Bürgermeister eröffnete am Mittwoch den Kram- und Viehmarkt

Verbote sinnlos: Feste feiern

Bad Wildungen - Es ist sinnlos, den „Wellungern“ das Feiern und Tanzen zu verbieten. Das fand Bürgermeister Volker Zimmermann rückblickend auf ein altes Dekret. Am traditionsreichen Heiligen Abend eröffnete er am Mittwoch den Wildunger Kram- und Viehmarkt - das große Volksfest auf dem Schützenplatz.

„Um das unordentliche Leben der Faulen und Liederlichen im Fürstentum zu beenden und die Arbeitsleistung der Bevölkerung zu steigern werden sechs Feiertage gestrichen, wird das Fressen, Saufen, Spielen, Toben und Tanzen in öffentlichen Wirtshäusern, bei Schützenfesten, Schnadezügen, Erntefesten und auf Jahrmärkten sowie auf Hochzeiten, Kindstaufen und Begräbnissen verboten, wird den gemeinen Bürgern der Genuss von Kaffee und Schokolade untersagt.“

Diese strengen Vorschriften der fürstlichen Verwaltung stammen aus dem Jahr 1765 und wurden zehn Jahre später schon wieder einkassiert, weil sie sowohl in Wildungen wie auch im gesamten Fürstentum keinerlei Wirkung zeigten.

„Außerdem ist mir nicht bekannt, dass in Bad Wildungen bei Begräbnissen ausschweifend gefeiert wird“, merkte Zimmermann an. Aus der Geschichte soll man lernen, denn Verbote verderben den Charakter, meint das Stadtoberhaupt.

Kein Verständnis hat der Bürgermeister für den Vorschlag der Bundesfamilienministerin, Jugendlichen den Besuch von Festen ab 20 Uhr nur noch in Begleitung von Erwachsenen zu gestatten. „Ich stelle mir vor, wie misstrauische Väter im Auftrag des Gesetzgebers beim Viehmarkt ihre halbwüchsigen Töchter bewachen. Das macht keinen Spaß und nützen tut es auch nicht.“

Von der Sinnlosigkeit von Verboten zu einem bewegenden Thema - dem Verkehr. „Jahrzehntelang war Bad Wildungen an eine Einbahnstraßenpolitik gewöhnt, jetzt sind die Bad Wildunger entgegenkommend und fahren an demnächst fünf verschiedenen Stellen mit Vergnügen im Kreis herum.“ Zimmermann warb um Geduld mit den Verkehrsteilnehmern, die sich mit dem Einfädeln in die Kreisel noch schwer tun.

Im vergangenen Jahr sinnerte der Rathauschef zur Markt-Eröffnung, wer wohl die nächste Viehmarkts-Rede hält. Am 6. Mai haben die Wähler Zimmermann im Amt bestätigt. „Sie haben bei der Bürgermeisterwahl Ihr Kreuz gemacht, jetzt müssen Sie dieses Kreuz tragen“, sagte er schmunzelnd. „Im Bürgermeisterwahlkampf wurde ja mit Argumenten und Aktionen aufgewartet, die man eigentlich in Bad Wildungen nicht für möglich gehalten hätte.“

Ein rhetorischer Ausflug führte zur Schuldenbremse. Der europäische Rettungsschirm, der hessische Rettungsschirm für die Kommunen stellten auch Bad Wildungen vor gehörige Probleme. „Ich sehe aber nicht ein, dass Städte wie Bad Wildungen finanziell solidarisch sein sollen mit Städten und Ländern, die weiterhin eine völlig unsolidarisch unsolide Politik betreiben“, betonte Zimmermann. Und trotz oder gerade wegen der schwierigen Zeiten gehöre es sich für eine aktive Bürgergesellschaft auch, zusammen zu feiern. Und dass wir Viehmarkt feiern können, verdanken wir vor allem den Schaustellern, Händlern und Fahrgeschäften, den Festwirten und denen, die uns mit Bratwurst, Zuckerwatte, Pizza, Döner und vielem anderen mehr verwöhnen. Ebenso den Mitarbeitern des Ordnungsamts, des Bauhofs, der Feuerwehr und all denen, die für einen reibungslosen und stimmungsvollen Festablauf sorgen.

Höhepunkte des Volksfestes sind die Tierschau am heutigen Donnerstag, der Familientag am Freitag und das Höhenfeuerwerk am Samstagabend.

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