Guoda Gedvilaitè begeistert mit Szenen aus dem Haus von Clara Schumann

„Träumerei“ trifft direkt ins Herz

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Die Pianistin und künstlerische Leiterin der „Bad Wildunger Klaviertage“ Guoda Gedvilaitè schlüpfte im Konzert am Samstagabend in die Rolle von Clara Schumann und schrieb vom Gastspiel in Paris an ihren „lieben Robert.“ Foto: Senzel

Bad Wildungen - Vier hochkarätige Konzerte im Rahmen der internationalen Bad Wildunger Klaviertage boten musikalischen Hochgenuss. Im ausverkauften Hauptkonzert begeisterte die Meisterpianistin Guoda Gedvilaitè.

Die gebürtige Litauerin lebt in Frankfurt, gibt weltweit Konzerte und hat die Badestadt aufgrund von verwandtschaftlichen Beziehungen längst in ihr Herz geschlossen. Einmal mehr zeichnete sie für die künstlerische Leitung der Klaviertage verantwortlich.

In ihrem literarisch-szenischen Konzert „Im Hause Clara Schumann“ am Samstagabend schlüpfte Guoda Gedvilaitè in die Rolle der Komponistin und Pianistin, der Ehefrau von Robert Schumann. Damit hat Gedvilaitè eine ebenso anspruchsvolle wie unterhaltsame Produktion für die Klaviertage inszeniert, die bei den Konzertbesuchern vortrefflich angekommen ist.

Es wurde ein Ausflug ins 19. Jahrhundert und stellte eine der bekanntesten Künstlerinnen ihrer Zeit vor: Clara Schumann. Das Wildunger Publikum sah Szenen aus ihrem Leben: „Clara“ kam auf die Bühne, setzte sich an den Schreibtisch und begann mit einem roten Federkiel einen Brief an den „lieben Robert“ zu schreiben, in dem sie ihm von einer Konzertreise aus Paris berichtet. „Ganz gerne spiele ich Bach….“ Guoda Gedvilaitè setzte sich an den Flügel und spielte nach ihrem eigenen „Caprice a la Bolero“ Johann Sebastian Bachs „Französische Suite“ E-Dur.

Die virtuose Pianistin verstand es, mit „ihrem“ Bach umzugehen, hämmerte mit Leichtigkeit und Verve die Noten der rasant-schnellen Läufe in die Tasten und spielte mit Gefühl für das Bach-Werk die romantischen Passagen, wie das so genial nur einer Pianistin mit ungewöhnlichen Gaben gelingen kann. Clara schreibt weiter an ihren Robert, dass das letzte Vierteljahr, in dem sie mit ihm verheiratet war, die glücklichste Zeit ihres Leben gewesen ist und bedauerte, dass ihr Vater sich ihrem Glück versagt habe. Gedvilaitè spielte die romantische „Phantasie“ op. 6, ein Stück, das Clara mit 16 Jahren geschrieben hat, und das dramatische „Scherzo“ op. 10. Beide Stücke erzählen von ihrer glücklichen Kindheit mit dem Vater und ihrer großen Liebe zu Robert - „die rechte Hand bin ich - die linke Hand ist Robert.“

„Welch ein glücklicher Mensch ist er - Robert - mit solch einer Schöpferkraft begabt zu sein“ schrieb Clara weiter und Guoda spielte Roberts fröhlichstes Werk, die „Toccata Nr. 7“ und sein leisestes, die „Träumerei“, die die Pianistin in einer besonders tief emotional empfundenen Interpretation vortrug. Die „Träumerei“, so wie sie Guoda Gedvilaitè in der Wandelhalle interpretierte, traf emotional direkt in die Herzen der Zuhörer, war eines der Piano-Glanzstücke des Abends. Nach der Pause kam dann auch der spätere (Haus)Freund von Clara, Johannes Brahms, ins Spiel, der dieser schrieb „Wie sieht es in Hannover wüst und leer aus seit Sie uns verlassen haben...“ Und die Pianistin spielte die vier Sätze seiner Sonate C-dur Nr. 1. „Ich will sie oft spielen, denn ich will, dass Brahms bekannt wird.“ Als sich die Engel, die Robert Schumann lange Zeit täglich gesehen hatte, in Dämonen verwandelten, schreibt Clara Schumann drei Romanzen „ich widme sie Johannes, denn Robert braucht sie nicht mehr“ (er saß in einem Irrenhaus).

Tanz als Zugabe

Guoda Gedvilaitè demonstrierte in der Wandelhalle ihre vollendete Beherrschung des Klaviers, bestach durch die differenzierte Interpretation und Tonfärbung der Werke, in der sie das zarte Pianissimo ebenso wie die kraftvollen Passagen perfekt vorzutragen wusste. Brillante, hochentwickelte Technik und persönliche Deutung (Gustav Mahler: „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.“) bestachen genauso wie die rhythmische Prägnanz, atemberaubende Tempi und transparenter, emotional romantischer Klang.

Hier hat eine Pianistin nicht nur mit den Händen, sondern auch mit Kopf und Herz gespielt. Von Veranstaltungsleiter Gereon Schoplick gab es dafür Blumen für die Künstlerin und vom Publikum lautstarken Applaus. Gedvilaitè bedankte sich mit einem Werk von Brahms, dem Ohrwurm „Ungarischer Tanz Nr. 5“.

Von Werner Senzel

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