Offizielle Stellungnahme der Geschäftsleitung steht aus · Gewerkschaft verdi zufrieden

Tarifvertrag fürs „Westend“ liegt vor

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Der Weihnachtswunsch vom Vorjahr geht in Erfüllung für die Westend-Mitarbeiter (kleines Bild). Ein Tarifvertrag mit Lohn- und Gehaltserhöhungen liegt für die Reha-Klinik vor.

Bad Wildungen - Die Westend-Klinik erhält einen Tarifvertrag. Das teilte der zuständige Funktionär der Gewerkschaft verdi (Kassel) gestern auf Anfrage mit.

Die Westend-Geschäftsführung gab noch keine offizielle Stellungnahme zur Einigung ab, weil die Unterschriften von Gewerkschaftsseite unter dem Vertrag bislang nicht vorliegen. Florian Dallmann von verdi Kassel räumte das ein. Mehrere Ebenen der Gewerkschaft in Frankfurt müssten noch unterzeichnen, der Vertrag liege dort vor. Es handele sich aber um eine Formalität.

„Knackige Verhandlungen“

Dallmann schilderte die Einzelheiten der Einigung, die in den vergangenen Monaten in „knackigen Verhandlungen“ vereinbart worden seien.

Der wichtigste Teil des Tarifwerkes bestehe in Lohn- und Gehaltserhöhungen. In der Summe, inklusive neuer Regelungen bei den Zuschlägen, mache das bei einem derzeitigen Verdienst von 2500 Euro monatlich (laut verdi in etwa der Durchschnitt in der Klinik) knapp 300 Euro mehr aus, künftig also 2800 Euro. Ohne Zuschläge wären es nach Gewerkschaftsrechnung 2700 Euro. Die Laufzeit reicht bis Ende Februar 2014.

An TvöD angelehnt

„Ab 1. März 2014 sollen für die Zukunft die jeweiligen Erhöhungen im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, kurz TvöD, übernommen werden“, fügte Dallmann hinzu.

Zwar werde im Westend mit der Einigung nicht komplett das Niveau des öffentlichen Dienstes erreicht, „aber das wäre einer Klinik binnen 13 Monaten auch nicht zuzumuten“, sagte der verdi-Mann. Die Richtung stimme.

Zwar könne die Geschäftsleitung die Vereinbarung, die ab 1. März 2014 gelten soll, auch kündigen, „aber dann wären wir von unserer Friedenspflicht entbunden“, erklärte Dallmann, der mit einem solchen Schritt von Seiten der Arbeitgeberin nicht rechnet.

2 Prozent und 3 Prozent Plus

Festgezurrt ist auf jeden Fall die Bezahlung bis zum Ende der Laufzeit. Die Details: 2 Prozent mehr Lohn und Gehalt ab 1. Oktober des laufenden Jahres, ab 1. Januar 2013 weitere 3 Prozent plus, das alles auf Grundgehalt und stetige Zulagen, die etwa durch Zusatzqualifikationen fällig werden.

Zusätzlich sieht der Vertrag folgende Regelungen bei den Zuschlägen vor, um maximale Steuerfreiheit gemäß Einkommensteuerrecht zu erreichen: 25 Prozent für Dienststunden zwischen 21 und 0 Uhr, 40 Prozent zwischen 0 und 4 Uhr, 25 Prozent zwischen 4 und 6 Uhr, 50 Prozent an Sonntagen, 100 Prozent an Feiertagen ab 14 Uhr, Weihnachten 150 Prozent.

Einspringen aus Frei teuer

Neu sind laut verdi Zuschläge für Mitarbeiter, die aus dem Frei heraus einspringen, etwa für erkrankte Kollegen. „Wer nicht auf dem Dienstplan steht und aushilft, bekommt für diese Stunden im Folgemonat 30 Prozent Zuschlag ausgezahlt“, erläuterte Dallmann. Das Einspringen aus dem Frei soll für die Klinik teuer sein, damit es nicht als Mittel zum Einsparen von Personal verwendet wird - so lautet das Kalkül der Gewerkschaft in diesem Punkt der Tarifvereinbarung.

Nicht angerechnet auf die Einigung zu Löhnen und Gehältern werden die 73 Euro Einmalzahlung, die das Westend den Beschäftigten im Vorfeld der Verhandlungen zugestanden hatte.

Zehn Minuten „Rüstzeit“

Weitere Themen des vorliegenden Tarifvertrages sind zum Beispiel die Rahmenzeit, in der Therapien laufen: Sie reicht von 7 bis 17 Uhr.

Zweimal fünf Minuten täglich werden als „Rüstzeit“ und damit Teil der Arbeitszeit denjenigen Beschäftigten eingeräumt, die aus hygienischen Gründen Dienstkleidung anlegen und nach dem Ende der Arbeit wieder ausziehen müssen.

Verhandeln kann eine Gewerkschaft immer nur für ihre Mitglieder. Dennoch kommen auch die nicht organisierten Beschäftigten in den Genuss der Vereinbarung. Einzige Ausnahme: Nur verdi-Mitglieder erhalten die genannten Rüstzeiten nachträglich gutgeschrieben, von dem Zeitpunkt an, als sie auf deren Anrechnung gepocht haben, erläuterte Dallmann.

97 Prozent Zustimmung

Die Vereinbarungen gelten seinen Angaben zufolge für das nichtärztliche Personal der Klinik. Etwa 350 Menschen sind nach Erkenntnissen der Gewerkschaft im Westend beschäftigt.

verdi ist laut Florian Dallmann mit dem Ergebnis der Verhandlungen zufrieden: „Das gilt auch für unsere Mitglieder in der Klinik. Sie haben bei einer Befragung dem Vertrag mit 97 Prozent zugestimmt. Ein seltener Wert.“

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