Bürgermeister und Bauamtsleiter wehren sich gegen Vorwürfe bezüglich des Kurhauses

Verantwortbar investiert

Bad Wildungen - „Eine Unverschämtheit, wie mit dem Eigentum der Wildunger Bürger umgegangen wird“, hatte Marc Vaupel (CDU) mit Blick aufs Kurhaus am Montag im Parlament kritisiert. Diesen Vorwurf lässt Bürgermeister Volker Zimmermann nicht auf sich sitzen. Er kontert mit dem Verweis auf zahlreiche Investitionen in die früheren Immobilien von Staatsbad und Bad Reinhardsquelle unter seiner Ägide – auch ins Kurhaus.

Das Kurpark-Café, die Konzertmuschel, die Wandelhalle Reinhardshausen und der dortige Lesesaal stehen auf seiner Liste. Ins Kurhaus habe man in dem Ausmaß investiert, in dem es ohne Nutzungskonzept und Wissen um die Zukunft des Gebäudes vertretbar war, unterstreicht auch Bauamtsleiter Klaus Weidner. „Der Aufzug zum Beispiel wurde und wird TÜV-geprüft, damit wir keinen neuen bei einer Wiederinbetriebnahme einbauen müssen“, erklärt Zimmermann.

Das Kurhaus habe in den 1980er-Jahren den Stand der Technik repräsentiert und sei bestens ausgestattet gewesen. „Da hat der Kollege völlig recht“, sagt Weidner mit Blick auf den Projektleiter Gustl Weinrich und dessen Berichte aus der Bauzeit in der WLZ-FZ.

Inzwischen hätten sich aber zahlreiche Vorschriften verändert und die Anforderungen etwa an die Entlüftung der Tiefgarage seien weiter gestiegen.

Gemeinsam schildern Zimmermann und Weidner die Entwicklung aus ihrer Sicht seit 2010.

Bei einem Ortstermin besprachen zuständige Behörden, was nötig ist, um das Haus für einzelne Großveranstaltungen zu öffnen. „Das Fazit war ernüchternd, da es unverantwortlich war, ohne Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten ein Großereignis auszurichten“, erinnert sich Weidner.

Die Dachsanierung hätte 100- bis 150000 Euro gekostet. Im Herbst wurde der marode Flachdachaufbau entfernt, Abläufe und Abdichtungen wurden möglichst gesäubert und repariert.

2011 lehnte es die Stadtverordnetenversammlung ab, 300000 Euro in das Kurhaus zu investieren, um Sicherheits- und Brandtechnik auf den aktuellen Stand zu bringen. Das Parkdeck geriet mit ins Visier. Der Landkreis zeigte im Januar 2012 gravierende sicherheits- und brandschutztechnische Mängel auf. Zur Gefahrenabwehr musste das Parkhaus geschlossen werden.

Der Auftrag zur Wartung der zwingend notwendigen Sprinkleranlage wurde erteilt. Weitere Mängel auf der Liste: Beleuchtung, Blitzschutz, Lüftung, Brandschutztüren, Brandmeldezentrale, fehlende Brandschutzverkleidung, nicht ausreichende Brandschutzklasse bei Bauteilen. Investitionssumme aufgrund Begehung: mindestens 470000 Euro. Investitionssumme Kurhaustechnik gesamt: mindestens 615000 Euro.

Gelöste Wartungsverträge können nicht einfach neu vergeben werden

„Ein Problem: Vor Jahren gekündigte Wartungsverträge können und konnten nicht einfach neu vergeben werden“, betont Weidner. Ohne Bestandsprüfung der Anlage mit anschließender umfassender Sanierung nach heute geltendem Stand der Technik nehme keine Firma diesen Auftrag an, ergänzt Zimmermann.

Die hohen Kosten und zugleich die laufenden Verhandlungen über einen Verkauf des Kurhausareals führten zu der Entscheidung, so viel Geld nicht in den Bau zu investieren.

Dennoch investierte die Stadt in Unterhaltung: 230000 Euro in den Lesesaal, den die Technische Hochschule Mittelhessen bezog und in dem heute Webers Kindergarten während der Sanierungsphase des Kiga-Baus in der Altstadt untergebracht ist. Der Auftrag für ein „Notdach“ wurde vergeben, als die Schäden im Inneren des Kurhauses durch Leckagen zu sehr zu wachsen drohten.

Unbestreitbar ist aus Sicht von Weidner und Zimmermann, dass jedes Jahr des Leerstands zu größeren Problemen in der bautechnischen Unterhaltung führt. Nur eine Komplettsanierung in Millionenhöhe und eine umfassende Nutzung einschließlich Instandhaltungskosten könnten diesen Mangel beseitigen.

Von Matthias Schuldt

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