Naturpark besetzt Affolderner See mit 1200 Fischen und verfolgt neues Konzept an dem Angelgewässer

Überlebens-Strategien für Forellen

Edertal-Affoldern - Rechtzeitig vor der Angelsaison wurden in den Affolderner See 1200 Forellen eingebracht. „Damit wurde ein Teil der neuen Besatzstrategie umgesetzt“, kommentierte Rainer Paulus, Geschäftsführer des Naturparks Kellerwald-Edersee.

Die Fische mit einem Gewicht zwischen 700 und 1000 Gramm wurden an verschiedenen Stellen des Gewässers ausgesetzt. In diesem Zusammenhang weist Paulus die Kritik von Anglern an der neuen Bewirtschaftung durch den Zweckverband Naturpark Kellerwald-Edersee zurück (WLZ berichtete), der ab 2012 das Fischereirecht von der Eon gepachtet hat.

Entscheidend für die veränderte Situation waren laut Paulus die Rahmenbedingungen. Der See wurde 1973 als Betriebsgewässer für das Pumpspeicherkraftwerk Hemfurth geschaffen. Die Domanialverwaltung übte das Fischrecht aus, gab Angelscheine aus und tätigte Fischbesatz. Zunächst entwickelte sich „ein sehr interessanter Fischbestand durch die hervorragende Nahrungsgrundlage“, obwohl das Gewässer durch das Wehr Affoldern (für aufwandernde Fische) abgesperrt war und vom Edersee (durch die Sperrmauer) eine Zuwanderung nicht erfolgte.

Die besetzten Forellen entwickelten sich gut und der See wurde Anziehungspunkt für heimische Salmoniden-Angler, aber auch für viele Gäste. Zum Saisonstart wurden regelmäßig über 100 Petri-Jünger gezählt. Begleitend entwickelten sich Bootsvermietung, Angelgerätehandel, Zimmervermietung.

Bessere Wasserqualität, weniger Fische

Geangelt wurde mit Kunstködern oder dem toten Köderfisch und zwar vom 1. April bis 31. Oktober. Regelmäßig wurden große Forellen von über 60 Zentimetern und einem Gewicht von 2,5 Kilogramm gefangen. Durch den Bau moderner Kläranlagen gelangten dann immer weniger Nährstoffe in den See. Die Folge: bessere Wasserqualität, aber weniger Fische.

Der Affolderner See ist vorrangig ein Betriebsgewässer für das Pumpspeicherwerk in Hemfurth. Durch effektivere Maschinen komme es heute häufiger zu größeren Wasserpegelschwankungen im Affolderner See und im Flusslauf unterhalb der Edertalsperre. Außerdem steigt die Strömungsgeschwindigkeit. Paulus: „Die besonders für Kleinfische problematischen Verhältnisse wurden bei Untersuchungen am Einlaufbauwerk in Hemfurth 2011 festgestellt.“ Die Folge: Verlust von Jungfischen und möglicherweise eine eingeschränkte Reproduktion bei Rotauge und Flussbarsch.

Bis zu 500 Kormorane

Ende der 80er-Jahre kamen die Kormorane, die im See fischen. „Mittlerweile hat sich ein Schlafplatz etabliert, der von 200 bis 500 Exemplaren genutzt wird.“ Das bedeutet einen starken Eingriff in den Fischbestand. Gerade die fortpflanzungsfähigen Fische nehmen ab. Auch die besetzten Forellen sind stark betroffen.

Die Domanialverwaltung verbesserte daraufhin die Angelbedingungen. Eine zweite Rute wurde erlaubt, und zusätzlich wurden alle Köder (Wurm, Made, Teig) freigegeben. Weiterhin wurde die Angelsaison um drei Monate, auf den 31. Januar, verlängert. Das erhöhte den Druck auf den Bestand zusätzlich. Um Anglererfolg zu gewährleisten, wurde monatlich besetzt.

Diese neuen Regelungen hatten zur Konsequenz, dass von den besetzten Forellen faktisch kein Fisch mehr länger als eine Saison im See verblieb, folgerte der Geschäftsführer des Naturparks. „Viele Angler wussten von den Besatzterminen und stellten daher den frisch besetzten Forellen sehr intensiv nach.“ Letztendlich wurden meist nur noch frisch besetzte Fische gefangen, und der See wurde bei Anglern zunehmend unattraktiver. Der Naturpark als neuer Fischereipächter wolle wieder einen guten Fischbestand etablieren „und den Affolderner See wieder als überdurchschnittliches Angelgewässer mit überregionaler Bedeutung entwickeln“.

Dafür wurde ein neues Konzept erarbeitet: Ab April 2012 wurden die Angelbedingungen wieder zurückgenommen. Es darf nur noch mit einer Angelrute und Kunstködern (Blinker, Spinner, Wobbler und Fliege) gefischt werden. Die Saison wurde auf den 15. Dezember verkürzt. Besetzt wird nur noch an zwei Terminen im Jahr, damit sich die Fische an das Leben im Affolderner See gewöhnen können. Diese Termine sollen vor Beginn und nach Beendigung der Angelsaison liegen. Die besetzten Bach- und Regenbogenforellen sollen so schwer sein, dass sie kaum vom Kormoran erbeutet werden können.

„Umstellung braucht Zeit und Geduld“

Paulus: „Alle Umstellungen brauchen Zeit und Geduld. Ob sich die neue Strategie bewährt, wird sich erst im Laufe der Zeit herausstellen.“ Alle Angler, Naturschützer, Tourismusbeteiligten und Interessierten sind aufgerufen, diese Maßnahmen zu begleiten, sich einzubringen und unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen Vorschläge zu unterbreiten.

Angler finden aber auch Alternativen zum Affolderner See in unmittelbarer Nähe, verweist Paulus. Am Edersee kann erfolgreich auf Hecht, Zander, Barsch und Rotauge geangelt und auch Ansitzangeln ausgeübt werden. Weiterhin gibt es zahlreiche kommerzielle Forellenteiche in der Region.(r/höh)

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