ACE-Parkhaus-Test in Bad Wildungen: Asklepios knapp vor Fürstengalerie zur besten Einrichtung gekürt

Trotz einiger Mängel im guten Mittelfeld

Schild mit Filzstift korrigiert, Glatteiswarnung an der Decke und ein Doppelpfeil, der in die Irre führt – die Prüfer des ACE stellten beim Parkhaus-Test in Bad Wildungen kuriose Markierungen fest. Fotos: Cony Höhne

Bad Wildungen - Pfeile, die in die Irre führen, fehlende Notruftasten, kuriose Schilder - beim Parkhaus-Check in Bad Wildungen stellten die Prüfer des ACE allerlei Mängel fest. Trotzdem fiel die Gesamtbewertung am Ende gut bis befriedigend aus.

„Kein Parkhaus ist ohne Mängel“, weiß Uwe Völker, hessischer Regionalbeauftragter im Auto Club Europa. 110 Parkhäuser hat der Club bereits in Hessen getestet, davon erhielten nur drei oder vier die Note „sehr gut“. Diese Service-Oasen werden in der Rhein-Main-Region in privater Regie betrieben.

Zusammen mit dem Wal- deck-Frankenberger Kreisvorsitzenden Erwin Lueg und Klaus Treptow aus dem Kreis Kassel/Schwalm-Eder legt Völker in sechs Wildunger Parkhäusern die Messlatte an. Da wird der Kurvenradius bei Zu- und Abfahrten berechnet, die Steigung von Rampen begutachtet. Es werden Fahrgassen nachgemessen, Frauenparkplätze gezählt und Brandschutzeigenschaften überprüft. Bauausführung, Helligkeit, Sicherheit und Kundenfreundlichkeit sind weitere Stichpunkte auf der Checkliste.

Wegweiser, Markierung und einengende Pfeiler fallen als Testkriterien ebenso ins Gewicht wie Beleuchtung, Treppenhaus, Überwachung mit Kameras, Notruftasten oder Sauberkeit und Ansprechpartner vor Ort. Insgesamt zufrieden sind die Prüfer in fast allen Wildunger Parkhäusern mit der Größe der Stellplätze. In der Regel sind sie zwischen 2,30 Meter (normaler Stellplatz) und 3,50 Meter (Behindertenplatz) breit. „Wir fordern mindestens 2,50 Meter Breite“, verweist Völker auf die Entwicklung in der Autoindustrie.

Von 1974 bis 2012 ist ein Golf 18,9 Zentimeter breiter geworden, ein Ford Focus, Baujahr 2004, überragt seinen Vorgänger aus dem Modelljahr 1968 um satte 27,5 Zentimeter in der Breite. Auch länger und zum Teil auch höher ist die aktuelle Pkw-Flotte. Der 1,82 Meter hohe Mercedes passt längst nicht mehr durch jede Parkhaus-Einfahrt. Und wenn, dann bleiben auf einem 2,30 Meter breiten Stellplatz knappe 39 Zentimeter, um auszusteigen.

Bei Technik und moderner Ausstattung herrscht in Wildunger Parkhäusern Fehlanzeige. In einigen Einrichtungen fehlen Notruftasten, in anderen Aufzüge, und nirgends gibt es digitale Hinweistafeln für die exakte Zahl der noch freien Parkplätze, merkt Völker an.

Aufzug außer Betrieb

Kuriose Schmankerl fließen in die Bewertung ein. So wie ein Markierungspfeil im Parkhaus der Fürstengalerie, der in zwei Richtungen weist. Folgt der orts- unkundige Nutzer bei der Ausfahrt einem der beiden Wegweiser, steuert er geradewegs entgegen der Einbahnrichtung auf die Auffahrtsrampe und riskiert einen Frontalzusammenstoß.

Im Parkhaus gegenüber (C&A) missfällt ein Warnhinweis. „Vorsicht Glatteisgefahr“, heißt es auf einem dezenten Schild, direkt unter der Decke. Und auf einer gedruckten Tafel mit den Öffnungszeiten ist eine Uhrzeit plump mit Filzstift korrigiert. „Das sollte nicht sein“, sind sich die Prüfer einig.

Trotz kleinerer Mängel fällt der Wildunger Parkhaus-Check am Ende zufriedenstellend aus (Details siehe blauen Kasten nebenan). Das Asklepios-Parkhaus landet beim ACE-Test knapp auf Rang eins als bestes Wildunger Parkhaus, gefolgt von der Fürstengalerie.

„Ein Ausreißer ist das kleine Parkhaus am Marktplatz“, stellt Völker fest. Dafür gibt es gerade noch die Note „befriedigend“. Größtes Manko aus Sicht des Regionalbeauftragten: „Da ist zwar ein Aufzug drin, aber wenn man davorsteht, sieht man das Schild „außer Betrieb“ - das geht gar nicht.“

Alles in allem punkten die sechs Häuser bei Platz, Service und Freundlichkeit und landen im guten Mittelfeld. „Ich bin überrascht, dass eine Kleinstadt überhaupt so viele Parkhäuser hat“, sagt ACE-Regionalbeauftragter Völker. Aber das ist nicht in die Note eingeflossen.

Hintergrund

So bewertet der ACE die Bad Wildunger Parkhäuser: Platz eins: Asklepios. 222 Plätze. Überzeugt haben: 2,50 Meter breite Parkplätze, 2,10 Meter hohe Einfahrt, zwölf Behindertenplätze. Negativ fielen auf: kein Aufzug, keine Frauenplätze, keine Nummerierung der Stellflächen, sehr schmale Rampe. Bewertung: 99 Punkte, Note „gut“. Platz zwei: Fürstengalerie. 306 Parkplätze, Überwachungskamera, Behinderten-/Frauenparkplätze, Aufzug. Vorteile: kostenloses Parken, 2,50 Meter breite Parkplätze. Nachteile: irritierende Markierung; auf der oberen Etage war die Tür des Fluchtwegs verschlossen. 98 Punkte, Note „gut“. Platz drei: Maritim. 87 Plätze. Gut: Fahrradständer, 2,50 Meter breite Pkw-Stellplätze. Nachteil: kein Hinweisschild auf den Eingangsbereich zum Hotel, wo bezahlt werden muss. 90 Punkte, Note „befriedigend“. Platz vier: Brunnenstraße (C&A). 47 Parkplätze, Behindertenplätze. Positiv ins Gewicht fielen 15 extrabreite Parkplätze (2,85 Meter). Die übrigen 27 Stellflächen sind 2,30 und 2,35 Meter breit. Markierungen teilweise verblasst. 89 Punkte, „befriedigend“. Platz fünf: Kaiserlinde. 73 Plätze. Überzeugt haben Motorradplätze und die schräge Einparkrichtung. Negativ fiel die mit 1,90 Meter niedrige Einfahrtshöhe auf. Überwachung mit Kameras und Notruftasten fehlen. 87 Punkte, „befriedigend“. Platz sechs: Marktplatz. Überzeugt haben 2,50 Meter breite Stellflächen und 2,15 Meter hohe Einfahrt. Abzüge gab es für den veralteten Geldautomaten, der keine Scheine annimmt, und den Aufzug außer Betrieb. Kameras und Notruftasten fehlen ebenso wie Frauen- oder familienfreundliche Plätze. 64 Punkte, „befriedigend“.(höh)

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