Vorhabenbezogener Bebauungsplan auf Halbinsel Scheid im Parlament

Terrassen-Platz mit Fernwirkung

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90 Wohnmobil-Stellplätze, 18 Pkw-Plätze und eine bewirtschaftete Almhütte sind auf der Halbinsel Scheid auf einer Wiese oberhalb des Campingplatzes Bettenhagen (rechts im Bild) geplant.

Waldeck-Scheid - Erhebliche Bedenken äußerten Träger öffentlicher Belange, Naturschutzorganisationen und der Landkreis zum geplanten Wohnmobilstellplatz auf der Halbinsel Scheid.

Auf einer knapp 20 000 Quadratmeter großen landwirtschaftlich genutzten Fläche gegenüber dem Campingplatz Bettenhagen plant eine Investorin aus Willingen auf ihrem Grundstück einen Platz für 90 Wohnmobile und 18 Pkw. Im oberen Bereich ist eine bewirtschaftete Almhütte geplant, die auch Tagesgästen offen stehen soll. Das steile Gelände soll terrassiert werden.

Etliche Einwendungen von Trägern öffentlicher Belange gegen den vorhabenbezogenen Bebauungsplan waren in den vergangenen Wochen Gegenstand intensiver Beratungen in den Parlamentsausschüssen.

„Sensibles Thema“

In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung im Waldecker Bürgerhaus kritisierte Peter Trietsch (Bündnis 90/Grüne) die „negative Fernwirkung“ des geplanten Projekts. „Der Platz wird das Landschaftsbild am Edersee erheblich verändern.“ Der Sprecher der Umweltpartei monierte, dass ein Gutachten als Grundlage diene, das von der Investorin bezahlt und damit mutmaßlich in deren Sinne verfasst worden sei.

Jürgen Staude (SPD) verwies auf langjährige Bemühungen, den Edersee touristisch zu entwickeln. „Das ist ein sensibles Thema.“ Aus heutiger Sicht würden sicher auch Projekte wie Ederseerand- oder Uferstraße nicht mehr so gebaut. Den Wohnmobil-Stellplatz mit Servicestation für Entsorgung von Abwasser und Fäkalien sowie Versorgung mit Frischwasser und einer bewirtschafteten Almhütte begrüßte der SPD-Sprecher. „Wir halten das für einen Gewinn.“

Der Fachdienst Natur- und Landschaftsschutz des Landkreises Waldeck-Frankenberg hatte auf „gravierende Auswirkungen auf das Landschaftsbild“ hingewiesen. Die angelegten Terrassen mit den Wohnmobilen würden nicht nur von hervorgehobenen Aussichtspunkten wie Schloss Waldeck oder Baumkronenpfad sofort ins Auge fallen, „sondern aus Richtung der gesamten nördlichen Randstraße eine Beeinträchtigung darstellen“.

Das Nationalparkamt merkt an: „Störender kann ein Projekt auf den Charakter einer außergewöhnlichen Naturerlebnislandschaft kaum wirken.“ Die Einwände der Behörden seien trotz aller Kritik kein Veto, stellte Bürgermeister Jörg Feldmann klar. Der Flächennutzungsplan sei vor neun Jahren im Parlament „durchgegangen“. Heute würde er so nicht mehr beschlossen werden, räumte der Rathauschef ein. Aufgrund des gültigen Flächennutzungsplans gehe es allerdings „nicht mehr um die Frage ob, sondern wie“. Mit einigen Korrekturen wurden die Einwendungen zur Kenntnis genommen.

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