Stadtring- und Scharnierumbau in Bad Wildungen: Verkehrsplaner legt Zahlen vor

Der Mut zum Umbau zahlt sich aus

Bad Wildungen - „Ein Restrisiko, dass es nicht funktioniert, besteht immer“, sagt Bürgermeister Volker Zimmermann. Im Scharnier und auf dem umgestalteten Stadtring ist dieses Risiko nicht eingetreten. Im Gegenteil: Der Mut der Stadtverordneten und der Verwaltung zur Umwälzung zahlt sich noch deutlicher aus als erwartet.

Das erläuterte Verkehrsplaner Andreas Schmitz am Dienstagabend den Politikern im Planungsausschuss. Er war an den Planungen für Scharnier und neuen Stadtring beteiligt. Verkehrszählungen vor (2011) und nach dem Umbau (2014) sowie Befragungen der Gewerbetreibenden belegen: Die Innenstadt hat gewonnen durch die Umgestaltung. Befürchtete negative Effekte wie langwierige Staus blieben aus.

Äußerst zufrieden sind alle Beteiligten mit der Entwicklung der Zone zwischen Fürsten­galerie und Eselspfad. „Der Verkehr hat dort im Vergleich zu 2011 um rund 70 Prozent abgenommen“, sagt Schmitz. Statt zuvor rund 14000 Fahrzeuge pro Tag zählten die Planer nach dem Umbau 3200. „Gerechnet hatten wir mit einem Rückgang auf etwa 5000“, fügt der Fachmann hinzu.

Die Autos fahren zudem langsamer zwischen C&A und Eselspfad: 85 Prozent hielten in der 20er-Zone 21,2 Stundenkilometer ein. Vor dem Umbau lag dieser Wert bei knapp 40 Stundenkilometern.

Gleichwohl ist nicht allen Autofahrern klar, dass auf der gesamten Fläche der Zone alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Diese persönliche Erfahrung hat Bauamtsleiter Klaus Weidner gemacht. Er testete das Verhalten, indem er mitten auf der Fahrspur ging, wie es auch in der kleinen Brunnenallee vorgesehen ist. „Anfangs nahm man viel Rücksicht, doch mit der Zeit wurden die Autofahrer forscher“, stellte Weidner fest. „Das ist auch eine Sache der Öffentlichkeitsarbeit“, erklärte Schmitz. Regelmäßig müssten die Leute an die Funktion der Begegnungszone erinnert werden. Das gelte in gleicher Weise für das Element der „Klopfkante“ als Orientierungshilfe für Sehbehinderte. Viele übersehen sie und parken darauf, obwohl es verboten ist. Insgesamt ermittelten die Planer aber, dass es wenig Konflikte zwischen Flanierenden und motorisiertem Verkehr gibt.

Dabei überqueren deutlich mehr Fußgänger als früher den Breiten Hagen zwischen Fürstengalerie und C&A – dank Verkehrsinsel und Zebrastreifen, denen die Ampel weichen musste. Im Gegenzug nahm der Fußgängerstrom auf der Südseite (Haus Oestreich) spürbar ab. „Wir hoffen, dass auch dort mehr los ist, wenn der Bereich Oestreich aufgewertet wird“, sagt der Bürgermeister.

Die Umfrage unter den Gewerbetreibenden in Scharnier und Begegnungszone bestätigt die Erkenntnis aus vielen öffentlichen Diskussionen. Die Befragten gaben die Schulnoten 2,0 bei „Barrierefreiheit“ und „Kfz-Verkehr in der Innenstadt“, jeweils die Note 2,1 für die Aufenthaltsqualität im Scharnier und für die Überquerungsmöglichkeiten der Fußgänger. Die schlechteste Note erteilten sie beim Punkt „Parkplätze“: eine 3,8.

Dabei hätten die Planer die sechs Stellflächen in der Begegnungszone am liebsten nicht eingerichtet, weil parkende Autos immer das Sichtfeld der Fußgänger einschränken.

Von Matthias Schuldt

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