Wildunger Autoschau: Neue Energieträger Thema für Diskussionen

Was treibt die Räder in der Zukunft an? - Video online

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Sportliche, schnelle Wagen mit Elektroantrieb gibt es schon, allerdings interessieren die Klassiker bislang mehr. Das Wetter verhinderte dieses Mal bessere Besucherzahlen für die Wildunger Autoschau 2012. Am Sonntagnachmittag füllte sich der Schützenplatz.

Bad Wildungen - Der alltägliche Blick auf die wild ausschlagenden Preisanzeigen der Tankstellen rückt die Alternativen zum Otto- und Dieselmotor in den Fokus der Autofahrerinnen und -fahrer.

In vielen Gesprächen auf der Wildunger Autoschau war das darum am Wochenende ein zentrales, viel diskutiertes Thema. Wir fahren und leben mit Blick auf den Individualverkehr in einer Umbruchphase, sind sich alle Händler einig, die mit ihren neuen Modellen aus der Badestadt, Edertal und Fritzlar dem Publikum einen Überblick über den Kfz-Markt lieferten.

„Wohin die Reise letztlich geht, weiß aber noch niemand“, sagt etwa der Wildunger Toyota-Händler Sieghard Arnold. Der japanische Hersteller sieht sich im Segment der Hybrid-Technik mit rund 3 Millionen weltweit verkauften Fahrzeugen als Marktführer. Kennzeichnend für diese Antriebsart ist die Kombination aus herkömmlichem Verbrennungs- und einem Elektromotor. Würden die Autos allein durch die Batterie angetrieben, hätten sie allerdings nur eine Reichweite von 2 bis 25 Kilometern. Der Elektromotor dient in erster Linie dazu, Sprit zu sparen. Die Batterie lädt sich etwa bei Bremsvorgängen auf und stellt ihre Energie so lange bereit, bis sie entladen ist. Dann übernimmt der konventionelle Motor wieder die Arbeit. Es ist ein ähnliches Prinzip, wie es in Formel-1-Boliden beim „Kers“-System seit 2009 zum Einsatz kommt, um zusätzliche Antriebsleistung in bestimmten Situationen zu gewinnen.

Toyota hat inzwischen auch ein Modell vorgestellt, dessen zusätzlicher Elektromotor an der Steckdose aufgeladen werden kann. „Die Frage der Reichweite bei batteriebetriebenen Elektromotoren bleibt aber vorerst ein Thema, auch, weil die Leistung der Batterien im Winter sinkt“, meint Arnold. Er kann sich vorstellen, dass die Brennstoffzelle im Autoverkehr der Zukunft eine tragende Rolle übernimmt. Ein Elektromotor treibt auch in diesem Fall das Auto an, wird aber versorgt aus einer Zelle, in der Wasserstoff oder Methanol elektrische Energie liefern.

Der Wildunger Renault-Händler Markus Seibel rechnet für die Zukunft mit einer wachsenden Bedeutung von Batterie-Elektrofahrzeugen. Außerhalb von Europa gebe es bereits den Versuch, durch ein Netz von Wechselstationen die Reichweite der Autos zu erhöhen, indem der Fahrer an Stromtankstellen seine fast leere Batterie gegen eine neue eintauscht. „Allerdings bin ich davon überzeugt, dass der Verbrennungsmotor nicht vollständig verdrängt wird“, fügt Seibel hinzu.

Auf großes Interesse stieß der ausgestellte neue Renault „Twizy“, ,eine Art überdachter Elektroroller auf vier Rädern, die Sitze hintereinander angeordnet, mit bis zu 120 Kilometern Reichweite im Stadtverkehr und einer Spitzengeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Spielerei oder ein Mosiksteinchen der automobilen Zukunft? Das Mini-Auto lieferte Diskussionsstoff.

Gleichwohl gehen den Schritt, tatsächlich einen Wagen mit alternativem Abtrieb zu kaufen, in Deutschland bislang sehr wenig Kunden. „Die meisten sind trotz Interesses konservativ eingestellt“, berichtet Friedemann Spratte vom Edertaler Autohaus Krummel (Peugeot). Zum einen erzeugen hohe Anschaffungspreise Zurückhaltung. Hinzu gesellt sich Unsicherheit, welchen Wert ein solches Fahrzeug für den Fall des Wiederverkaufs nach einer bestimmten Laufzeit hat. Letzten Endes werde der Elektroantrieb sich mit Blick auf die Endlichkeit der weltweiten Ölreserven aber durchsetzen, ist Spratte überzeugt.

Technische Hürden stehen einem schnelleren Erfolg auf dem Markt wohl weniger im Weg, als Bremsfaktoren in der Wirtschaft, glauben viele Beobachter. Elektromotoren stellen längst nicht so hohe Ansprüche an die Technik wie die ausgefeilten Verbrennungsmotoren heutiger Zeit. Große Konzerne argumentieren, dass durch eine zu rasche Umstellung viele Arbeitsplätze verloren gehen (und ihre Geschäfte leiden) könnten, was speziell Deutschland träfe mit seiner Autoindustrie als tragender Säule der Ökonomie.

Manch einer entzieht sich der ganzen Diskussion, indem er weniger aufs eigene Auto setzt und mehr nach guten Busverbindungen Ausschau hält. Die Wildunger BKW lieferte als Ausstellerin zu diesem Thema am Wochenende ihren Beitrag: „Wir haben sehr viele Anfragen bekommen bezüglich unserer geplanten, neuen Linienverbindung von Bad Wildungen nach Amsterdam“, erzählt Geschäftsführer André Boos.

Auf große Resonanz stießen im Zelt der städtischen Tochter außerdem Fotos von BKW-Bussen aus historischer Zeit. Da erinnerte sich ein Gast der Probleme, mit denen sich Autofahrer kurz nach dem Krieg beschäftigten, als Massenmobilität mit dem Kraftwagen noch Zukunftmusik war: „Ich hatte mein Motorrad gegen einen Opel P4 eingetauscht. Den musste ich etwas auf Vordermann bringen, und als ich endlich losfahren konnte und nach rechts lenkte, fuhr der Wagen genau entgegengesetzt nach links.“ Der Vorbesitzer hatte das Zahnrad-Lenkgestänge falsch montiert und war in spiegelverkehrter Fahrweise unterwegs gewesen: „Ein schöner Schrecken, aber der Fehler war zum Glück schnell behoben und dann ging´s richtig herum.“

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