessergestellten und nutzte die Kontakte, um das eine oder andere für Arme und Kranke zu bewirken, beispielsweise, indem die wohlhabenderen Haushalte Essen spendeten. Der Schwester Emmi im Kinderhort half sie ebenfalls beim Stopfen der Strümpfe von elternlosen Kindern. Sie beschenkte viele Patenkinder zum Geburtstag und zu Weihnachten.

Hedwig Schnorr und die Gemeindeschwestern, die nach ihr kamen, verrichteten eine schwere Arbeit. Eine Wildungerin fand sich nie für diese Tätigkeit, belegen die Geschichtsbücher. Die Diakonieschwestern stammten zumeist aus den Dörfern in der Nachbarschaft der Badestadt. 1980 ging die letzte dieser Schwestern in den Ruhestand.

Der Weg, der stellvertretend für ihrer aller Arbeit Hedwig Schnorr würdigt, soll wieder zu Ehren kommen. „Wir wollen ihn in einem Zuge sanieren lassen, wenn auch der Königsquellenweg ausgebaut wird“, erklärt Angelika Seifert vom Stadtbauamt. Das Projekt steht für die kommenden zwei Jahre auf der Tagesordnung. Ob die Mittel freigegeben werden, darüber entscheiden allerdings die Wildunger Stadtverordneten im Rahmen der jeweiligen Haushaltsberatungen.

Zuletzt hatte sich der Linken-Abgeordnete Jens Lohrmann Ende vergangenen Jahres nach dem kleinen Pfad erkundigt.

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